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Uni-Hannover
17. Juli 2017

Staats und Institutionentheorie I Globale Gerechtigkeit Probleme Prinzipien Politik und Institutionen

Schon Kant äußerte in seiner Friedensschrift Ende des 18. Jahrhunderts die Erwartung und Hoffnung, dass eine zunehmend ökonomisch integrierte und zu einem Erfahrungsraum zusammenwachsende Welt in immer stärkeren Maße auch einen moralisch-rechtlich gestifteten Resonanzraum für aus Ungerechtigkeitserfahrungen erwachsende Ansprüche universalen...

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Schon Kant äußerte in seiner Friedensschrift Ende des 18. Jahrhunderts die Erwartung und Hoffnung, dass eine zunehmend ökonomisch integrierte und zu einem Erfahrungsraum zusammenwachsende Welt in immer stärkeren Maße auch einen moralisch-rechtlich gestifteten Resonanzraum für aus Ungerechtigkeitserfahrungen erwachsende Ansprüche universalen und globalen Zuschnitts bilden würde. Wenn diese Erwartung sich im Grundzug auch bestätigt haben dürfte, bleibt doch bis heute zum einen umstritten, welchen moralischen Prinzipien (Freiheit, Autonomie, Gleichheit, Rechtfertigung, Fähigkeiten o.ä.) sich die normative Transformation von Ungerechtigkeitserfahrungen in alle adressierende Gerechtigkeitspflichten verdanken soll. Zum anderen ist auch dann, wenn im Recht, in Menschenrechten und Prozessen der Demokratisierung normativ gestifteten Erwartungen auch zunehmend effektive Medien der Realisierung an die Seite gestellt sind, unklar und umstritten, ob wir deshalb gleich von -globaler- Gerechtigkeit sprechen sollten, oder ob es nicht doch näherliegt, mit unterschiedlichen Sphären oder Kontexten von Gerechtigkeit zu rechnen, die für einander gewiss durchlässige, aber nicht strikt kongruente Gerechtigkeitsordnungen bilden, die einmal stärker nationale oder internationale, trans- oder supranationale Konturen annehmen. Insofern rücken dann auch Fragen der Politisierung oder Politisierbarkeit von Gerechtigkeitsfragen in den Vordergrund, die selbstverständlich im engen Zusammenhang mit institutionellen Strukturen stehen, die neben sich globalisierenden Öffentlichkeiten den Resonanzboden und praktischen Vermittlungszusammenhang für die Forderungen globaler Gerechtigkeit bilden können müssen. Thomas Pogge und Darrel Moellendorf (Hg.): Global Justice. Seminal Essays. St. Paul: Paragon House 2008; Thomas Pogge und Keith Horton (Hg.): Global Ethics. Seminal Essays. St. Paul: Paragon House 2008 Politikwissenschaft, Master of Arts M IV Universität Hannover SoSe 2015 Prof. Dr. Schmalz Bruns Rainer