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Uni-Siegen
14. März 2017

Sicherheitskulturen Phase 1

Die Erfahrung von Irritationen, Störungen, Krisen und Katastrophen bewegt Menschen und Gesellschaften seit jeher dazu, erkannte Risiken einzuschätzen und zu kalkulieren, Gefährdungen zu mindern und Bedrohungen abzuwenden, sich vorzubereiten und vorzusorgen, sich auszurüsten und aufzurüsten, die eigene Verletzlichkeit (Vulnerabiltät) zu...

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Die Erfahrung von Irritationen, Störungen, Krisen und Katastrophen bewegt Menschen und Gesellschaften seit jeher dazu, erkannte Risiken einzuschätzen und zu kalkulieren, Gefährdungen zu mindern und Bedrohungen abzuwenden, sich vorzubereiten und vorzusorgen, sich auszurüsten und aufzurüsten, die eigene Verletzlichkeit (Vulnerabiltät) zu reduzieren, die Widerstandsfähigkeit (Resilienz) zu stärken. Für diese Zwecke sind in der Geschichte immer neue Lösungen für Schutz, Rettung und Gefahrenabwehr gefunden worden abhängig von den jeweiligen kulturellen, politischen, technischen, sozialen und ökologischen Voraussetzungen und Bedingungen. Die Art und Weise wie Risiken, Gefahren oder Bedrohungen wahrgenommen, eingeschätzt und bearbeitet werden, wie und welche Einrichtungen und Techniken zur Handhabung erkannter gesellschaftlicher Sicherheitsprobleme geschaffen und neuen Herausforderungen angepasst werden, kurz: die Art und Weise, wie Menschen und Gesellschaften mit Unsicherheiten umgehen, wird hier als Sicherheitskultur angesprochen Seit im Jahre 2007 die Bundesregierung das Forschungsprogramm für die zivile Sicherheit gestartet hat, haben sich - auch an der Universität Siegen - zahlreiche Forschungsprojekte zu diesem Thema etabliert. Ziel des Sicherheitsforschungsprogramms der Bundesregierung ist, durch die Entwicklung innovativer Lösungen die zivile Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger zu erhöhen. Das Sicherheitsforschungsprogramm ist kein reines Technologieprogramm. Innovation meint nicht nur technische Neuerungen, sondern beinhaltet auch innovative organisatorische Konzepte und Handlungsstrategien. Interdisziplinäre Projekte, Wissenstransfer in die Öffentlichkeit, Begleitforschung zu kritischen Fragen und Transparenz sind in der Sicherheitsforschung Voraussetzungen für den Programmerfolg. Das Programm ist zudem in einen europäischen Rahmen eingepasst. Die an der Universität Siegen laufenden Forschungsprojekte reichen von der Sicherheitskommunikation und der überorganisationalen Zusammenarbeit von Industrie, Behörden, Rettungskräften und Polizei über die Entwicklung Feuerwahrausrüstung, die Entwicklung von Frühwarnsystemen für Hochwasserlagen, den Einsatz von Robotern in Menschen unzugänglichen Extremlagen, bis hin zum Einsatz der THz-Technologien in der Personenkontrolle (-Nacktscanner-). Neue Forschungsprojekte sind geplant, u.a. zum Thema -Open Information- (man denke etwa an die jüngsten Veröffentlichungen von WikiLeaks) und -Veranstaltungssicherheit- (hier wäre z.B. an die Loveparade in Duisburg 2010 zu erinnern). Das Seminar kann an alle diese Aktivitäten anknüpfen; Projektleiter und Projektmitarbeiter können ihre Erfahrungen und Forschungsergebnisse in das Seminar einbringen (z.B. durch Vorträge). Die Seminarteilnehmerinnen und Teilnehmer können aber auch Fragestellungen aus diesen Projekten aufnehmen und weiter bearbeiten. Die Veranstalter schlagen vor, dass nach einem gemeinsamen Einführungsteil, der Lektüren und eine oder zwei Exkursionen vorsieht, in kleineren Gruppen (2 - 4 Studierende) jeweils eines der folgenden Themen (nach Wahl) als Miniprojekt bearbeitet wird: • Sicherheits- / Risikowahrnehmung (Unsicherheit und Bedrohungsklima in der Bevölkerung) • Einsatzkommunikation (Feuerwehr, Rettungsdienste, Polizei) • Disasterfilm (Filmanalysen und Wirkungsuntersuchungen) • Disaster Case Study (Kyrill, Deep Water Horizon, Loveparade o.ä.) • Veranstaltungssicherheit (Anforderungen an Genehmigungsbehörden, Management, Krisenkräfte und Publikum) • Open Information - Gesellschaftliche Risiken und Chancen • Politische Krisenkommunikation (z.B. Innenministerien zu Terrorgefahren) • Presseberichterstattung in Katastrophenfällen (z.B. Amoklauf in Winnenden) Die Ergebnisse der Arbeiten in den Miniprojekten sollen in einer Veranstaltung in Form eines Vortrages / Posters präsentiert werden. Dazu kommt eine schriftliche Ausarbeitung. Es wird angestrebt, die Poster auf einer Tagung zu zeigen und die Ausarbeitungen (als publikationsfähige Artikel) in einem geeigneten Rahmen zu veröffentlichen. Das Seminar sieht einen 14-tägige Jour Fixe (während der Vorlesungszeit) und die durch Protokolle dokumentierte Arbeit in den Kleingruppen/Miniprojekten vor. Klass, Nadine, Univ.-Prof. Dr. Universität Siegen SoSe 2011 Pipek, Volkmar, Univ.-Prof. Dr. Rusch, Gebhard, apl. Prof. Dr. Univ.-Prof. Dr. Eigler Joachim