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Uni-Siegen
14. März 2017

Verque e rte Bünde Männerbünde und Männlichkeitsentwürfe in Literatur und Film

Und wie steht es nun mit der Männerfrage? Ist es nicht interessant für unsere Art zu denken, daß es dieses Wort überhaupt nicht gibt? (Blüher 1921: 205) Mit diesen Worten reagiert der Psychoanalytiker Hans Blüher auf die Auflösungserscheinungen der Jahrhundertwende,...

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Und wie steht es nun mit der Männerfrage? Ist es nicht interessant für unsere Art zu denken, daß es dieses Wort überhaupt nicht gibt? (Blüher 1921: 205) Mit diesen Worten reagiert der Psychoanalytiker Hans Blüher auf die Auflösungserscheinungen der Jahrhundertwende, die auch vor der Ordnung der Geschlechter keinen Halt machen. Der Mann, der noch im medizinischen und philosophischen Diskurs des 19. Jahrhunderts aufgrund seines Geschlechts mit dem Allgemein-Menschlichen gleichgesetzt wurde, erscheint um 1900 plötzlich vergeschlechtlicht. Dabei handelt es sich um einen der zentralen Faktoren, die zu einer Krise der Männlichkeit führen, auf die die Männer mit einer besonderen Form der mann-männlichen Vergemeinschaftung reagieren den Männerbünden. Im frühen 20. Jahrhundert lässt sich eine Verdichtung des Phänomens Männerbund ausmachen, das unterschiedliche Dimensionen umfasst: Historisch betrachtet kann die wilhelminische Gesellschaft als reine Männergesellschaft charakterisiert werden. Dabei herrscht die Vorstellung vor, dass das männliche Individuum einzelne Schulen der Männlichkeit (Schule, Studentenverbindung, Militär) zu durchlaufen hat. Diese homosozialen Institutionen formen den männlichen Körper und verfolgen zusätzlich die Aufgabe, männlich codierte Eigenschaften wie Ehre, Disziplin, Mut und Pflichtbewusstsein in ihn einzuschreiben. Darüber hinaus werden in ganz unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen (Altertumsforschung, Ethnologie, Soziologie, Psychoanalyse) Bünde erforscht und Vorstellungen von Männlichkeit exemplifiziert. Und auch die Literatur setzt sich mit der Thematik auseinander, wobei sich ganz unterschiedliche Diskurse ausfindig machen lassen, die von einer positiven bis zu einer kritischen Rezeption reichen. Das Seminar nähert sich der Männerbund-Thematik in drei Schritten: Zunächst soll in einem theoretisch ausgerichteten Teil eine Einführung in die Männlichkeitsforschung mit den wichtigsten theoretischen Ansätzen durchgeführt werden. In einem zweiten Schritt soll der zeitgenössische wissenschaftliche Diskurs um 1900 analysiert werden. Dabei sollen die Fragen gestellt werden, inwieweit sich die Schriften aus den unterschiedlichen Disziplinen als ein groß angelegtes Narrativ verstehen lassen. Welches Bild von Männlichkeit dominiert? Welche Wechselwirkungen bestehen zwischen den Disziplinen; wie profitieren die Wissenssysteme voneinander, wo problematisieren sie sich gegenseitig? Den quantitativ größten Teil soll die Textanalyse einnehmen. Zu untersuchen ist, inwieweit der literarische Diskurs ein kritisches Alternativ-Wissen bereitstellt. Im Fokus stehen dabei deutschsprachige Texte der Jahrhundertwende (Robert Musil, Heinrich Mann, etc.). Eine ausführliche Lektüreliste wird in der ersten Sitzung bekanntgegeben. Das Seminar möchte auch einen Blick auf die Gegenwart richten. Daher soll auch ein Seitenblick auf Filme der Populärkultur gerichtet werden. Erwünscht und willkommen sind ebenfalls Vorschläge von studentischer Seite, die sich beispielsweise mit Songs befassen.   Bei Rückfragen kontaktieren Sie bitte Sebastian Zilles: sebastian.zilles@googlemail.com Zentrum Gender Studies Siegen (Gestu_S) Universität Siegen WiSe 2016/17 Dr. des. Zilles Sebastian des