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14. März 2017Spanien ein Staat autonomer Gemeinschaften
Der Autonomiestaat ist ein föderationsähnlicher Kompromiss zwischen Zentralismus und regionaler Vielfalt im demokratischen Spanien. Seine Gründung sowie Forderungen nach größerer Autonomie in einigen autonomen Gemeinschaften machen deutlich, dass Spanien gegenwärtig zwar einen nie zuvor erreichten Grad der politischen Dezentralisierung erlebt,...
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Jetzt Lernplan erstellenDer Autonomiestaat ist ein föderationsähnlicher Kompromiss zwischen Zentralismus und regionaler Vielfalt im demokratischen Spanien. Seine Gründung sowie Forderungen nach größerer Autonomie in einigen autonomen Gemeinschaften machen deutlich, dass Spanien gegenwärtig zwar einen nie zuvor erreichten Grad der politischen Dezentralisierung erlebt, diese Tendenz aber vor dem Hintergrund einer langen Tradition der zentralen Machtausübung als Folge des regionalen Widerstands zu sehen ist.
Zentrales Thema des Seminars ist das Spannungsverhältnis zwischen regionaler Autonomie und Zentralismus in Spanien, unter besonderer Berücksichtigung der Bereiche Politik, Wirtschaft und Kultur. Einen weiteren Schwerpunkt bildet die Selbst – und Fremdwahrnehmung bedeutender Regionen Spaniens, da die Frage nach der Identitätsbildung in den historischen Regionen – Katalonien, Baskenland, Galizien –, aber auch in anderen autonomen Gemeinschaften in den letzten Jahren besondere Brisanz gewonnen zu haben scheint. So löste z.B. im Jahr 2006 die Reform des Autonomiestatuts von Katalonien eine nationale Debatte aus, u.a. aufgrund der darin enthaltenen Definition Kataloniens als Nation.
Die Geschichte der einzelnen Regionen sowie ihres Verhältnisses zum Zentralstaat wird herangezogen, um das heutige Verhältnis zwischen den autonomen Gemeinschaften und dem spanischen Zentralstaat zu verstehen. Ziel des Seminars ist es in ausgewählten Epochen und anhand von bedeutenden Ereignissen der spanischen Geschichte die Ursprünge der heutigen Konflikte zwischen Zentralismus und Regionalismus zu erarbeiten. Es wird ein Bogen geschlagen von den christlichen Reichen des Mittelalters über die Gründung der spanischen Monarchien unter den Katholischen Königen und die Zentralismustendenzen im Zeitalter der Bourbonen bis hin zu den föderalistischen Impulsen der Republiken, der Rezentralisierung unter Franco und schließlich der Demokratisierung und Gründung des Autonomiestaates. Als theoretische Grundlage werden Modelle der Nationenbildung herangezogen.
Die Themen werden anhand einführender, kurzer Referate der SeminarteilnehmerInnen und anschließender Diskussion im Plenum erarbeitet.
Zur Vorbereitung empfehle ich:
Bernecker, W. L. (2005): Geschichte Spaniens: Stuttgart: Kohlhammer
Kap. V: Monarchie und Demokratie
Schmidt, P. [Hrsg.] (2002). Kleine Geschichte Spaniens. Stuttgart: Reclam
-Die paktierte Demokratisierung-: König und Volk, S. 479 – 486
-Renaissance des Regionalismus und kultureller Wandel-, S. 486 -490
Fakultät I - Philosophische Fakultät
Es können 2/3 KP durch ein Referat erworben werden und 5/6/7 KP für eine zusätzliche schriftliche Hausarbeit.
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Kühne Ina