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Uni-Dortmund
14. März 2017

Seminar Wissenschaftliche Erklärung

Die Lehrveranstaltung richtet sich an Studierende der Philosophie für das Lehramt und der Philosophie als Neben- oder Wahlfach sonstiger Studiengänge. Erklärungen sind Antworten auf -Warum?--Fragen. Im Alltag suchen wir meist nach Kausalerklärungen dafür, dass und warum etwas passiert. Eine wissenschaftliche...

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Die Lehrveranstaltung richtet sich an Studierende der Philosophie für das Lehramt und der Philosophie als Neben- oder Wahlfach sonstiger Studiengänge. Erklärungen sind Antworten auf -Warum?--Fragen. Im Alltag suchen wir meist nach Kausalerklärungen dafür, dass und warum etwas passiert. Eine wissenschaftliche Erklärung zielt darauf, die Phänomene durch naturwissenschaftliche Theorien zu erklären und den Kausalzusammenhang zwischen Ereignissen auf Naturgesetze zurückführen. Dabei gelingt es bisher allerdings nicht, den Kausalbegriff durch einheitliche wissenschaftliche Erklärungen zu explizieren. So unterschiedlich die heutigen Naturwissenschaften von der Physik über die Chemie und Biologie bis zur Hirnforschung sind, so verschiedenartig sind die Typen wissenschaftlicher Erklärungen, die sie ermöglichen. Wer genauer wissen will, was die Naturwissenschaften heute wie gut erklären (und wie weit die Erklärungsansprüche von Vertretern eines szientistischen Weltbilds tatsächlich fundiert sind), muss sich also insbesondere mit den folgenden Fragen befassen: • Welche Typen wissenschaftlicher Erklärungen gibt es? • Wie stark ist ihre Erklärungsleistung jeweils? • Wie gut entsprechen sie unserem Alltagsverständnis der Kausalität? Im Seminar werden wir diese Fragen anhand ausgewählter naturwissenschatlicher Beispiele und anhand der wichtigsten Typen wissenschaftlicher Erklärungen untersuchen, die man in der Wissenschaftstheorie diskutiert. Die Wissenschaftstheorie hat lange die deduktiv-nomologische Erklärung (DN-Modell der Erklärung) favorisiert, nach der man ein Phänomen oder Ereignis als Anwendungsfall einer naturwissenschaftlichen Theorie betrachtet und aus einem Naturgesetz und seinen Anwendungsbedingungen herleitet, dass es auftritt oder eintritt. Heute weiß man, dass diese simple Vorstellung schon in der Physik ihre Grenzen hat. Der Grund dafür ist, dass viele Phänomene nicht durch eine einzige Theorie erfasst werden können; die Physik hat keine einheitliche theoretische Grundlage, und die anderen Naturwissenschaften noch viel weniger. Beispiele für besonders komplexe Disziplinen, in denen das simple DN-Modell unbrauchbar ist, sind die Klimaforschung und die Hirnforschung. Ein weiteres Problem mit der DN-Erklärung ist, dass sie auf deterministischen Gesetzen beruht, die sich nur partiell mit unserem Alltagsverständnis der Kausalität vertragen (deterministische Gesetze können nicht erklären, warum die Ursache früher als die Wirkung geschieht). Im Seminar behandeln wir folgende Typen wissenschaftlicher Erklärungen, ihre Leistungfähigkeit und ihre Bedeutung in verschiedenen naturwissenschaftichen Disziplinen: • deduktiv-nomologische (DN-) Erklärung (Physik) • probabilistische Erklärung (viele Disziplinen, z.B. Medizin) • Erklärung durch Vereinheitlichung (Physik) • kausale Modellierung (viele Disziplinen, z.B. Hirnforschung) • mechanistische Erklärung (Physik, Chemie, Biologie, Hirnforschung) • funktionale Erklärung (Biologie) • Erklärung durch Analogie (Physik des 17. Jahrhunderts; Hirnforschung) Die Bereitschaft, ein Referat zu übernehmen, wird erwartet. Die Textgrundlagen werden im EWS zur Verfügung gestellt. Lektüre-Empfehlung zur Vorbereitung: Brigitte Falkenburg, Kapitel 6 aus: -Mythos Determinismus: Wieviel erklärt uns die Hirnforschung?” Technische Universität Dortmund SoSe 2013 Univ.-Prof. Falkenburg Brigitte Dr.phil Dr.rer.nat