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Uni-Siegen
14. März 2017

Soziale und literarische Kommunikation von Katastrophen

Unsere Gesellschaft denkt ihre Zukunft zunehmend als Katastrophe. Survivalists bereiten sich auf das nahende TEOTWAWKI (The end of the world as we know it) vor. Die gesellschaftliche Gegenwart, die sich vor allem auch in der massen-medialen Katastrophenkommunikation konstituiert, sieht sich...

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Unsere Gesellschaft denkt ihre Zukunft zunehmend als Katastrophe. Survivalists bereiten sich auf das nahende TEOTWAWKI (The end of the world as we know it) vor. Die gesellschaftliche Gegenwart, die sich vor allem auch in der massen-medialen Katastrophenkommunikation konstituiert, sieht sich mit bedrohlichen terroristischen Szenarien, unsicheren Vorhersagen über die Klimaentwicklung, dem ständig drohenden Zusammenbruch der Weltwirtschaft oder unkalkulierbaren, verheerenden -Naturkatastrophen- konfrontiert. Diese Szenarien bedingen ein komplexes soziales Kommunikationsgefüge, in dem Zeit (Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft) und Raum konfiguriert werden. Katastrophen gerinnen darin zum globalen medialen Ereignis der breaking news, bei dem unmittelbare Visualisierungen von Extremereignissen (Fotos, Videos etc.), Live- und Augenzeugenberichte in hoher Frequenz unmittelbar auf unseren Computer oder Fernseher übertragen werden und damit scheinbar die Distanz zwischen Betroffenen und unbeteiligten Nachrichtenrezipienten überbrücken. Gleichzeitig bleiben die Katastrophen für den Zuschauer meist die Katastrophen -der Anderen-. Vergangene Erfahrungen mit Katastrophen, Alternativentwürfe einer möglichen Zukunft, postapokalyptische Welten, etc. werden häufig literarisch verarbeitet, gespeichert und aktualisiert; allerdings letztlich sehr unterschiedlich rezipiert oder auch schlichtweg ignoriert (wie Medienberichte über -Jahrhundertstürme- o.ä. nahe legen). Literarische Szenarien und Narrative des Katastrophischen führen probeweise in den Ausnahmezustand und imaginieren eine Verstetigung der Katastrophe und des eigentlich Außeralltäglichen. Dabei kann die Literatur auf eine lange Tradition der katastrophé als kathartischer Wende- oder Umschlagspunkt zurückgreifen – womit allerdings eine Reaktivierung von gespeicherten Erfahrungen und entsprechendem Wissen im soziokulturellen Gedächtnis verbunden wäre. Letztlich steht im Seminar zur Debatte, wie sich soziale -Realität-, mediale Kommunikation und literarische Imagination der Katastrophe zueinander verhalten. Eva Horn: Zukunft als Katastrophe. Frankfurt am Main 2014. Kathrin Röggla: disaster awareness fair. zum katastrophischen in stadt, land und film. Wien 2006. Schorch, Maren , M.A. Universität Siegen WiSe 2015/16 Dr. Schaffrick Matthias