Uni-Dortmund
14. März 2017Vorlesung Die Bestimmung des Menschen Zur historischen Anthropologie Überblick Neuteit
Im Unterschied zur ethnologisch orientierten Kulturanthropologie geht es hier um eine philosophische Version. Seit ewigen Zeiten hat man versucht, ein einheitliches -Wesen des Menschen- zu bestimmen. Das führt entweder zu trivialen Aussagen, etwa zur Unterscheidung von Tieren oder Organismen, oder...
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Jetzt Lernplan erstellenIm Unterschied zur ethnologisch orientierten Kulturanthropologie geht es hier um eine philosophische Version. Seit ewigen Zeiten hat man versucht, ein einheitliches -Wesen des Menschen- zu bestimmen. Das führt entweder zu trivialen Aussagen, etwa zur Unterscheidung von Tieren oder Organismen, oder scheitert beispielsweise schon daran, daß wir weder über unsere prähistorischen Vorfahren noch über mögliche evolutionäre Überraschungen in unserer Zukunft verläßliches Wissen haben. So entpuppen sich anthropologische Theorien oft als normative Setzungen, in denen entweder spekulativ- weltanschauliche Prämissen oder der jeweils zeitgenössische wissenschaftliche Erkenntnisstand verabsolutiert werden.
Die Vorlesung beschränkt sich deshalb auf den historisch überschaubaren Raum von Neuzeit und Moderne. Darin läßt sich beobachten, wie nach dem Ende des religiösen Weltbilds das frühe Bürgertum sich neu orientieren und eigene Lebensformen erfinden mußte; das reicht von Philosophie und Wissenschaft bis hin zur Unterweisung im alltagspraktischen Verhalten. Um der Unsicherheit abzuhelfen, entsteht eine spezifische moralisch- pädagogische Literatur zur Erziehung des Aristokraten, des Gentleman oder des Bürgers. Sie formuliert Empfehlungen, die ebenso humanistische Ethik oder skeptische Weltsicht wie auch handfeste Regeln für Tischsitten und Umgangsformen umfassen.
Die Kreation dieses -bürgerlichen Individuums- hat im weiteren Verlauf mannigfache Differenzierungen und schließlich auch fundamentale Kritik erfahren, nicht zuletzt im philosophischen Rahmen einer selbstkritisch gewendeten Aufklärung. Beigetragen haben dazu aber auch sozialwissenschaftliche, psychologische und ethno- bzw.biologische Desillusionierungen der emphatischen Gehalte traditioneller Anthropologie. Heute gilt es nun zu prüfen, wie weit eine ernüchterte Anthropologie in der Lage sein könnte, aktuellen Deformationen des Individuums und der Lebenswelt zu widersprechen.
Die Vorlesung ist offen für Hörer aller Studiengänge. Näheres (Literatur, Themen für schriftliche Arbeiten bzw. Erwerb von Qualifikationen usw.) in der ersten Vorlesung.
Technische Universität Dortmund
SoSe 2012
Univ.-Prof.
Post Werner phil