Uni-Kassel
14. März 2017Vorlesung Übung Einführung in die Sexualethik
Existenz bedeutet immer auch in Beziehung stehen. Soll menschliches Leben gelingen, müssen Beziehungen gestaltet und kultiviert werden. Von besonderer Bedeutung unter den Beziehungen sind die erotischen und sexuellen Beziehungen. Von Ehe- und Sexualfeindlichkeit kann in der Bibel jedenfalls nicht die...
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Jetzt Lernplan erstellenExistenz bedeutet immer auch in Beziehung stehen. Soll menschliches Leben gelingen, müssen Beziehungen gestaltet und kultiviert werden. Von besonderer Bedeutung unter den Beziehungen sind die erotischen und sexuellen Beziehungen. Von Ehe- und Sexualfeindlichkeit kann in der Bibel jedenfalls nicht die Rede sein: In der Heiligen Schrift fungiert die Mann-Frau-Beziehungen in besonderer Weise als Bild für die Beziehung von Mensch und Gott. Und nicht ohne Grund wird die Verlobung im Hebräischen als Heiligung (qiddushin) bezeichnet. Ehe und Sexualität waren daher immer ein wichtiger Bereich der kirchlichen Moralverkündigung und der theologischen Ethik. Sinngehalt, Chancen, aber auch Risiken und Schwierigkeiten der Ehe, sowie anderer partnerschaftlicher Lebensformen im gewandelten gesellschaftlichen Kontext, sollen in der Vorlesung dargelegt und erörtert werden. Denn wenn für die weit überwiegende Mehrheit gewiss auch weiterhin gilt, dass für eine sexuelle Beziehung das Zusammenleben und Kommunizieren in einer auf Dauer angelegter Emotionalität und Intimität wünschenswert ist, haben sich doch in kaum einem anderen Lebensbereich die Einstellungen und die Lebenspraxis gravierender gewandelt als im Bereich der Sexualität. Insbesondere hat sich sexuelles Verhalten immer mehr von der Einbindung in die Kontexte von Generativität und Ehe gelöst (man denke an Themen wie künstliche Empfängnisverhütung, Ehe ohne Trauschein, außereheliche Partnerschafts-Modelle, Neubewertung der Homosexualität usw.). Dabei sind tradierte religiöse Normen und Verhaltensmaximen, nicht zuletzt diejenigen der Kirchen, an den Rand gedrängt worden. In der Lehrveranstaltung soll untersucht werden, wie in neueren Ansätzen der theologischen Ethik auf diesen Wandel reagiert worden ist und inwieweit es ihnen gelungen ist, in überzeugender Weise Orientierung zu vermitteln. Selbstverständlich sollen dabei die Antworten der Bibel, der kirchlichen Tradition und entsprechende humanwissenschaftlichen Positionen in die Reflexionen über eine Gestaltung menschlicher Sexualität einbezogen werden.
FB 01 Institut für Katholische Theologie
Uni Kassel
SS2006
Prof. Dr. Dr.
Lohner Alexander