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Uni-Kassel
14. März 2017

Vertiefungsseminar Ulrichs von Liechtenstein Frauendienst

Ulrich von Liechtenstein: -Frauendienst-Dass man über das Leben mittelalterlicher Autoren nichts weiß und sie nie über sich selbst schreiben, gehört zu den Kernsätzen, der den Studierenden in unseren Einführungskursen umgehend vermittelt wird. Über den Autor des -Frauendienst- aber, den einflussreichen...

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Ulrich von Liechtenstein: -Frauendienst-Dass man über das Leben mittelalterlicher Autoren nichts weiß und sie nie über sich selbst schreiben, gehört zu den Kernsätzen, der den Studierenden in unseren Einführungskursen umgehend vermittelt wird. Über den Autor des -Frauendienst- aber, den einflussreichen steirischen Adligen Ulrich von Liechtenstein (ca. 1200-1275), sind wir bestens informiert. Seine weitreichenden politischen Aktivitäten sind ebenso bekannt, wie seine Familienverhältnisse und seine Erbstreitigkeiten. Weit verblüffender noch ist die Tatsache, dass der -Frauendienst- eine in der Ich-Form gehaltene Erzählung eines steirischen Adligen über seinen mehr oder weniger erfolgreichen Minnedienst für eine Dame ist. Er weist sich selber als Ulrich von Liechtenstein aus und in den Text sind zahlreiche Minnelieder eingelegt, die er im Minnedienst verfasst haben will. Dabei gehen die Bezüge zum ‚echten’ Ulrich soweit, dass fast das gesamte Personal historisch verbürgte Gestalten aus Ulrichs Umkreis sind. Und auch die Minnelieder sind in anderen Handschriften als Ulrichs Werke überliefert. Der genauere Blick offenbart dann aber schnell die hochgradige literarische Stilisierung des Textes, der vielleicht nur so tut, als erzähle er von Ulrichs wahren Erlebnissen. Doch wie soll man dann die historischen Bezüge einschätzen? Was war die Intention des Autors Ulrich? Wie mag der Text rezipiert worden sein?Wir wollen im Seminar der Konzeption dieser ‚Minnesängerbiographie’ nachgehen und danach fragen, wie hier den Minneliedern (nachträglich?) ein Entstehungs- und Aufführungskontext beigegeben wird, aus dem heraus ganz spezifische Genderentwürfe, ein spezifisches Verhältnis zwischen Dame und Sänger oder zwischen adligem Sänger und seinen männlichen Standesgenossen resultieren. Was ändert sich, wenn die Lieder in eine chronologische Reihe gebracht werden? Was lässt sich aus Ulrichs Entwurf für den Minnesang bzw. den höfischen Roman und die in dort transportierte Mentalität von Dienst, Lohn und Liebe insgesamt ableiten? Nicht zuletzt geht es darum, diesen außergewöhnlich unterhaltsamen Text aus kulturgeschichtlicher Perspektive in Bezug auf die Komik zu untersuchen, etwa, wenn Ulrich das Waschwasser seiner Dame trinkt, als Frau Venus verkleidet turnierend durch die Lande zieht oder statt im Bett der Angebeteten im Burggraben landet. FB 02 Institut für Germanistik Uni Kassel WiSe 2011/12 Germanistik/Deutsch Germanistik HF Prof. Dr. Mecklenburg Michael