Uni-Hannover
14. März 2017Von 8222 Robinson Crusoe 8220 bis 8222 Lost 8220 Robinsonaden
Mensch strandet auf einsamer Insel und kämpft ums Überleben – das ist die simple Ausgangssituation für eine Textgattung, die in Anlehnung an Daniel Defoes -Robinson Crusoe- (1719) heute als Robinsonade bezeichnet wird. Die unfreiwillige Isolation auf einer Insel kennt verschiedenste...
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Jetzt Lernplan erstellenMensch strandet auf einsamer Insel und kämpft ums Überleben – das ist die simple Ausgangssituation für eine Textgattung, die in Anlehnung an Daniel Defoes -Robinson Crusoe- (1719) heute als Robinsonade bezeichnet wird. Die unfreiwillige Isolation auf einer Insel kennt verschiedenste Ausformungen und -Robinson Crusoe- hat nicht nur Fortsetzungen, sondern auch eine Menge an Variationen erfahren.
Das Seminar möchte einige dieser Robinsonaden intensiver hinsichtlich der Spannungen zwischen Natur und Kultur, Natürlichkeit und Künstlichkeit, Individuum und Gesellschaft analysieren. Dabei variieren sowohl das Insel-Motiv wie auch die Menge betroffener Personen. Da die meisten Robinsonaden umfangreiche Romane sind, können nicht annährend alle wichtigen Texte Berücksichtigung finden. Die Robinsonde bewegt sich in einem Spannungsfeld verschiedener Textkulturen, welches durch die geplanten Beispiele zum Ausdruck gebracht wird: Gelesen werden die -Odyssee- (wenige Auszüge), Daniel Defoes -Robinson Crusoe- (Teil 1 und 2), dessen erste Adaption -Der Schweizerische Robinson- (1794–1828, in Auszügen) von Johann David Wyss und Johann Gottfried Schnabels -Insel Felsenburg- (1731, in Auszügen). Diese Texte weisen einen grundsätzlichen Optimismus auf und lassen sich an das Utopie-Motiv anbinden. Ganz anders H. G. Wells -Die Insel des Dr. Moreau- (1896), der das Robinson-Motiv mit Science Fiction und Horror verknüpft, und William Goldings -Herr der Fliegen- (1954), der von dystopischer Destabilisierung ausgeht. Herbert Rosendorfer schließlich kreuzt in -Großes Solo für Anton- (1976) die Robinsonade mit der Apokalypse, indem nicht der Protagonist verschwindet, sondern alle Menschen um den Protagonisten herum.
Neue Zugänge zur Robinsonade haben wiederum Film und Fernsehen gefunden. Hierbei stehen Stanley Kubricks -2001 – Odyssee im Weltraum- (als interstellare Isolation), Robert Zemeckis’ -Cast Away- (der das klassische Robinson-Motiv wieder aufgreift) und die US-Serie -Lost- (Verknüpfung mit Mystery-Elementen) im Zentrum des Interesses.
Der Leseaufwand wird in diesem Seminar vergleichsweise hoch sein, es bietet sich daher an, mit der Lektüre der Texte vor Seminarbeginn zu starten. Angegeben sind hier die vermutlich preisgünstigsten Ausgaben der jeweiligen Texte.
(1) Defoe, Daniel: Robinson Crusoe. Erster und zweiter Band. München: dtv 2010.
(2) Golding, William: Herr der Fliegen. Frankfurt am Main: Fischer 1977.
(3) Rosendorfer, Herbert: Großes Solo für Anton. Zürich: Diogenes 1982.
(4) Schnabel, G. J.: Insel Felsenburg. Stuttgart: Reclam 1986.
(5) Wells, H. G.: Die Insel des Dr. Moreau. München: dtv 2012.
(6) Wyss, Johann Rudolf: Der Schweizerische Robinson. Hamburg: tredition 2011.
Deutsch, Master LbS
Teilnehmerzahl: 30.
Universität Hannover
WiSe 2015/16
Deutsch, Bachelor Tech. Edu.
Dr. phil.
Bode Philipp phil