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Uni-München
14. März 2017

Vorlesung Kunst ästhetische Praktiken und Islam in Afrika Eine Einführung

Sowohl die islamische wie auch die genuin Afrika gewidmete Kunstgeschichte hat die Bedeutung des Islam für den afrikanischen Kontinent und seine Kunstproduktion bislang weitgehend vernachlässigt: Die islamische Kunstgeschichte beschäftigte sich seit ihren institutionellen Anfängen vornehmlich mit Bauten, diversen Formen der...

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Sowohl die islamische wie auch die genuin Afrika gewidmete Kunstgeschichte hat die Bedeutung des Islam für den afrikanischen Kontinent und seine Kunstproduktion bislang weitgehend vernachlässigt: Die islamische Kunstgeschichte beschäftigte sich seit ihren institutionellen Anfängen vornehmlich mit Bauten, diversen Formen der Objektkunst und Miniaturmalereien in den sogenannten islamischen Kernländern. Chronologie und Geographie islamischer Kunstgeschichte fokussierte demnach schwerpunktmäßig auf die Künste und Baukulturen Syriens, des Irak und Iran, Ägyptens, der Großreiche der Safaviden, Osmanen und der Mogulherrscher. Die Vertreter einer sich spätestens ab den 1950er Jahren formierenden Kunstgeschichte Afrikas wiederum betrachteten den Islam oft argwöhnisch. Völlig ungeprüft saßen sie dem weit verbreiteten Topos einer islamischen Bilderfeindlichkeit auf und unterstellten folgenreiche ikonoklastische Tendenzen. Zwar bedeute René Bravmans 1976 erschienene Studie Islam and Tribal Art in West Africa ein erstes Korrektiv, doch wird die Kunstproduktion vor allem des ‚islamischen‘ subsaharischen Afrikas bis heute auch in der afrikanischen Kunstgeschichte nur sehr marginal rezipiert. Diese Forschungslücke in beiden (regionalen) Kunstgeschichten erstaunt umso mehr, wenn man sich nur einige Zahlen und Daten vergegenwärtigt: Etwa ein Drittel der weltweit etwa 1,5 Milliarden Muslime lebt in Afrika und auch die ‚Islamisierung‘ des Kontinents entlang zweier historischer Kontaktzonen – des Mittelmeerraumes und des Indischen Ozean – stellt alles andere als eine rezente Entwicklung dar. Vielmehr generierte die Präsenz des Islam je nach Region seit vielen Jahrhunderten und bis in die Gegenwart eine vielfältige künstlerische Produktion. Entlang, aber auch gegen die -Sphären des Islam- konstituierten sich neue visuelle und ästhetische Praktiken. Die Vorlesung vermittelt einen ersten Überblick zu Kunst, ästhetischen Praktiken und Islam in Afrika. Sie ist zunächst historisch angelegt und behandelt Geschichte und Ausbreitung des Islam auf dem Kontinent sowie die kontrovers diskutierte Frage nach einem spezifisch ‚afrikanischen‘ Islam. Im Zentrum der Vorlesung stehen 1. Exemplarische, mit dem Islam assoziierte Künste, Bildpraktiken und Bauformen (Sakralbauten in den alten westsudanischen Reichen, die komplexen ästhetischen Praktiken der Muriden im Senegal, textile Produktionen und Objektkunst etc.) 2. Kalligraphische Abstraktion und moderne Kunst im Sudan, Marokko, Algerien und Mali et al. sowie 3. die Frage nach islam- bzw. religionskritischen künstlerischen Positionen der Gegenwart, aber auch dezidiert auf den Islam bezogene Arbeiten wie die von Younès Rahmoun. Die Beispiele sind bewusst aus den unterschiedlichsten Gattungen und Regionen gewählt, so dass nicht nur die Bandbreite des sogenannten islamischen Kunstschaffens in Afrika deutlich wird, sondern sich darüber hinaus auch spezifische Diskursfelder zur islamischen Kunstgeschichte anschließen lassen. Department Kunstwissenschaften LMU München WiSe 1415 Univ.Prof.Dr. Pinther Kerstin