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Uni-Siegen
14. März 2017

Totale Mobilmachung der Literatur Kleist Analyse von Kleists literarischer Strategie im Frühjahr 1809 vor und nach Aspern

Im Vorfeld des 5. Koalitionskrieges gegen das napoleonische Frankreich im Jahre 1809 kam es zu einer einzigartigen Mobilisierung der Literatur. Der österreichische Kaiser Franz I. stellte die Schriftsteller seines Landes in Dienst und verpflichtete sie zum Militäreinsatz der Feder. Kriegsgedichte...

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Im Vorfeld des 5. Koalitionskrieges gegen das napoleonische Frankreich im Jahre 1809 kam es zu einer einzigartigen Mobilisierung der Literatur. Der österreichische Kaiser Franz I. stellte die Schriftsteller seines Landes in Dienst und verpflichtete sie zum Militäreinsatz der Feder. Kriegsgedichte sollten sie verfassen, um zur mentalen Aufrüstung der Bevölkerung bei zu tragen. Kleist lebte zu dieser Zeit im von französischen Truppen besetzten Sachsen und konspirierte mit den intellektuellen Kombattanten der Koalition. Sein literarischer Beitrag zu dem Projekt einer allgemeinen Erhebung der deutschen Territorialstaaten gegen Napoleon war von einzigartiger Radikalität. Auf dem Theater wollte er mit der (dann nicht aufgeführten) Hermannsschlacht aufzeigen, welcher Strategie es bedürfe, um den übermächtigen Feind nieder zu ringen. Das Vorbild des -kleinen Krieges- (Guerilla) in Spanien hatte ihn dazu inspiriert. Eine Zeitschrift Germania wollte Kleist ins Leben rufen, um die Haltung finsterster Entschlossenheit und absoluter Rücksichtslosigkeit den französischen Besatzern gegenüber zu propagieren. Schließlich schrieb Kleist eine Reihe von Gedichten, deren Vernichtungswille ungeheuer war. Die Radikalität dieser Schriften tritt erst dann wirklich hervor, wenn man sie mit den Tönen der patriotischen Literatur vergleicht, die Kleists Kollegen im Jahre 1809 verfaßten. Kleist hat die Spielräume autonomer, d. h. von jeder moralischen Einbindung frei gesetzter Dichtung wie kein anderer genutzt, um eine maßlose Imagination in den Dienst der totalen Mobilmachung zu stellen. Das Seminar wird die dramatischen, lyrischen, satirischen und politischen Schriften Kleists untersuchen und mit zeitgenössischer Kriegsliteratur vergleichen, um ihre absolute Modernität zu erkunden. Das politische Denken Kleists soll abschließend an der späten Erzählung Die Verlobung in St. Domingo illustriert werden. Die Vorbesprechung findet am 11. April 2011, 14 Uhr statt (H-C 3311) Literatur: Peter Michalzik: Kleist. Dichter, Krieger, Seelensucher. Berlin 2011, S. 338 - 376 Robert F. Arnold / Karl Wagner: Achtzehnhundertundneun. Die poetische Lyrik des Kriegsjahres. (Schriften des Literarischen Vereins in Wien XI). Wien 1909 Ernst Jünger: Die totale Mobilmachung. Sämtl. Werke. 2. Abtlg. Bd. 7. Stuttgart 1980. S. 121 - 142 Carl Schmitt: Der Begriff des Politischen. Berlin. 3. Aufl. 1991 Germanistik - Neuere deutsche Literatur- und Kulturwissenschaft Universität Siegen SoSe 2011 Prof. Plumpe Gerhard