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Uni-Siegen
14. März 2017

Thomas S Kuhn und die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen

Thomas S. Kuhns Buch -Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen- zählt zweifelsohne zu einem der einflussreichsten Werke innerhalb der Wissenschaftstheorie des vergangenen Jahrhunderts. Kuhn kritisiert das bis zur Veröffentlichung des Buches in der wissenschaftstheoretischen Debatte vorherrschende Bild des sog. kumulativen Fortschritts in...

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Thomas S. Kuhns Buch -Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen- zählt zweifelsohne zu einem der einflussreichsten Werke innerhalb der Wissenschaftstheorie des vergangenen Jahrhunderts. Kuhn kritisiert das bis zur Veröffentlichung des Buches in der wissenschaftstheoretischen Debatte vorherrschende Bild des sog. kumulativen Fortschritts in den Wissenschaften. Die Geschichte der Wissenschaften zeige, dass linearer Fortschritt höchstens in sog. normalwissenschaftlichen Phasen, die durch ein gemeinsam akzeptiertes Forschungsparadigma geprägt sind, stattfinde. In Zeiten wissenschaftlicher Krisen hingegen kann es zu radikalen Paradigmenwechseln kommen, so dass die gesamte theoretische Struktur und der methodologische, begriffliche und metaphysische Rahmen eines Forschungsgebiets sich radikal veränderten: Eine wissenschaftliche Revolution findet statt, nach der ein neues Forschungsparadigma, das mit dem vorherigen in relevanten Hinsichten inkommensurabel sei, eine neue Phase normalwissenschaftlicher Forschung einleitet. Neben der ausserordentlichen Relevanz, die Kuhns Buch für akademische Debatten in der Philosophie und der Wissenschaftstheorie hatte, ist darüber hinaus aber auch die ungemeine Popularität des Buches bemerkenswert: Fast 1 Million Exemplare der englischen Ausgabe wurden verkauft, der ehemalige Vize-Präsident und Friedensnobelpreisträger Al Gore nennt das Buch als eines seiner Lieblingsbücher und in vielen Einführungsvorlesungen zu methodischen Grundlagen von Spezialdisziplinen wird das Buch erwähnt. Kuhn selbst hat sich von vielen zum Teil radikalen Inanspruchnahmen in unterschiedlichen Bereichen später deutlich distanziert. Wir wollen im Seminar untersuchen, was Thomas Kuhn selbst zu sagen hatte und anhand der Lektüre des Kuhnschen Klassikers grundlegende Fragen der Wissenschaftstheorie diskutieren. Kuhn, Thomas S. 2009: Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen. Neuauflage, Suhrkamp, Frankfurt a.M. Empfehlenswerte Sekundärliteratur : Bird, Alexander 2001: Thomas Kuhn. Princeton University Press, Princeton. Hoyningen-Huene, Paul 1989: Die Wissenschaftsphilosophie Thomas S. Kuhns. Rekonstruktion und Grundlagenprobleme. Vieweg, Braunschweig. Philosophie Universität Siegen SoSe 2010 Seidel Markus