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Uni-Siegen
14. März 2017

VL MA Evangelium Das Johannesevangelium

Nicht umsonst gilt das vierte Evangelium in der Alten Kirche als das geistige Evangelium (euaggelion pneumatikon, so Clemens von Alexandrien): Sein hohes Reflexionsniveau und seine tiefe Durchdringung von Person und Werk Jesu Christi, seine christologischen und pneumatologischen Grundeinsichten, seine literarische...

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Nicht umsonst gilt das vierte Evangelium in der Alten Kirche als das geistige Evangelium (euaggelion pneumatikon, so Clemens von Alexandrien): Sein hohes Reflexionsniveau und seine tiefe Durchdringung von Person und Werk Jesu Christi, seine christologischen und pneumatologischen Grundeinsichten, seine literarische Meisterschaft und seine Kunst, elementare Grundaussagen des Glaubens besonders gut formuliert zu haben (J. Becker), bestätigen dies in jedem Kapitel. Gerade bei diesem hochtheologischen Buch sind aber noch deutliche Spuren seiner Entstehungssituation zu erkennen. Dies ist kein Zufall, denn die erzählte Geschichte Jesu Christi wird überblendet mit der Situation seines Trägerkreises, das Buch ist also geprägt vom Ineinander von Vita Jesu und eigener kirchlicher Erfahrung (M. Theobald): Im Unterschied zu den Synoptikern ist hier vom Synagogenausschluss jener Juden zu lesen, die an Jesus glauben (9,22; 12,46; 16,14), zugleich ist abschätzig von glaubenden Juden die Rede, die im Synagogenverband verbleiben wollen. Die hohe Christologie ist hier ganz ins Zentrum der Verkündigung Jesu gerückt und löst massive Konflikte Jesu mit den Juden aus. Überhaupt zeichnet das Evangelium ein Bild der Juden, das sich stark von der Situation zu Lebzeiten Jesu unterscheidet und klar in die Zeit nach dem jüdischen Krieg (6670 n.Chr.) verweist. In der Vorlesung werden zentrale Texte des Johannesevangeliums in diesem Spannungsfeld exegesiert. Ihre literarische Struktur und ihr christologischer Diskurs werden nachgezeichnet und mit der noch erkennbaren historischen Situation seines Trägerkreises und seinen zeitgeschichtlichen Denkvoraussetzungen in Beziehung gesetzt. Literatur (Auswahl) Becker, J., Johanneisches Christentum. Seine Geschichte und Theologie im Überblick, Tübingen 2006. Beutler, J., Das Johannesevangelium. Kommentar, Freiburg u.a. 2013. Bultmann, R., Das Evangelium des Johannes (KEK 2), Göttingen (21. Aufl.) 1986. Dietzfelbinger, Chr., Das Evangelium nach Johannes III (ZBK 4,1/2), Zürich 2001. Schnackenburg, R., Das Johannesevangelium I-IV (HThK 4/1-4), Freiburg etc. 51981.1984.41985.51986. Theobald, M., Das Evangelium nach Johannes I (RNT), Regensburg 2009. Thyen, H., Das Johannesevangelium (HNT 6), Tübingen 22015. Zumstein, J., Das Johannesevangelium (KEK 2), Göttingen 2016. Katholische Theologie - Biblische Theologie Universität Siegen WiSe 2016/17 Univ.-Prof. Dr. Weidemann Hans Ulrich