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Uni-Siegen
14. März 2017

Meinungsverschiedenheit

Nicht selten sind wir mit anderen verschiedener Meinung. Oftmals in ganz alltäglichen Fragen, etwa ob der Zug nach Köln fahrplanmäßig um 19:36 abfährt oder die neue Basilikumschokolade wirklich gut schmeckt. Meinungsverschiedenheiten begegnen uns aber prominent auch in den Wissenschaften sowie...

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Nicht selten sind wir mit anderen verschiedener Meinung. Oftmals in ganz alltäglichen Fragen, etwa ob der Zug nach Köln fahrplanmäßig um 19:36 abfährt oder die neue Basilikumschokolade wirklich gut schmeckt. Meinungsverschiedenheiten begegnen uns aber prominent auch in den Wissenschaften sowie philosophischen und religiösen Fragen: Ob der Proteasom-Inhibitor PS-341 tatsächlich die Verbreitung des Influenza-A-Virus blockiert, ob es eine gehaltvolle Unterscheidung zwischen analytischen und synthetischen Urteilen gibt oder ob Gott existiert. Während einige Meinungsverschiedenheiten recht einfach beizulegen sind - etwa die Frage nach der Abfahrtszeit des Zuges durch einen Blick auf den Fahrplan - scheinen andere einer rationalen Auflösung unzugänglich - etwa die Frage nach dem Geschmack der neuen Schokoladensorte. Doch was ist der allgemeine epistemische Status von Meinungsverschiedenheiten? Wenn wir allen Grund haben anzunehmen, dass die andere Person genauso gut informiert ist, wie wir selbst, aber dennoch anderer Auffassung, sind wir dann gerechtfertigt, weiterhin an unserer Meinung festzuhalten oder sollen wir uns eines Urteils erhalten? Gibt es überhaupt so etwas wie rationale oder fehlerlose Meinungsverschiedenheit; also Meinungsverschiedenheiten, bei denen die Disputanten gleich gut gerechtfertigt sind oder beide richtig liegen? Oder muss sich einer der beiden immer irren? Fragen dieser Art haben vor allem in den vergangenen 5 Jahren ausgehend von Diskussionen in der Ästhetik und Religionsphilosophie auch in der Erkenntnistheorie zu einer ausgiebigen Debatte um den epistemischen Status von Meinungsverschiedenheit geführt. Im Seminar wollen wir in diese Debatte anhand des aktuellen Sammelbandes von Richard Feldman und Ted A. Warfield einsteigen. Feldman, R./Warfield T.A. (Hg.): Disagreement. Oxford University Press, 2010. Philosophie Universität Siegen SoSe 2011 Seidel Markus