Uni-München
14. März 2017Vorlesung Didaktik des lateinischen Lektüreunterrichts
Vergils Aeneis: Tradition - Rezeption - Didaktik Sein Grabepigramm, das in der Vergilbiographie des Sueton/Donat überliefert ist, besiegelt der Ich-Sprecher mit der Dreizahl seiner Dichtungen mit Ewigkeitsanspruch: cecini pascua, rura, duces (Ich besang Viehweiden, Landbau und Macht). Die Vorlesung greift...
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Sein Grabepigramm, das in der Vergilbiographie des Sueton/Donat überliefert ist, besiegelt der Ich-Sprecher mit der Dreizahl seiner Dichtungen mit Ewigkeitsanspruch: cecini pascua, rura, duces (Ich besang Viehweiden, Landbau und Macht). Die Vorlesung greift aus dieser Werktrias nur das als krönender Schlusspunkt erwähnte maius opus der Aeneis heraus, deren Wirkungsgeschichte ihren Verfasser zum -Vater des Abendlandes- adelte. Schon Zeitgenossen Vergils würdigten in höchsten Tönen (wenngleich nicht ohne ironische Untertöne) das Aeneadenepos als Glanzstück des neuen, von Augustus stabilisierten und vergoldeten Roms: -Irgendwas Größeres kommt, sticht selbst die Ilias aus- (nescio quid maius nascitur Iliade), raunt der Eposverweigerer Properz (Prop. 2,34,66); selbst Ovid lässt seine persona des Liebeslehrers die folgenden Worte über -den Flüchtling Aeneas- (profugum Aenean) finden: -Kein Werk in Latium strahlt noch heller als dies- (Ov. Ars 3, 338 quo nullum Latio clarius extat opus).
Analysen von Gehalt und Struktur des Gesamtepos wie seiner Elemente (Bücher und Buchgruppen) vermitteln einen Überblick über die Komposition von Bauteilen, Sequenzen oder Werkarrangements. Die Interpretation von Schlüsselstellen soll den philologischen Blick für die künstlerische Leistung und die poetische Botschaft Vergils schärfen. Dabei kommen Form- und Gattungsfragen ebenso zur Sprache wie die Figurengestaltung (Stichworte: Genre-, Helden- und Feindbilder) und die politische wie ästhetische Dimension (Sprache, Metrik, Rhetorik, Poetologie und Ideologie, Didaxe, Ekphrasis, Gleichnisse). Die intertextuelle Perspektive soll eine präzise Standortbestimmung der vergilischen Epik zwischen den privilegierten homerischen Architexten, den hellenistischen Zwischenstufen und den zahllosen lateinischen Epigonen ermöglichen.
Dokumente für die überreiche Rezeption von Vergils Aeneis seit der augusteischen Epoche bis in die Moderne runden das Vorlesungsprogramm ab.
Im didaktischen Teil soll neuen Impulsen für eine erfolgreichere Vergillektüre in autoren-, werk- und themenzentrierten oder rezeptionsorientierten Ansätzen im Rahmen der Unterrichtseinheit -Nunc aurea Roma est... – Politische Perspektiven: Augustus und seine Zeit- ein stetes Augenmerk gelten. Wege zu Modellen einer -Parallellektüre- können etwa neuere Zeugnisse der musikalischen, literarischen und bildkünstlerischen Rezeption von Vergils Leben und Werk weisen.
Empfohlene kritische Textausgabe:
• P. Vergilii Maronis Opera, ed. R.A.B. Mynors, Oxford 1969 (öfter nachgedruckt) (OCT).
Literatur:
• Werner Suerbaum, Vergils Aeneis. Epos zwischen Geschichte und Gegenwart, Stuttgart 1999.
• Niklas Holzberg, Vergil. Der Dichter und sein Werk, München 2006.
• Theodore Ziolkowski, Virgil and the moderns, Princeton 1993.
Leistungsnachweis
B.A.-Nebenfach SLK:
Diese Veranstaltung entspricht in WP 2 dem Kurstyp -Kernveranstaltung zu Themen der Literaturwissenschaft m/n/o/p- (WP 2.0.13/15/17/19). ODER
Diese Veranstaltung entspricht in WP 5 dem Kurstyp -Kernveranstaltung zu Themen der Älteren Sprachen und Kulturen m/n/o/p- (WP 5.0.13/15/17/19).
Sie erhalten 3 ECTS, wenn Sie entweder eine Klausur (30-60 Min.) schreiben oder eine mündliche Prüfung (15-30 Min.) ablegen oder ein Portfolio (20.000-40.000 Zeichen) fertigen. Die Prüfung muss benotet sein. Die Wahl der Prüfungsart liegt beim Dozenten.
Department II - Griechische und Lateinische, Romanische, Italienische und Slavische Philologie, Sprachen und Kommunikation
B.A.-Nebenfach SLK:
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Diese Veranstaltung entspricht in WP 5 dem Kurstyp -Kernveranstaltung zu Themen der Älteren Sprachen und Kulturen m/n/o/p- (WP 5.0.13/15/17/19).
Sie erhalten 3 ECTS, wenn Sie entweder eine Klausur (30-60 Min.) schreiben oder eine mündliche Prüfung (15-30 Min.) ablegen oder ein Portfolio (20.000-40.000 Zeichen) fertigen. Die Prüfung muss benotet sein. Die Wahl der Prüfungsart liegt beim Dozenten.
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WiSe 1415
Univ.Prof.Dr.
Janka Markus