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Uni-Düsseldorf
14. März 2017

Übung Die Merowinger in zeitgenössischen Quellen und im Rückblick der Geschichtsschreibung

Zahlreiche Schlüsselszenen für die Begründung des nachantiken Europa finden sich in Geschichtsquellen aus der Zeit der Merowinger oder in den Werken späterer Historiographen über diese Epoche. Mit besonderer Aufmerksamkeit diskutiert die Forschung jene Motive, die zur sakralen oder mythologischen Legitimierung...

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Zahlreiche Schlüsselszenen für die Begründung des nachantiken Europa finden sich in Geschichtsquellen aus der Zeit der Merowinger oder in den Werken späterer Historiographen über diese Epoche. Mit besonderer Aufmerksamkeit diskutiert die Forschung jene Motive, die zur sakralen oder mythologischen Legitimierung der fränkischen und späteren französischen Königsherrschaft herangezogen wurden : Von der Schilderhebung haariger' Kriegerkönige, die ihre Ahnenreihe auf einen dem Meer enstiegenen Stier zurückführten, über das Postulat trojanischer Vorfahren (das die Frankenherrscher bis in die frühe Neuzeit als würdige Fortsetzer der römischen Tradition qualifizierte), bis hin zur wunderbar vom Himmel herabgereichten Ampulle, die so Hinkmar von Reims im 9. Jhdt. - das zur Taufe des Frankenkönigs Chlodwig benötigte Salböl enthielt, eine zentrale Rolle beim Sacre der fränzösischen Könige spielte, und 1793 von den Revolutionären als eine Art Talisman der Monarchie zertrümmert wurde. Die epischen Schlachten der Franken (namentlich Zülpich 496 oder Tours und Poitiers 732) sind noch heute konstitutive Elemente im französischen Nationalbewußtsein ; Texte und materielle Überlieferungen der Merowingerzeit, wie etwa die Nekropole von Saint-Denis und das reiche archäologische Erbe, sind schon seit dem 17. Jhdt. Gegenstand kontroverser Diskussionen, die seitdem wesentliche Anstöße zur Reflektion historischer Methoden beigetragen haben. In dieser Übung sollen anhand einiger besonders aussagefähiger Klassiker', aber auch von bisher weniger beachteten Befunden die Kontextualisierung und Kommentierung historischer Dokumente geübt werden. Von den Teilnehmern wird neben aktiver Mitarbeit die Ausarbeitung eines Kurzreferates zu einer Quelle oder einer Forschungsmeinung erbeten. Gute Latein- oder Französischkenntnisse sind von Vorteil, aber keine unbedingte Teilnahmevoraussetzung Quellen und Einzelstudien werden in der Veranstaltung vorgestellt. Literatur zur Einführung : Eugen Ewig : Die Merowinger und das Frankenreich, 5. Aufl. Stuttgart 2006. Reinhold Kaiser ; Sebastian Scholz: Quellen zur Geschichte der Franken und der Merowinger. Vom 3. Jahrhundert bis 751, Stuttgart 2012. Régine Le Jan : La sacralité de la royauté mérovingienne, in : Annales. Histoire, Sciences Sociales 2003/6 (58. Jahrg.), S. 1217-1241. Reinhard Schneider : Das Frankenreich (Oldenbourg Grundriss der Geschichte 5), 4. Aufl. 2010. Reinhard Schneider : König und Königsherrschaft bei den Franken, in : F.-R. Erkens ; H. Wolff (Hg.) : Von Sacerdotium und regnum. Geistliche und weltliche Gewalt im frühen und hohen Mittelalter. Festschrift für Egon Boshof zum 65. Geburtstag, Köln, Weimar, Wien 2002, S. 11-26. Sebastian Scholz : Die Merowinger, Stuttgart 2015. Nikolaus Staubach : Regia sceptra sacrans. Erzbischof Hinkmar von Reims, der heilige Remigius und die Sainte Ampoule', in : Frühmittelalterliche Studien 40 (2006), S. 79-101. Tessier, Georges : 25 Décembre. Le baptême de Clovis, 6. Aufl. Paris 1998.   Geschichte (MA, PO 2011) Universität Düsseldorf WiSe 2016/17 Dr. Stenzig Philipp