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Uni-Essen
14. März 2017

Übung Caesar De bello Gallico de bello civili

Gattungsgeschichtlich sind die o.g. autobiographischen Schriften Caesars den commentarii, gr. Hypomnemata, zuzurechnen. Diese Form politischer Erinnerungsliteratur, die im Niedergang der Republik ihre eigentliche Blüte erlebt, ist durch sachlichen Stil und weitgehenden Verzicht auf rhetorischen Ornat gekennzeichnet. Dazu Cicero: -Nackt sind...

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Gattungsgeschichtlich sind die o.g. autobiographischen Schriften Caesars den commentarii, gr. Hypomnemata, zuzurechnen. Diese Form politischer Erinnerungsliteratur, die im Niedergang der Republik ihre eigentliche Blüte erlebt, ist durch sachlichen Stil und weitgehenden Verzicht auf rhetorischen Ornat gekennzeichnet. Dazu Cicero: -Nackt sind sie nämlich, ohne Umschweifungen und zugleich reizvoll...- (Brut.262). Schreibende Politiker rechtfertigen darin eigenes Handeln, entwerfen ihre Version der Geschehnisse, widerlegen Anfeindungen und verfügen bereits zu Lebzeiten über ihre memoria für die folgenden Generationen. Tacitus leitet die Abfassung derartiger Texte von der römischen Gewohnheit ab, Taten und Sitten berühmter Manner der Nachwelt zu überliefern; das eigene Leben zu erzählen sei eher als Zeichen von Selbstvertrauen als von Anmaßung gewertet worden, Glaubwürdigkeit und Ansehen der Schreibenden seien nicht in Frage gestellt oder geschmälert worden (Agr 1.1-4). Wie seine Zeitgenossen ergreift Caesar mit seinen amtlichen Schriften - amtlich insofern, als die römischen Feldherren zu Aufzeichnungen über ihre Feldzüge verpflichtet waren - die Gelegenheit, sich ins rechte Licht zu rücken und den Standesgenossen seine virtus öffentlich zu machen. Dabei geht es ihm in De bello Gallico darum, den Krieg als gerechtfertigt, als bellum iustum, erscheinen zu lassen - durfte er als Statthalter doch die Grenzen der Provinz nicht ohne Not überschreiten. Die Überschreitung des Rubikon rechtfertigt er im -Bürgerkrieg- mit dem angeblichen Rechtsbruch seitens der politischen Gegner. Seine dignitas zu wahren und die existimatio zu erhalten oder zu vergrößern kristallisieren sich bei der Lektüre beider Werke als eigentliche Intentionen heraus. Caesars commentarii wurden von den Zeitgenossen in ihrer herausragenden schriftstellerischen Qualität wahrgenommen. Cicero hebt nachdrücklich die elegantia von Caesars Stil hervor, lobt ihn wegen der sorgfältigen Schulung seines Stiles und vermerkt zugleich die Einhaltung der Gattungsgrenzen zur eigentlichen Geschichtsschreibung: -Caesar spricht unter nahezu allen Rednern das gewählteste Latein; nicht nur in Folge häuslicher Tradition...sondern... er hat Vollkommenheit auf diesem Gebiete rednerischer Qualifikation erreicht durch ausgedehnte Studien der Literatur.- (Brut. 252 u. 262 f.) In der Übung werden die beiden Texte gelesen und interpretiert. Sie liegen als reclam-Ausgaben vor und werden zur Anschaffung empfohlen. Die Übung ist auf 40 Teilnehmer begrenzt; eine Anmeldeliste wird im Sekretariat Alte Geschichte ausgelegt. Regelmäßige Teilnahme, Mitarbeit und zusätzlich die mündliche oder schriftliche Präsentation einer Aufgabe zum Text sind Bedingungen für den Erwerb eines Scheines. Geschichte Universität Duisburg-Essen SS 2011 alle Studiengänge, alle Studiengänge/Studienfächer Dissen Margret