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Uni-Düsseldorf
14. März 2017

Übung Latina non leguntur Latein DAS lese ich nicht

Bekanntermaßen ist ein sicheres Mittel, Quellenlektüre zu vermeiden, ja, ein ganzes Seminar unattraktiv zu machen, die Vorlage lateinischer Texte. Dabei ist Latein, auch die lateinische Sprache des Mittelalters, keine Arkanwissenschaft, zu deren Erwerb der Verkauf der Seele nötig wäre. Ja,...

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Bekanntermaßen ist ein sicheres Mittel, Quellenlektüre zu vermeiden, ja, ein ganzes Seminar unattraktiv zu machen, die Vorlage lateinischer Texte. Dabei ist Latein, auch die lateinische Sprache des Mittelalters, keine Arkanwissenschaft, zu deren Erwerb der Verkauf der Seele nötig wäre. Ja, die mittellateinische Literatur kann sogar auch ohne Einarbeitung in die fremden, seltsamen Denkkonstruktionen der Menschen 500 bis 1500 schlicht Freude bereiten. Rein wissenschaftlich betrachtet, grenzt die Vermeidung des Lateinischen auch außerhalb der Geschichte des Mittelalters die Möglichkeiten zur Bearbeitung von Epochen und Themen stark ein, wird doch noch bis weit in die Neuzeit Latein als Bildungssprache verwendet. Schon auf das Mittelalter begrenzt, ist durch Vermeidung des Lateinischen lediglich die Bearbeitung einiger, recht eng umrissener Bereiche des Spätmittelalters möglich, wenn volkssprachliche Quellen zur Verfügung stehen. Doch stellt sich auch dann infolge des teils sehr starken Sprachwandels seit beispielsweise 1250 oder auch 1492 heraus, dass der Umgang mit volkssprachlichen Texten nicht ipso facto leichter ist, zumal, wenn man den deutschen, germanophonen Tellerrand überschreitet, als der mit lateinischen Texten, die von der weitgehenden Normierung von Grammatik und Orthographie profitieren. So soll idealerweise diese Veranstaltung eine «Einladung ins Mittelalter» sein: Wenn man sich schon in nur einer Sprache auskennt, stehen Literaturen und Quellen aus fast ganz Europa, von der Westspitze Portugals bis nach Ungarn, von Norwegen bis Sizilien, zu Gebote. Diese Übung hat also wesentlich zum Ziel, die Scheu vor lateinischen Texten abzubauen und versteht sich also wesentlich als Sprachkurs. Dabei sollen anhand verschiedenster Gattungen möglicher Quellen auch Literatur kann als Quelle beispielsweise für die Geistesgeschichte dienen eine Annäherung an diese vermeintlich fremde Sprache versucht werden. Wenn auch die Schwelle möglichst niedrig sein soll, wird diese Veranstaltung doch kein Anfang bei Null sein können. Im Sinne des Sprachkurscharakters wird immer wiederkehrend die Grammatik herangezogen. Die Teilnahme an dieser Veranstaltung schließt offensichtlich die Bearbeitung von Texten ein, aber auch ein knappes Referat über einzelne Kapitel lateinischer Grammatik. Pascale BOURGAIN, Le latin médiéval. Avec la collaboration de Marie-Clotilde Hubert (L'atelier du médiéviste 10), Turnhout 2005. Monique GOULLET Michel PARISSE, Lehrbuch des mittelalterlichen Lateins für Anfänger, aus dem Französischen übertragen und bearbeitet von Helmut SCHAREIKA, Hamburg 2010. Udo KINDERMANN, Einführung in die lateinische Literatur des mittelalterlichen Europa, Turnhout 1998. Karl LANGOSCH, Lateinisches Mittelalter. Einleitung in Sprache und Literatur, Darmstadt 41983. Dag NORBERG, Manuel pratique de latin médiéval (Connaissance des langues 4), Paris 1968 / 21980. Wolfram von den STEINEN, Das mittelalterliche Latein als historisches Phänomen, Schweizerische Zeitschrift für Geschichte 7 (1957), S. 1-17.                                                                                                                                                                   Geschichte (BA, PO 2011) Ergänzungsfach Universität Düsseldorf SoSe 2017 Kistner Andreas