Uni-Düsseldorf
14. März 2017Übung Boiotien
Boiotien Sollen doch die Söhne der Thebaner Flöte spielen, denn reden können sie ja nicht. (Plut. Alk. 2) ist eine der vielen Diffamierungen der Boioter (deren bedeutendste Polis Theben war), die der Nachwelt überliefert sind und ihr Bild geprägt haben....
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Sollen doch die Söhne der Thebaner Flöte spielen, denn reden können sie ja nicht. (Plut. Alk. 2) ist eine der vielen Diffamierungen der Boioter (deren bedeutendste Polis Theben war), die der Nachwelt überliefert sind und ihr Bild geprägt haben. Vielen Autoren der Antike galten die Boioter als stumpfsinniger und eingeschränkter Menschenschlag, und das obwohl viele bedeutende Literaten wie Hesiod, die Dichterin Korinna, Pindar oder in späteren Zeiten auch der Greco-Römer Plutarch aus diesem Landstrich Mittelgriechenlands stammten.
Darüber hinaus sind die Boioter aber auch als tapfersten Männer [], die man in ganz Griechenland fand (Diod. 9.82.2-3) bezeichnet worden. In Boiotiens wurden viele Schlachten ausgetragen, ein Umstand, der vermutlich mit der für griechische Verhältnisse weiten und offenen Topographie zusammenhängt. Diese begünstigte den von den Griechen der archaischen und klassischen Zeit bevorzugte Hopliten-Kampf und erleichterte des weiteren Invasionen. So soll der thebanische Feldherr Epaminondas seine Heimat Boiotien als Tanzplatz des Ares (Plut. Marc. 21.2) bezeichnet haben.
Nach dem Ende des Peloponnesischen Krieges (431-404 v. Chr.) erstarkt Boiotien unter der Führung Thebens so sehr, dass es sich ab Mitte des vierten Jahrhunderts für knappe zehn Jahre zum Hegemon Griechenlands aufschwingen konnte und die beiden Großmächte, die vorher dominierten, Athen und Sparta, verdrängte. Das Ende der Hegemonie Boiotiens nach der Schlacht von Mantineia 462 v. Chr. markiert auch das Ende der griechischen Dominanz im Ägäis-Raum. Erst die allgemeine Verausgabung und Kriegsmüdigkeit der Griechen ermöglichte den Aufstieg des semi-barbarischen Makedoniens Philipps und Alexanders.
In meiner Übung möchte ich ihnen diesen Landstrich hauptsächlich mithilfe literarischen Quellen näherbringen. Dabei soll insbesondere das literarische Bild, die politischen Strukturen, die generelle inner-boiotische Dynamik sowie Schlachtbeschreibungen behandelt werden. Das Arbeiten mit den Quellen soll ihren kritischen Blick schärfen und ihren Umgang mit denselben verbessern.
• Buck, R. J., A History of Boeotia, Edmonton, Alberta 1979.
• Buck, R. J., Boiotians in the Peloponnesian War, 432-404 B.C., in Schachter A. [Hrsg.], Essays in the topography, history and culture of Boiotia, Montreal 1990, 41-55.
• Buck, R. J., Boiotia and the Boiotian League, 432-371 B.C., Edmonton, Alberta 1994.
• Hornblower, S., Thucydides on Boiotia and Boiotians, in ders., Thucydidean Themes, Oxford 2011, 116-138.
Geschichte (BA, PO 2011) Kernfach
Universität Düsseldorf
WiSe 2016/17
Nagel Benjamin