Uni-München
14. März 2017Vertiefungsveranstaltung Der Topos der Paradiesischen Urheimat in Nabokovs Roman Lolita
-I am convinced, however, that in a certain magic and fateful way Lolita began with Anna-bel.- (Lolita: 14), schreibt Humbert Humbert, und beweist damit eine für Nabokovs Helden erstaunliche Einsicht in die Triebwerke seiner Motivation. Die Kindheit des Ich-Erzählers, der...
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Jetzt Lernplan erstellen-I am convinced, however, that in a certain magic and fateful way Lolita began with Anna-bel.- (Lolita: 14), schreibt Humbert Humbert, und beweist damit eine für Nabokovs Helden erstaunliche Einsicht in die Triebwerke seiner Motivation. Die Kindheit des Ich-Erzählers, der seine ‚Beichte‘ niederschreibt und sich später -Humbert Humbert” nennen wird – die gesamte Namensgebung ist als Pseudonym offenbar; die da-runterliegende ‚Realität‘ somit immer greifbar – ist eine wie aus dem Bilderbuch; wohlbehü-tet und in einem mediterranen -Privatuniversum-. Die Nicht-Erfüllung der Kindheitsromanze – es gibt keinen ungestörten Ort, an dem die sehn-lich erwünschte Intimität stattfinden kann; das junge Paar trennt sich in einem tatsäch¬lichen coitus interruptus – lässt Annabel für immer unberührt und vor allem: nicht mit-ge¬wachsen, dem linearen Zeitablauf eines Lebens (und des Textes) plötzlich enthoben und im Bewusst-sein des Helden ‚eingefroren‘, woraus sich schließlich der Plot – Humberts beses¬sene Liebe zu seiner Ziehtochter Dolly bzw. Lolita – ergibt. Nicht gänzlich ungeachtet dessen, dass die paradiesische Kindheit Humbert Humberts nicht zu übersehende Parallelen zu Nabokovs eigener behüteter Kindheit aufzeigt und auch die früh verstorbene Annabel in Nabokovs Jugendliebe eine nur allzu reale Vorgängerin hat, werden wir uns in der Übung den Erinnerungsmechanismen und Verfahren der Textgenerie-rung in diesem großen Roman des 20. Jahrhunderts widmen. Die Bereitschaft zur Lektüre des Romans vor Semesterbeginn ist Teilnahmevoraussetzung. Verwendete Ausgabe: The annotated Lolita. / Vladimir Nabokov. Edited, with preface, intro-duction and notes by Alfred Appel Jr., Vintage 1991 (oder spätere Auflagen).
Literatur in Auswahl:
Abroug, M. (2010): Lolita as a Postmodernist Text. A Postmodernist Reading of V. Nabokov’s Lolita. Saarbrücken.
Appel, A. (1991): Introduction. In: The annotated Lolita. New York.
Bouchet, M. (2010): The Enchanted Hunters and the Hunted Enchanters: the dizzying effects of embedded structures and meta-artistic devices in Lolita, novel and film. Sillages critiques 2010/11. URL:http://sillagescritiques.revues.org/1737#tocto1n2 [11.5.2014]
Collins, E. (2005): Nabokov’s Lolita and Andersen’s ‘The Little Mermaid.’ Nabokov Studies 1/9: 77-100.
Hasty, O. P. (2004): Memory, Consciousness, and Time in Nabokov’s Lolita. KronoScope: Journal for the Study of Time 2/4, 225-238.
Hetényi, Z. (2008): Lolita as Goddess between Life and Death: From Persephone to the Poplars. Mythical Allusions in Nabokov‘s Lolita. Intertexts 1-2/12, 41-54.
Meyer, P. A. (2009): Lolita and the Genre of Literary Doubles: Does Quilty Exist. In: Martiny, E. (ed.): Lolita: From Nabokov to Kubrick to Lyne. Paris, 73-83.
Scholz, N. (2014): -We had really seen nothing.- Lolita und der Albtraum des eingelösten Paradieses. In:
-...essence has been revealed to me.- Umkreisungen des Nondualen im Prosawerk von Vladimir Nabokov. Berlin, 265-284.
Pifer, E. (2009): The ‘Mirrory Beaches’ Of Memory: ‘Lolita’ and ‘Speak, Memory.’ In: Martiny, E. (ed.): Lolita: From Nabokov to Kubrick to Lyne. Paris, 37-48.
Thompson, J. (1997): Travels in Paradise: Nabokov’s ‘Lolita.’ Genre: Forms of Discourse and Culture 4/30, 311-332.
Leistungsnachweis
B.A. Slavistik:
Klausur (90 min.)
mit Benotung
Master Slavistik:
Übungsaufgaben (ca. 20000 Zeichen) und Klausur 90 min.
bestanden/nicht bestanden
B.A.-Nebenfach SLK:
Department II - Griechische und Lateinische, Romanische, Italienische und Slavische Philologie, Sprachen und Kommunikation
B.A. Slavistik:
Klausur (90 min.)
mit Benotung
Master Slavistik:
Übungsaufgaben (ca. 20000 Zeichen) und Klausur 90 min.
bestanden/nicht bestanden
B.A.-Nebenfach SLK:
LMU München
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Dr.
Scholz Nora