Übung Die Deutschen in der Ukraine 1917-1943 im Spiegel ausgewählter Archivquellen
In den 1920er Jahren lebten in der Ukrainischen Sozialistischen Sowjetrepublik mehr als 390.000 Deutsche, mehrheitlich in einem dörflichen Umfeld. Die Ukrainedeutschen, Nachfahren deutscher Einwanderer des 18. und vor allem 19. Jahrhunderts, gerieten im Zuge der Revolution von 1917 und des...
Was lernst du wirklich?
In dieser Übung erforschst du die komplexe Geschichte der Deutschen in der Ukraine zwischen 1917 und 1943. Du arbeitest direkt mit unveröffentlichten Archivquellen, um ihr Leben unter sowjetischer Herrschaft und während der nationalsozialistischen Besatzung zu verstehen. Dabei lernst du grundlegende Techniken der Quellenkritik und -interpretation, um ein differenziertes Bild dieser Zeit zu zeichnen.
Das wirst du lernen
Die historische Entwicklung der Deutschen in der Ukraine von der Revolution 1917 bis zur Deportation 1941 nachvollziehen.
Unveröffentlichte, teils handschriftliche Archivquellen kritisch lesen und interpretieren.
Grundlegende Methoden der Quellenkritik und -interpretation auf verschiedene Quellengattungen anwenden.
Die Rolle der Ukrainedeutschen im Kontext sowjetischer Politik und nationalsozialistischer Besatzungspolitik differenziert beurteilen.
Die Beteiligung von Deutschen in der Ukraine an der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik anhand von Forschungsliteratur und Quellen diskutieren.
Passende Berufsfelder
Archivwesen und DokumentationHistorische Forschung und WissenschaftMuseumspädagogik und GedenkstättenarbeitPolitische Bildung und ErwachsenenbildungJournalismus und Redaktion mit Fokus auf Zeitgeschichte
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In den 1920er Jahren lebten in der Ukrainischen Sozialistischen Sowjetrepublik mehr als 390.000 Deutsche, mehrheitlich in einem dörflichen Umfeld. Die Ukrainedeutschen, Nachfahren deutscher Einwanderer des 18. und vor allem 19. Jahrhunderts, gerieten im Zuge der Revolution von 1917 und des Bürgerkriegs unter die Herrschaft des ersten sozialistischen Staates der Welt.
Obgleich das Verhältnis zur sowjetischen Obrigkeit nie konfliktfrei war, heben sich die 1920er Jahre mit ihrer gegenüber den Bauern und nationalen Minderheiten entgegenkommenden Politik deutlich von der Zeit nach dem -Großen Umbruch- von 1929 ab: Kennzeichnend wurden fortan die Repressalien der Zwangskollektivierung und Entkulakisierung, die verheerende Hungersnot der Jahre 1932/33 und die zunehmende Stigmatisierung der Ukrainedeutschen als -innere Feinde-, die in der kollektiven Deportation nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion 1941 gipfelte.
Für die Folgezeit stellt sich einerseits die Frage, welche Rolle den Ukrainedeutschen im Rahmen der nationalsozialistischen Besatzungs- und Germanisierungspolitik zukam; andererseits soll vor allem anhand neuerer Forschungsliteratur erörtert werden, inwieweit die Deutschen in der Ukraine aktiv an der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik mitgewirkt haben.
In der Übung soll mittels der Lektüre und Interpretation von unveröffentlichten, z.T. handschriftlichen Archivquellen ein möglichst umfassendes Bild der Geschichte der ukrainedeutschen Bauern gezeichnet werden. Dabei werden auch grundlegende Techniken der Kritik und Interpretation unterschiedlicher Quellengattungen vermittelt. Voraussetzung für die Teilnahme ist die Bereitschaft zur aktiven Mitarbeit und zur intensiven Quellenlektüre.
Buchsweiler, Meir: Volksdeutsche in der Ukraine am Vorabend und Beginn des Zweiten Weltkriegs – ein Fall doppelter Loyalität? Gerlingen 1984 (= Schriftenreihe des Instituts für Deutsche Geschichte, Universität Tel Aviv, 7).
Pinkus, Benjamin; Fleischhauer, Ingeborg: Die Deutschen in der Sowjetunion. Geschichte einer nationalen Minderheit im 20. Jahrhundert. Hg. v. Karl-Heinz Ruffmann. Baden-Baden 1987 (= Osteuropa und der internationale Kommunismus; 17).
Steinhart, Eric C.: The Holocaust and the Germanization of Ukraine. Cambridge/Mass. 2015.
Geschichte (BA, PO 2011) Ergänzungsfach
Universität Düsseldorf
SoSe 2016
Pomian Thorsten Lars Uwe Rüdiger