Zurück zum Vorlesungsverzeichnis
Uni-München
14. März 2017

Vorlesung Gotteslehre Trinitätslehre

-Die von der katholischen Kirche beauftragte Sinus-Milieustudie hat offengelegt: Viele Menschen – gerade auch Getaufte – verstehen sich nicht (mehr) als gläubig im traditionellen Sinn. Sie suchen auch nicht aktiv nach einer Beziehung zu Gott. Insbesondere in den jungen Milieus...

Erstelle deinen persönlichen Lernplan

Wir helfen dir, diesen Kurs optimal vorzubereiten — mit einem individuellen Lernplan, Tipps und passenden Ressourcen.

Jetzt Lernplan erstellen
-Die von der katholischen Kirche beauftragte Sinus-Milieustudie hat offengelegt: Viele Menschen – gerade auch Getaufte – verstehen sich nicht (mehr) als gläubig im traditionellen Sinn. Sie suchen auch nicht aktiv nach einer Beziehung zu Gott. Insbesondere in den jungen Milieus der Unterschicht spielen Glaube und Religion häufig gar keine Rolle mehr. Bei vielen ist der Glaube individualisiert – und nicht an Religion und Kirche gebunden. Viele bezeichnen sich zwar als religiös. Wenn sie allerdings über den Inhalt ihres Glaubens oder ihre Vorstellungen von Gott Auskunft geben sollen, sind die Antworten eher verschwommen- (Norbert Scholl, Gott neu denken, Christ in der Gegenwart 2/2014). Das Ergebnis der erwähnten Studie, die eigentlich auch für andere Kirchen repräsentativ sein kann, ist insbesondere für den Dogmatiker ernüchternd: Wie kann heute von Gott gesprochen werden, welche sind jene Inhalte der Gotteslehre, die einerseits unverzichtbar für den Glauben an den Gott der Bibel und der kirchlichen Tradition sind, andererseits aber diesen Glauben verständlich vermitteln können? Denn gerade die Rede vom Dreieinen Gott scheint mehr und mehr auf Unverständnis zu stoßen. Im zitierten Beitrag lesen wir weiter: -Die nichtpersonalen Begrifflichkeiten und Bilder für ‚Gott‘ besitzen den Vorteil, dass sie jene Gottesbilder vermeiden, die heute als anstößig und unzeitgemäß empfunden werden. Einige sind mit Vorstellungen von Herrschertum verbunden. Manche sind zur bloßen Floskel entartet oder wirken kitschig, ja kindisch (lieber Gott, Himmelsvater). Auch die von Jesus bevorzugte Anrede ‚Vater‘ ist für viele Menschen nicht nachvollziehbar geworden durch Väter, die sich in ihrer Familie wie Tyrannen aufspielen oder die auf der anderen Seite als klägliche Versager wahrgenommen werden. Angesichts des Leids und Elends in der Welt redet niemand mehr gern vom Allmächtigen oder Allgütigen... Nichtpersonale Metaphern können das -heilige Geheimnis-, das -ganz Andere- in mancher Hinsicht besser umschreiben als personale Bilder, die unter dem Verdacht stehen, eine menschliche Projektion zu sein, Gott anthropomorph, also menschengestaltig aufzufassen. Doch Gott ist ‚nicht zu fassen‘. Er übersteigt jedes sprachliche Fassungsvermögen, ist unbegreiflich. Er kann mit keinem ‚Be-Griff‘ adäquat umschrieben oder gar benannt werden.- Kann dann die apophatische Rede von Gott, die ein Proprium Orthodoxer Theologie darzustellen scheint, einen besseren Zugang zur Lehre von Gott, dem Dreieinen verschaffen? Die Vorlesung ist nicht einfach eine Einführung in die Gotteslehre, sondern will gerade den trinitarischen Glauben, wie dieser gerade in oft doxologisch vermittelten Formen der orthodoxen Tradition überliefert wurde, auch systematisch und dogmengeschichtlich erfassen und zur Sprache bringen. B. Bobrinskoy, Models of trinitarian Revelation, in: St. Vladimir´s Theological Quartely 39 (1995) 115-127. G. Greshake, Der dreieine Gott. Eine trinitarische Theologie, 3. Aufl., Freiburg i. Br. 1998. M. Haudel, Die Selbsterschließung des dreieinigen Gottes. Grundlage eines ökumenischen Offenbarungs-, Gottes- und Kirchenverständnisses, Göttingen 2006. T. Koev, Die Lehre von der heiligen Dreieinigkeit auf der Basis des nikaino-konstantinopolitanischen Glaubensbekenntnisses, in: OFo 3 (1989) 5-22. J. Meyendorff, The Holy Trinity on Palamite Theology, in: Trinitarian Theology East and West. Patriarch Athenagoras Memorial Lectures, Brookline, Mass. 1977, S. 25-43. J. Moltmann, Trinität und Reich Gottes. Zur Gotteslehre, München 1980. A. Vletsis, Die immanente Trinität ist die -doxologische Trinität-. Die Entsprechung von -Theologia- und -Oikonomia- als Voraussetzung einer Überbrückung der Trinitätsmodelle zwischen Ost und West, in: Una Sancta 64 (2009) 8-28. M. Volf, -The Trinity is our social program-. The doctrine of the trinity and the shape of social engagement, in: Modern theology 14 (1998) 403-423. Institut für Orthodoxe Theologie LMU München SoSe 2015 Prof.Dr. Vletsis Athanasios