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Uni-Siegen
14. März 2017

Thomas Mann Teil 1

Bereits vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs arbeitet Thomas Mann an einer -Davos-Novelle-. Im Krieg leistet er dann einen von ihm selbst so genannten -Kriegsdienst mit der Feder- ab; zu den wichtigsten Ergebnissen zählen die Betrachtungen eines Unpolitischen, einer affirmativen Schrift,...

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Bereits vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs arbeitet Thomas Mann an einer -Davos-Novelle-. Im Krieg leistet er dann einen von ihm selbst so genannten -Kriegsdienst mit der Feder- ab; zu den wichtigsten Ergebnissen zählen die Betrachtungen eines Unpolitischen, einer affirmativen Schrift, die 1918 noch vor Kriegsende erscheint. Nach dem Krieg wird aus der -Davos-Novelle- der Zauberberg, ein Roman, dessen Handlung 1914 mit einem Sturmangriff Hans Castorps an der Westfront endet. Dies ist Grund genug, den Roman und den Essay gemeinsam zu lesen und aufeinander zu beziehen. Die Betrachtungen bestimmen das sog. -Deutsche Wesen- aus der Differenz von Kultur und Zivilisation, einer wichtigsten semantischen Konstellationen des frühen 20. Jahrhunderts. Deutsch sein, heißt nicht nur für Thomas Mann, dem französischen Geist ohne Substanz, dem englischen Cant und der russischen Tiefe ohne Ordnung gegenüber zu stehen. Die Betrachtungen entwerfen den deutschen Charakter aus seinen -Gegenbegriffen-, die in zahlreichen Listen versammelt werden. In einer genauen Lektüre der Kriegs-Schriften Thomas Manns soll diese Semantik zunächst rekonstruiert werden, um dann die Kontinuitäten dieser Konfiguration in den Blick nehmen. Die Hypothese liegt nahe, dass die in den Betrachtungen aufgeworfenen Gegensätze in den Kontroversen zwischen Settembrini und Naphta im Zauberberg wieder aufgegriffen werden. Methodisch wird es darum gehen, den Referenzen der Texte nachzuspüren (Intertextualität), ihre Verfahren und Formen zu bestimmen (Poetizität, Literalität) und ihren kulturhistorischen Ort im Kontext des Ersten Weltkriegs zu bestimmen. Obligatorische Lektüre bis zum Seminarbeginn: Thomas Mann, Betrachtungen eines Unpolitischen (Berlin 1918), Frankfurt am Main: Fischer Verlag 2001 (oder weitere Auflagen dieser Ausgabe) Thomas Mann, Zauberberg (1924), Frankfurt am Main: Fischer Verlag 1991 (oder weitere Auflagen dieser Ausgabe). Bitte schaffen Sie sich unbedingt die Fischer-Ausgaben an, die auch antiquarisch preiswert zu erstehen sind, damit wir mit seitenidentischen Ausgaben arbeiten können. Die Lektüre dieser beiden Texte bis zum Seminarbeginn ist obligatorisch. Lektüreempfehlung: Alexander Honold, Niels Werber (Hrsg.): Deconctructing Thomas Mann. Reihe Siegen. Beiträge zur Literatur-, Sprach- und Medienwissenschaft. Heidelberg 2012, Universitätsverlag Winter. Carl Schmitt: Der Begriff des Politischen [1932] 3. Aufl., Berlin: Dunckler & Humblot 1991. Carl Schmitt: Politische Theologie [2. Auflage 1934], Berlin: 1996. Germanistik - Neuere deutsche Literaturwissenschaft I Universität Siegen SoSe 2014 Univ.-Prof. Dr. Werber Niels