Uni-Dortmund
17. Juli 2017Blockseminar Imitatio 8211 Strategien künstlerischer Aneignung in der italienischen Bildhauerei 1250-1450
Schon lange vor der sogenannten -Wiedergeburt der Antike- im 15. Jahrhundert nahm sich der Bildhauer Nicola Pisano die überlieferten Kunstschätze des Altertums zum Vorbild, als er die Statuetten und Reliefs für die Kanzel im Baptisterium in Pisa (vollendet 1260) schuf....
Erstelle deinen persönlichen Lernplan
Wir helfen dir, diesen Kurs optimal vorzubereiten — mit einem individuellen Lernplan, Tipps und passenden Ressourcen.
Jetzt Lernplan erstellenSchon lange vor der sogenannten -Wiedergeburt der Antike- im 15. Jahrhundert nahm sich der Bildhauer Nicola Pisano die überlieferten Kunstschätze des Altertums zum Vorbild, als er die Statuetten und Reliefs für die Kanzel im Baptisterium in Pisa (vollendet 1260) schuf. Sogar einen Herkules integrierte er in das sakrale Bildprogramm. So lassen sich bereits vor dem Auftreten berühmter -Renaissance--Künstler wie Donatello viele Antikenrezeptionen in der italienischen Bildhauerei feststellen. Laut Giorgio Vasari war es eben diese Gegenwart der Vergangenheit, die seit Nicola Pisano zu einem Erstarken des disegno führte und -nicht wenig Licht in die Belange dieser Künste- brachte. Doch neben den antiken Statuen, Gemmen und Sarkophagreliefs erhielten die italienischen Bildhauer des Spätmittelalters auch wichtige Impulse aus der Malerei der Giottozeit und der transalpinen Skulptur. Beispielsweise sind alle drei Einflussfaktoren zugleich im Werk Andrea Pisanos spürbar: Während dessen Reliefs am südlichen Bronzeportal des Florentiner Baptisteriums (um 1330/36) mit Giottos Fresken in Santa Croce (um 1318/20) in Verbindung stehen, vereinigt die marmorne Madonna del Latte in Pisa (um 1343/48) eine klassische Physiognomie mit dem Figuren-, Gewand- und Materialstil eines französischen Elfenbeins. Ergebnisse und Ziele dieser kreativen Nachahmungsprozesse waren vielseitig: die Veredelung des Materials und seine gesteigerte plastische Durchgliederung; eine Potenzierung von Naturnähe, Bewegung und Ausdruck; die Wandlung des Stils ins Klassische, Feinlinig-Ornamentale oder ins Hybride; das Erschließen neuer kompositorischer und kommunikativer Strukturen im Bild oder zwischen dem Bild und seinem Betrachter.
Das Seminar befasst sich mit Schlüsselwerken der italienischen Bildhauerei des Mittelalters von Künstlern wie Nicola und Giovanni Pisano, Andrea Orcagna, den Gebrüdern dalle Masegne oder auch Jacopo della Quercia und Donatello. Dabei wird immer der Frage nachgegangen, welche Funktion die besprochenen Kunstwerke an ihrem speziellen Aufstellungsort besaßen. Im beschreibenden Vergleich ergründen die Studierenden Strategien der künstlerischen Aneignung, setzen ihre Beobachtungen in Bezug zur frühen italienischen Kunsttheorie, sammeln Erkenntnisse über das Phänomen der Antikenrezeption, diskutieren über Künstlermobilität und machen sich mit dem Modell der kulturellen Übersetzung vertraut.
Einführende Literatur:
Eine ausführlichere Literaturliste wird in der ersten Sitzung ausgegeben.
• Joachim Poeschke: Die Skulptur des Mittelalters in Italien, Bd. 2, Gotik, München 2000
• John Pope-Hennessy: Italian Gothic Sculpture, Oxford 1986
• Charles Seymour Jr.: Sculpture in Italy: 1400–1500 [The Pelican History of Art], Harmondsworth / Baltimore / Ringwood 1966
• Giorgio Vasari: Die Leben der Bildhauer und Architekten des Duecento und des Trecento, neu ins Deutsche übers. von Victoria Lorini, hg., komment. und eingel. von Henrike Haug / Sabine Feser, Berlin 2014
Voraussetzung zur Teilnahme an dieser Veranstaltung ist die bestandene Modulprüfung KG1 bzw. KG2.
Technische Universität Dortmund
SoSe 2015
Hohenfeld Kai