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Uni-Essen
14. März 2017

Übung Ars belli Kriegsdarstellungen in der Kunst

Nicht die sogenannte Kunst des Krieges oder Kriegskunst, wie sie Theoretiker der Kriegsführung vom Schlag des preußischen Generals Carl von Clausewitz verstanden, soll Gegenstand der Veranstaltung sein, sondern der Krieg in der Darstellung von Künstlern. Pictures of war can carry...

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Nicht die sogenannte Kunst des Krieges oder Kriegskunst, wie sie Theoretiker der Kriegsführung vom Schlag des preußischen Generals Carl von Clausewitz verstanden, soll Gegenstand der Veranstaltung sein, sondern der Krieg in der Darstellung von Künstlern. Pictures of war can carry more moral than thousands of words, so war zu lesen in The Times (London) am 10. September 2009 als Kommentar zum Foto eines in Afghanistan getöteten Soldaten. Im Rahmen der Übung sollen Epochen übergreifend Kriegsbilder vorgestellt und ihre Tauglichkeit als erzählende Quelle erörtert und diskutiert werden. Die Bandbreite des Bilderbogens reicht dabei von antiken Darstellungen mit Bildreliefs, etwa der Dakerkriege auf der Trajanssäule oder dem Konstantinsbogen, des Jüdischen Kriegs auf dem Titusbogen und dem Alexandermosaik aus Pompeji, über mittelalterliche Bildprogramme wie dem fast 70 Meter langen Teppich von Bayeux, der die militärische Eroberung Englands durch die Normannen zeigt, weiter über Schlachtengemälde von Renaissancekünstlern wie Leonardo da Vinci, Paolo Uccello oder Albrecht Altdorfer, von dessen Alexanderschlacht-Gemälde Napoleon Bonaparte derart fasziniert war, dass er es in sein Badezimmer in Saint-Cloud hängte. Außerdem gehören zum Bildspektrum Ansichten der Türkenkriege, Kupferstichserien aus dem Dreißigjährigen Krieg sowie Gemäldezyklen des Peter Paul Rubens, der sich als Diplomat und als Künstler für eine Überwindung dieses Krieges einzusetzen suchte. Propagandistische, ästhetisierende Schlachtengemälde, Auftragskünstler der entstehenden Nationalstaaten des 19. Jahrhunderts, wie etwa Emmanuel Leutze oder Jan Matejko, gehören ebenso zur Thematik wie politische Karikaturen und die Grafikserie Desastres de la Guerra von Francisco de Goya. Den Bogen zur Moderne spannen Künstler mit persönlicher Kriegserfahrung, wie etwa Otto Dix, Käthe Kollwitz und Max Pechstein, aber auch Pablo Picasso und seine künstlerische Reaktion auf die Zerstörung von Guernica im Spanischen Bürgerkrieg. Die NS-Zeit und ihre Heldenkrieger-Darstellungen bilden nur ein kurzes Intermezzo im Bilderbogen des 20. Jahrhunderts, der über Roy Lichtenstein bis hin zum Gemäldezyklus des Cy Twombly -Schlacht von Lepanto- aus dem Jahr 2001 führt. Eine regelmäßig aktive Teilnahme sowie die Präsentation eines Kurzreferates sind ausdrücklich erwünscht. Zum Semesterende ist eine Exkursion geplant. Literaturauswahl: Reinhold Baumstark: Ikonographische Studien zu Rubens Kriegs- und Friedensallegorien. In: Aachener Kunstblätter 45 (1974), S. 125-234 Franz Bosbach (Hg.): Feindbilder. Die Darstellung des Gegners in der politischen Publizistik des Mittelalters und der Neuzeit. Köln, Weimar, Wien 1998 Klaus Bußmann / Heinz Schilling: 1648 Krieg und Frieden in Europa. Münster/Osnabrück 24.10.1998-17.01.1999 [Katalog zur 26. Europaratsausstellung] Patrizia Consigli Valente: La battaglia nella pittura del XVII e XVIII secolo. Parma 1994 Die Galerie der Starken Frauen. La Galerie des Femmes fortes. Die Heldin in der französischen und italienischen Kunst des 17. Jahrhunderts. Kunstmuseum Düsseldorf im Ehrenhof (10.9.-19.11.1995). Katalog bearbeitet von Bettina Baumgärtel und Silvia Neysters. Düsseldorf 1995 Konrad Escher: Kunst, Krieg und Krieger. Zur Geschichte der Kriegsdarstellungen. Bremen University Press 2014 (unveränderter Nachdruck der Ausgabe von 1917) Rainer Gries / Wolfgang Schmale (Hg.): Kultur der Propaganda. Überlegungen zu einer Propagandageschichte als Kulturgeschichte. Bochum 2005 Eleanor A. Sayre / Alfonso E. Perez Sanchez: Goya and the Spirit of Enlightenment. Boston 1998 Norbert Schneider: Historienmalerei / Vom Spätmittelalter bis zum 19. Jahrhundert. Köln, Weimar, Wien 2010 Geschichte Universität Duisburg-Essen SoSe 2015 Schildt Specker Barbara