Uni-München
14. März 2017Übung Mead Projekttutorium
Charles W. Morris beschreibt in der Einleitung zu -Mind, Self, & Society” Meads sozialwissenschaftlichen Beitrag als eine Entmystifikation der sozialtheoretischen Axiomatik, dass Gesellschaft kein bloßes Aggregat seiner Individuen sei, sondern die Individuen sich erst qua ihrer Sozialität als solche konstituieren...
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Jetzt Lernplan erstellenCharles W. Morris beschreibt in der Einleitung zu -Mind, Self, & Society” Meads sozialwissenschaftlichen Beitrag als eine Entmystifikation der sozialtheoretischen Axiomatik, dass Gesellschaft kein bloßes Aggregat seiner Individuen sei, sondern die Individuen sich erst qua ihrer Sozialität als solche konstituieren könnten: -The magic hat of the social, out of which mind and the self were to be drawn, was in part loaded in advance; and for the rest there was merely a pious announcement that the trick could be done, while the performance itself never took place. Mead’s endeavour is to show that mind and the self are without residue social emergent; and that language [...] provides the mechanism for their emergence”. Damit wird aus der soziologischen Mystik, mit welcher die Soziologie sich als autonome Wissenschaft inszenierte, eine genealogische Erzählung des Gesellschaftlichen. Dieser Beitrag zu einer soziologischen (Selbst-)Aufklärung soll in diesem Projekttutorium untersucht, nachvollzogen und schließlich kritisch hinterfragt werden. Dabei ist – abgesehen von seiner soziologischen Aktualität, die sich bspw. an Werken Habermas‘, Joas‘ und Luhmanns zeigt - nicht nur ein Beitrag zum allgemeinen sozialtheoretischen Verständnis in Aussicht zu stellen. Meads Konzepte sind heute womöglich fruchtbarer denn je – Stichwort: Gamification. Ebenso ist Meads Sozialitätsbegriff umso interessanter für Gesellschaften, je höher der Grad ihrer Gleichzeitigkeit ist; also etwa solche, in welchen der Gang zur Toilette via Schrittzähler zugleich als sportliche Ertüchtigung zugerechnet werden kann. In diesem Sinne richtet sich das Projektutorium an Novizen der Soziologie, die nach sozialtheoretischen Ergänzungen suchen, oder noch an dem Unbehagen leiden, welches die soziologische Perspektive, dass das Individuum ein soziales Epiphänomen sei, bürgerlichen Individuen bereiten mag. Nicht minder richtet es sich aber an fortgeschrittene Studenten, die Interesse an einer primären Meadlektüre haben, um einen der bedeutendsten Denker des 20. Jahrhunderts anders zu erfahren, als es einzelne Readerkapitel, Sekundärliteratur und Referenztexte ermöglichen. Wir werden insbesondere aus seinem Nachlass und einzelne, ausgewählte Aufsätze (mitunter im englischen Original) lesen, aber auch entsprechende Referenzautoren und Theoriealternativen betrachten. Der Ablaufplan ist dabei ein Vorschlag, der zu Beginn der Veranstaltung gerne entsprechend der Wünsche und Interessen der Teilnehmer angepasst oder auch erweitert werden kann. Die aktive, motivierte Teilnahme wird abschließend mit einem Zertifikat gratifiziert. Da es sich um eine Veranstaltung außerhalb des Curriculums handelt, ist dies eine der wenigen Gelegenheiten, symbolisch institutionalisierte Ressourcen zu erlangen, welche den eigenen Fleiß und die Bereitschaft, mehr als nötig zu tun, attestieren.
Für die Teilnahme erhalten Sie einen entsprechenden Nachweis.
LMU München
SoSe 2015
Department Institut für Soziologie