Uni-München
14. März 2017Übung Soziale Ungleichheit in Europa
Die Aktualität Europas hat dem Themenfeld ‚Soziale Ungleichheit’ eine weitere, eben europäische Dimension hinzugefügt. Die Erweiterung der EU, die Ausweitung des gesellschaftlichen Horizonts bis an die europäischen Grenzen und, ausgelöst durch globale Migrationen, über sie hinaus, haben die öffentliche (mediale)...
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Jetzt Lernplan erstellenDie Aktualität Europas hat dem Themenfeld ‚Soziale Ungleichheit’ eine weitere, eben europäische Dimension hinzugefügt. Die Erweiterung der EU, die Ausweitung des gesellschaftlichen Horizonts bis an die europäischen Grenzen und, ausgelöst durch globale Migrationen, über sie hinaus, haben die öffentliche (mediale) wie die wissenschaftliche (statistische) Wahrnehmungen ‚sozialer Ungleichheit’ neu gerahmt und deutlicher werden lassen. Den gleichen Zusammenhang kann man als Entwicklung beschreiben, die Europa-Thematik mit einiger Verzögerung nun auch um die Dimension ‚Soziale Ungleichheit’ zu erweitern.
Nach wechselnden Konjunkturen hatte sich das Thema ‚Soziale Ungleichheit‘ in den 90er Jahren wieder größerer Aufmerksamkeit erfreut – in den Medien genauso wie in der Politik und in den Sozialwissenschaften. Eine vergleichbare Beachtung hatte es zuletzt in den späten 60ern und frühen 70er Jahren unter dem Einfluss neomarxistischer Klassentheorien erfahren. In der nachfolgenden, kaum erklärbar langen Phase gesellschaftlicher Prosperität, hatten die Phänomene sozialer Ungleichheit an Dramatik und entsprechende Probleme wie Armut, Arbeitslosigkeit und Sozialhilfe an Sichtbarkeit und Dringlichkeit verloren. Politik- und Sozialwissenschaftler beobachteten damals vermehrt ‚nicht-materielle Orientierungen‘ und ‚feine Unterschiede‘. Begleitet waren diese Themenkonjunkturen von medialen und sozialwissenschaftlichen Betonungen horizontaler Ungleichheiten und der Auswirkungen von Bildungs- und Geschlechtsungleichheiten.
Die Wiederentdeckung grober vertikaler sozialer Unterschiede begann etwa Mitte der 90er Jahre mit der allmählichen Ausweitung auf Themen wie ‚soziale Exklusion‘, und ‚Prekarisierung‘. Die Verfechter modernisierter Klassenkonzepte sahen sich durch neuere Beobachtungen bestätigt: Die ‚Erlebnismilieus‘ kehrten auf die Arbeitsmärkte zurück, das anscheinend ‚stählerne Gehäuse‘ (Weber) des ‚Fahrstuhls‘ (Beck) erwies sich bei genauerer Untersuchung als äußerst dehnbar und die ‚funktionalen Subsysteme‘ schienen Teile der Akteure in die Ordnungen ihrer sozialen Herkünfte zurück zu schicken. Auch wiesen die Bilanzierungen der (v.a. in den angelsächsischen Ländern) volatilen sozialen Auf- und Abstiegsbewegungen keine eindeutigen Zu- oder Abnahmen sozialer Ungleichheit aus.
Die vor ein paar Jahren begonnene Bilanzierung der gesellschaftlichen Kosten sozialer Ungleichheit im europäischen Rahmen, eröffnet nun einen neuen, funktionalistischen Blick auf die schon lange festgefahrenen Debatten um ‚moralische Ökonomien‘, ‚Mindestlöhne‘, ‚Chancengleichheit‘ etc.. Der Nachweis, dass wachsende ‚soziale Ungleichheiten‘ einfach zu teuer werden, könnte die erstarrten Fronten wieder in Bewegung bringen. Allein die mit jeder Erweiterung Europas gewachsenen statistischen ‚sozialen Ungleichheiten’ implizieren ökonomische und politische Reibungsverluste, die unkalkulierbare Risiken enthalten (vgl. z.B. die Effekte in Italien, Spanien, Griechenland und Frankreich)
Die Übung diskutiert neuere Literatur und aktuelle Positionen der Soziologie der sozialen Ungleichheit vor dem Hintergrund früherer Themenkonjunkturen.
Bude, Heinz 2008, Die Ausgeschlossenen, München: Hanser
Kersting, Wolfgang 2002, Kritik der Gleichheit, Weilerswist: Velbrück
Taureck, Bernhard H.F. 2010, Gleichheit für Fortgeschrittene, München: Fink
Bemerkung
Anwesenheitspflicht in der 1. Veranstaltungsstunde! Sollten Sie aus triftigen Gründen nicht teilnehmen können, so informieren Sie den/die Dozenten/Dozentin rechtzeitig. Unentschuldigtes Fehlen in der 1. Veranstaltungsstunde bedeutet automatisch den Verlust des Kursplatzes.
Leistungsnachweis
Referat und (Hausarbeit oder Übungsaufgaben)
ECTS-Punkte: 3
Anmeldung
Die Anmeldung der Veranstaltung ist ausschließlich über LSF möglich!
Belegungsfrist für diese Veranstaltung ist
• für Erstsemesterstudierende vom 29.09 bis 01.10. 2014
• für Studierende höherer Semester vom 04.09. bis 10.09.
Bitte beachten Sie unbedingt die Hinweise zur Belegung, die Sie rechtzeitig auf der Website des Instituts für Soziologie unter dem folgenden Link finden:
http://www.soziologie.uni-muenchen.de/studium/lehre/kursanmeldungen/index.html
Department Institut für Soziologie
Referat und (Hausarbeit oder Übungsaufgaben)
ECTS-Punkte: 3
LMU München
WiSe 1415
Dr. phil.
Koenen Elmar phil