Zurück zum Vorlesungsverzeichnis
Uni-München
14. März 2017

Vertiefungskurs Hauptseminar Thukydides

Thukydides erhebt gleich zu Beginn seines Geschichtswerkes, das den Verlauf des Peloponnesischen Krieges zwischen Athen und Sparta zum Gegenstand hat, im sogenannten Methodenkapitel (I 22) einen unerhörten Anspruch: Das Werk richte sich als -Besitz für immer- an solche Leser, die...

Erstelle deinen persönlichen Lernplan

Wir helfen dir, diesen Kurs optimal vorzubereiten — mit einem individuellen Lernplan, Tipps und passenden Ressourcen.

Jetzt Lernplan erstellen
Thukydides erhebt gleich zu Beginn seines Geschichtswerkes, das den Verlauf des Peloponnesischen Krieges zwischen Athen und Sparta zum Gegenstand hat, im sogenannten Methodenkapitel (I 22) einen unerhörten Anspruch: Das Werk richte sich als -Besitz für immer- an solche Leser, die nicht nur einen klaren Blick auf die einmalige Vergangenheit des Peloponnesischen Krieges richten, sondern ebenso auf -gleich oder ähnlich- sich -gemäß dem Menschlichen- wieder einmal in Zukunft ereignendes Geschehen blicken wollen. Unerhört ist dieser Anspruch deshalb, weil er – um mit Aristoteles zu reden (Poet. 1451b) – das Spezifikum der Geschichtsschreibung, -Sagen, was geschehen ist-, und das der Dichtung, -Sagen, was wohl geschehen könnte-, zugleich zu erfüllen behauptet. Thukydides legitimiert diesen Anspruch freilich dadurch, dass er eine Konstante postuliert, die die von ihm beschriebene Vergangenheit mit jeder beleibigen Zukunft verbindet: Das -Menschliche-, mithin der Mensch als Träger geschichtlichen Geschehens. Wenn schließlich – wieder nach Aristoteles – die Dichtung -philosophischer und ernsthafter- als die Geschichtsschreibung sein soll, so ließe sich für Thukydides sagen, dass sein Werk durch den -dichterischen- Anspruch auf Allgemeingültigkeit letztlich einen philosophischen Überschuss über das reine -Sagen, was geschehen ist- anstrebt. Ziel des Seminars ist, jenen -philosophischen Überschuss-, der Thukydides‘ Bestimmung der Konstante des -Menschlichen- umreißt, differenziert in den Blick zu nehmen. Zu diesem Zweck wird das Gesamtwerk des Thukydides in einschlägigen Ausschnitten Grundlage des Seminars sein. Zu einer konzentrierten Lektüre des Werkes (auch in Übersetzung) in den Semesterferien wird deshalb nachdrücklich geraten. Teilnahmevoraussetzung für das Seminar ist die Bereitschaft zur Übernahme eines etwa 40minütigen Referates, das das Thema der jeweiligen Seminarsitzung unter Einbeziehung einschlägiger Sekundärliteratur präsentiert und als Grundlage für die anschließende Seminardiskussion dienen soll. Ein Thesenpapier, das die Ergebnisse von Referat und Seminardiskussion zusammenfasst, bildet zusammen mit dem Referat die Prüfungsleistung. Ein Seminarplan sowie eine Liste mit Referatsthemen, in die sich die Teilnehmer verbindlich eintragen, liegt ab dem 4. August in meinen Fach in der Bibliothek aus; Interessenten tragen sich bitte bis zum 15. September ein. [Wichtig: Die Teilnahmevoraussetzung für den Masterstudiengang werden noch bekanntgegeben!] Textgrundlage: Thucydidis Historiae recognovit brevique adnotatione critica instruxit Henricus Stuart Jones, apparatum criticum correxit et auxit Johannes Enoch Powell. Tomus prior/Tomus posterior, Oxford 1942 (zahlreiche Nachdrucke). Übersetzung: Thukydides, Der Peloponnesische Krieg. Übersetzt von Georg Peter Landmann (zweisprachig in der Sammlung Tusculum, einsprachig in der Bibliothek der Alten Welt bei Artemis und Winkler). Kommentare: A.W. Gomme, A. Andrewes, K.J. Dover, A historical commentary on Thucydides, Vol. I–V, Oxford 1956–1981. S. Hornblower, A commentary on Thucydides, Vol. I–III, Oxford 1991–2008. Sekundärliteratur: O. Luschnat, Thukydides der Historiker, Stuttgart 1971 (=RE Suppl. XII, 1085–1354, Stuttgart 1970). [Für die ältere Forschung unentbehrlich] H.P. Stahl, Thukydides. Die Stellung des Menschen im historischen Prozeß (Zetemata 40), München 1966. Neuere Sammelpublikationen: A. Rengakos, A. Tsakmakis (Hgg.), Brill’s companion to Thucydides, Leiden/Boston 2006. J.S. Rusten (Hg.), Thucydides (Oxford Readings in Classical Studies), Oxford 2009. A. Tsakmakis, M. Tamiolaki (Hgg.), Thucydides between history and literature (Trends in Classics Supplementary Volumes, 17), Berlin/Boston 2013. Department II - Griechische und Lateinische, Romanische, Italienische und Slavische Philologie, Sprachen und Kommunikation LMU München WiSe 1415 Dr. phil. Thum Tobias phil