Uni-Kassel
14. März 2017Seminar Wissenschaftliche Objektivität und genetische Diagnostik ein Blick in die medikale Kultur der 1950er Jahre
Philosophische Reflexionen über wissenschaftliche Objektivität anhand der Geschlechtsdiagnostik in den 1950er Jahren Wie gestaltet sich die Beziehung zwischen wissenschaftlichem Objekt und Wissenschaftler in den Naturwissenschaften, was ist ein wissenschaftliches Objekt, wie definiert sich ein Naturwissenschaftler? Und wie werden diese objektiven...
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Jetzt Lernplan erstellenPhilosophische Reflexionen über wissenschaftliche Objektivität anhand der Geschlechtsdiagnostik in den 1950er Jahren
Wie gestaltet sich die Beziehung zwischen wissenschaftlichem Objekt und Wissenschaftler in den Naturwissenschaften, was ist ein wissenschaftliches Objekt, wie definiert sich ein Naturwissenschaftler? Und wie werden diese objektiven Erkenntnisse in der angewandten Wissenschaft umgesetzt, verwendet? In diesem Seminar werden wir gemeinsam Texte zur Frage von wissenschaftlichen Objekten, Tatsachen und Erkenntnissen sowie der wissenschaftlichen Objektivität beschäftigen. Der Wissenschaftler per se wird in seinen multiplen Rollen des Erkennenden, des Erkenntnisbringenden, des Objektvermittelnden und des neu-Ordnenden sichtbar werden. Die Beziehung zwischen wissenschaftlichem Objekt und wissenschaftlichem Subjekt wird Thema sein. Wir werden uns also mit den unterschiedlichen Herangehensweisen der Wissenschaftsgeschichte beschäftigen. Dabei wird auch die Frage gestellt, wie Inhalte der Wissenschaft auf die Betrachtungsweise und die abgeleiteten Theorien der Wissenschaftsgeschichte und -philosophie wirken.
Am Beispiel der in den 1950er Jahren neu aufgekommenen diagnostischen Methoden für die Bestimmung des chromosomalen Geschlechts anhand des Geschlechtschromatins werden wir uns dann näher und exemplarisch mit den Schwierigkeiten der medizinischen Wissenschaft mit Uneindeutigkeiten und Unerklärbarkeiten auseinandersetzen.
Latour, Bruno: Haben auch Objekte eine Geschichte? Ein Zusammentreffen von Pasteur und Whitehead in einem Milchsäurebad. In: Hagner, Michael (Hg.) Ansichten der Wissenschaftsgeschichte. Frankfurt a. M. 2001, S. 271-298
Daston, Lorraine; Galison. Peter: Das Bild der Objektivität. In: Ordnungen der Sichtbarkeit. Fotografie in Wissenschaft, Technologie und Kunst, ed. Peter Geimer. Frankfurt a.M. 2002, S. 29-99
Daston, Lorraine; Galison, Peter: Das wissenschaftliche Selbst, Kapitel vier aus: Objektivität. Frankfurt a. M. 2007, S. 201-265
Schlich, Thomas: Repräsentationen von Krankheitserregern. Wie Robert Koch Bakterien als Krankheitsursache dargestellt hat. In: Räume des Wissens. Repräsentation, Codierung, Spur hg. von Rheinberger, Hagner, Wahrig. Berlin 1997, S. 165-189
Barr ML, Bertram EG. A morphological distinction between neurons of the male and female, and the behaviour of the nucleolar satellite during accelerated nucleoprotein synthesis. Nature 1949;163:676. doi:10.1038/163676a0
Moore KL, Barr ML. Smears from the oral mucosa in the detection of chromosomal sex. Lancet 1955;269:578. doi:10.1016/S0140-6736(55)921 61-9
Wiedemann, H.-R., Romatowski, H., Tolksdorf: Geschlechtsbestimmung aus dem Blutbilde. Grundlagen Anwendung Bedeutung. in Münchner Medizinische Wochenschrift 1956; 98: 1108-1112
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Philosophie der Wissensformen
Dr.
Hulverscheidt Marion