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Uni-Dortmund
14. März 2017

Vorlesung Religion 8211 Philosophie 8211 Vernunft

-Mögen wir die griechischen Götterbilder noch so vortrefflich finden und Gottvater, Christus und Maria noch so würdig dargestellt finden – es hilft nichts, unser Knie beugen wir doch nicht mehr.- Was Hegel hier als Bruch der traditionellen Beziehung von Religion...

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-Mögen wir die griechischen Götterbilder noch so vortrefflich finden und Gottvater, Christus und Maria noch so würdig dargestellt finden – es hilft nichts, unser Knie beugen wir doch nicht mehr.- Was Hegel hier als Bruch der traditionellen Beziehung von Religion und - nun autonom gewordener – Kunst konstatiert, betrifft noch mehr das Verhältnis von Religion und Vernunft. Mit dem Ende des religiösen Weltbilds verlor sich die Selbstverständlichkeit religiöser Überzeugungen; sie mußten sich fortan vor dem Richterstuhl der Vernunft rechtfertigen. Zwar gingen zumindest die monotheistischen Religionen meist davon aus, daß ihre Wahrheiten der profanen Vernunft nicht nur kompatibel, sondern letztlich überlegen seien. Aber interne Widersprüche, Dogmatismus sowie die Koppelung von Religion und Macht haben Aufklärungsprozesse hervorgetrieben, die sich in Philosophie und Wissenschaft manifestierten und sich auch politisch-rechtlich in Religionsfreiheit niederschlugen. Die moderne Entzauberung der Welt durch Wissenschaft hat jedoch das religiöse Bedürfnis nicht zu tilgen vermocht. Die säkularisierte Welt begreift, daß einige ihrer besten Grundlagen sich beispielsweise jüdisch-christlichen Impulsen verdanken; daß die bekannten Kontingenzfragen (Leiden, Unglück,Schuld, Tod usw.) rational nicht lösbar sind; und daß heute die Vernunft der Moderne selbstreflexiv verunsichert ist. Zwischen einer Religion, die ihr traditionelles Macht- und Drohpotential eben so verloren hat wie eine selbstkritische Philosophie absolute Gewißheiten, kann sich ein offenes neues Diskurs-Niveau etablieren. Auf dem soll sich die Vorlesung bewegen. Die Vorlesung ist offen für Hörer aller Studiengänge. Nähere Angaben zu Literatur und Erwerb von Qualifikationen in der ersten Vorlesung. Technische Universität Dortmund SoSe 2013 Univ.-Prof. Post Werner phil