Uni-München
14. März 2017Vorlesung Griechische Skulptur im 5 Jahrhundert v.Chr
Meine Vorlesung schließt an ihren Vorgänger im Wintersemester 2013/14 an (-Die griechische Revolution: Menschenbilder in Marmor erobern den Mittelmeerraum-, ohne diese vorauszusetzen. Mit der Aufstellung großformatiger Standbilder bekleideter junger Frauen (Κραι) und nackter junger Männer (Κυροι) aus Marmor hatten die...
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Jetzt Lernplan erstellenMeine Vorlesung schließt an ihren Vorgänger im Wintersemester 2013/14 an (-Die griechische Revolution: Menschenbilder in Marmor erobern den Mittelmeerraum-, ohne diese vorauszusetzen. Mit der Aufstellung großformatiger Standbilder bekleideter junger Frauen (Κραι) und nackter junger Männer (Κυροι) aus Marmor hatten die Eliten der noch jungen griechischen Stadtgemeinschaften einen kulturgeschichtlichen Veränderungsprozess eingeleitet, dessen bahnbrechenden Folgen niemand vorhersehen konnte. Vom späteren 7. bis zum beginnenden 5. Jahrhundert v. Chr. formten die neuen Standbilder schöner Götter und Menschen die Wahrnehmung öffentlicher Räume inner- und außerhalb der Polis radikal um. Zehntausende von Korai und Kouroi eroberten Kernbereiche griechischen Lebens – vornehmlich Heiligtümer, seltener Nekropolen – und geben diesen Räumen eine vollkommen neue anthropologische Identität. Für fünf Generationen bestimmten Korai und Kouroi das öffentliche Bild von Frau und Mann: in der Regel gemeißelt aus dem von Griechen dafür neu entdeckten Werkstoff Marmor und dargestellt in einem verbindlichen Habitus, der für jedes Geschlecht in bezeichnender Distinktion formuliert ist.
Die Verbindlichkeit dieses Habitus zerbricht in der Zeit um 500 v. Chr. Es ist eine Zeit tiefgreifender historischer und politischer Umbrüche, geprägt u.a. durch die militärische Expansionspolitik der Perser und die Einführung einer neuen Staatsform, der Demokratie in Athen. Meine Vorlesung beschreibt an ausgewählten Beispielen griechischer Skulptur die neuen Konzepte und aufregende Dynamik der formalen und inhaltlichen Neuorientierung der Bilder von Göttern, Helden und Menschen im 5. Jahrhundert v. Chr., die Karl Jaspers als -Achsenzeit- bezeichnet hat. Zum ersten Mal in der Geschichte der Kunst wurden die Standbilder konzeptionell der Schwerkraft unterworfen und habituell, d.h. in Körperbau und Bewegungsverhalten funktional darauf bezogen: d.h. auf die der vier physikalischen Grundkräfte, die den Menschen mehr formt als jede andere (z.B. Anatomie, Funktion des Körpers, Sprache, Verhalten, Psyche, Ethik). Es geht mir nicht nur um Fragen nach Material, Ikonographie, Funktion und Kontext, sondern auch um anthropologische, politische und religiöse Zusammenhänge. Was im 7. Jahrhundert v. Chr. als Experiment begann, entwickelte sich im 5. Jahrhundert v. Chr. zu einem Paradigma. Es war so durchschlagend, das es bis heute (die westlichen) Bilder vom Menschen nachhaltig prägt.
Aufbau
22.10. Forschungsüberblick, Fragen, Programm
29.10. Anfänge der Ehrenstatue und des politischen Denkmals: die Tyrannenmörder in Athen
05.11. Primat der Bronze: Wagenlenker von Delphi; Zeus von Kap Artemision; Krieger von Riace
[12.11. Fällt aus; Wissenschaftsrat Berlin]
19.11. Möglichkeiten in Marmor: Jüngling von Mozia; Penelope von Persepolis; Nike in Olympia
26.12. Entrücktes Erzählen: Metopen- und Giebelfiguren am Zeus-Tempel von Olympia
03.12. Erzählen auf Augenhöhe: Athena versus Marsyas; Marmorzaun mit siegfeiernden Niken
10.12. Individuum und Kollektiv: frühe Bildnisse
17.12. Rationalität der Form: Doryphoros des Polyklet
07.01. Dynamik von Form und Geschichte: sog. Protesilaos; Prokne und Ithys
14.01. Formen der Konkurrenz: Amazonen im Wettbewerb
21.01. Konkurrenzlos: Skulptur und Architektur des Parthenon
28.01. Vom Paradeigma zum Exemplum: Koren und Karyatiden
Einführende Literatur
• Ridgway, Brunhilde Sismondo. 1981. Fifth Century Styles in Greek Sculpture. Princeton: Princeton University Press.
• Hölscher, Tonio. 1989. Die unheimliche Klassik der Griechen. Bamberg: C.C. Buchners.
• Stewart, Andrew. 1990. Greek sculpture: an exploration. New Haven u.a., 1990, 103-130.
• Rolley, Claude. 1994. La sculpture grecque 1: des origines au milieu du Ve siècle. Paris: A. and J. Picard.
• Rolley, Claude. 1999. La sculpture grecque 3: la période classique. Paris: A. and J. Picard.
• Heilmeyer, Wolf-Dieter. 2002. Die griechische Klassik: Idee oder Wirklichkeit, (Ausstellung im Martin-Gropius-Bau, Berlin, 1. März - 2. Juni 2002 und in der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland, Bonn, 5. Juli - 6. Oktober 2002). Mainz: Philipp von Zabern.
• Bol, Peter C., Hg. 2005. Die Geschichte der antiken Bildhauerkunst, Bd. II: Klassische Plastik. Mainz: Philipp von Zabern.
• Stewart, Andrew. 2008. Classical Greece and the birth of western art. Cambridge: Cambridge University Press.
• Neer, Richard. 2010. The emergence of the classical style in Greek sculpture. Chicago and London: University of Chicago Press.
• Brinkmann, Vinzenz, Hg. 2013. Zurück zur Klassik: ein neuer Blick auf das alte Griechenland, (Ausstellung der Liebieghaus-Skulpturensammlung, Frankfurt am Main, 8. Februar bis 26. Mai 2013). München: Hirmer.
• Kansteiner, Sasacha, Hg. 2014. Klassik: Bildhauer und Maler des 5. Jhs. v. Chr., (Der Neue Overbeck: die antiken Schriftquellen zu den bildenden Künsten der Griechen). Berlin und Boston: De Gruyter
Methodenreflexion
• Dally, Ortwin und Hölscher, Tonio und Muth, Susanne und Schneider, Rolf Michael, Hg. 2014. Medien der Geschichte: Antikes Griechenland und Rom. Berlin und Boston: De Gruyter.
Einführende Literatur
• Ridgway, Brunhilde Sismondo. 1981. Fifth Century Styles in Greek Sculpture. Princeton: Princeton University Press.
• Hölscher, Tonio. 1989. Die unheimliche Klassik der Griechen. Bamberg: C.C. Buchners.
• Stewart, Andrew. 1990. Greek sculpture: an exploration. New Haven u.a., 1990, 103-130.
• Rolley, Claude. 1994. La sculpture grecque 1: des origines au milieu du Ve siècle. Paris: A. and J. Picard.
• Rolley, Claude. 1999. La sculpture grecque 3: la période classique. Paris: A. and J. Picard.
• Heilmeyer, Wolf-Dieter. 2002. Die griechische Klassik: Idee oder Wirklichkeit, (Ausstellung im Martin-Gropius-Bau, Berlin, 1. März - 2. Juni 2002 und in der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland, Bonn, 5. Juli - 6. Oktober 2002). Mainz: Philipp von Zabern.
• Bol, Peter C., Hg. 2005. Die Geschichte der antiken Bildhauerkunst, Bd. II: Klassische Plastik. Mainz: Philipp von Zabern.
• Stewart, Andrew. 2008. Classical Greece and the birth of western art. Cambridge: Cambridge University Press.
• Neer, Richard. 2010. The emergence of the classical style in Greek sculpture. Chicago and London: University of Chicago Press.
• Brinkmann, Vinzenz, Hg. 2013. Zurück zur Klassik: ein neuer Blick auf das alte Griechenland, (Ausstellung der Liebieghaus-Skulpturensammlung, Frankfurt am Main, 8. Februar bis 26. Mai 2013). München: Hirmer.
• Kansteiner, Sasacha, Hg. 2014. Klassik: Bildhauer und Maler des 5. Jhs. v. Chr., (Der Neue Overbeck: die antiken Schriftquellen zu den bildenden Künsten der Griechen). Berlin und Boston: De Gruyter
Methodenreflexion
• Dally, Ortwin und Hölscher, Tonio und Muth, Susanne und Schneider, Rolf Michael, Hg. 2014. Medien der Geschichte: Antikes Griechenland und Rom. Berlin und Boston: De Gruyter.
Leistungsnachweis
BA HF Archäologie:
Der Leistungsnachweis erfolgt über das dazugehörige Seminar!.
BA NF Antike und Orient:
1) Vorlesung (ohne Seminar): Prüfung (3 ECTS) erfolgt in der VL!!
2) Blockveranstaltung: VL+Seminar:
Referat (6 ECTS) im Seminar (keine separate Prüfung in der VL!!!)
Downloads
DateinameBeschreibunggültig vongültig bis
01 Einführung 22.10.2014.docx 01 Einführung
02 Tyrannenmörder 29.10.2014.docx 02 Tyrannenmörder
03 Bronzeguss Wagenlenker 05.11.2014.docx 03 Bronzeguss
04 Bronze Zeus & Riace A&B 19.11.2014.docx 04 Zeus Artemision - Ricae A&B
05 Marmor Mozia Penelope Nike 26.11.2014.docx 05 Jüngling Mozia Penelope Nike
06 Olympia Ostgiebel 03.11.2014.docx 06 Zeustempel Olympia: Ostgiebel
10 Prokne und Itys 14.01.2015.docx 10 Prokne und Itys
11 Parthenon 21.01.2015.docx 11 Parthenon
12 Erechtheion 28.01.2015.docx 12 Erchtheion: Paradeigma-Exemplum
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Department für Kulturwissenschaften und Altertumskunde
BA HF Archäologie:
Der Leistungsnachweis erfolgt über das dazugehörige Seminar!.
BA NF Antike und Orient:
1) Vorlesung (ohne Seminar): Prüfung (3 ECTS) erfolgt in der VL!!
2) Blockveranstaltung: VL+Seminar:
Referat (6 ECTS) im Seminar (keine separate Prüfung in der VL!!!)
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WiSe 1415
Prof.Dr.
Schneider Rolf Michael