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Uni-München
14. März 2017

Vorlesung Zeichen Ikonen Antichrist Das Zeichenverständnis des russischen Altgläubigentums im Lichte der Semiotik

Mit zwei gekreuzten Fingern trotzte die Bojarynja Morozova, verewigt auf Surikovs gleich­namigem Gemälde von 1878, ihrer Verhaftung durch die Nikonianer im Jahr 1671. Was war geschehen? Wie kann es sein, dass sich tausende Menschen – allen voran der Protopope Avvakum...

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Mit zwei gekreuzten Fingern trotzte die Bojarynja Morozova, verewigt auf Surikovs gleich­namigem Gemälde von 1878, ihrer Verhaftung durch die Nikonianer im Jahr 1671. Was war geschehen? Wie kann es sein, dass sich tausende Menschen – allen voran der Protopope Avvakum – lie­ber selbst verbrannten, als mit den aus heutiger Sicht absolut marginalen Reformen betref­fend den Ritus, das Kreuzzeichen, die Schreibweise des Namens Christi ( (Isus)/ (Iisus)), etc., weiterzuleben? Was bewog tausende Menschen, in Patriarch Nikon und etwas später auch in der Zep­terübernahme Peters I. die angebrochene Herrschaft des Antichristen zu sehen? Die Vorlesung mit angeschlossener Übung beschäftigt sich mit dem Zeichenverständnis und den historischen und theologischen Hintergründen, die zum Raskol, dem großen Schisma der orthodoxen Kirche führten. Dazu werden zunächst die Grundlagen des Zeichenverständnisses, wie es sich aus den öku­menischen Konzilien des Altertums entwickelt hatte, beleuchtet – über das Filioque, den christologischen Streit um die zwei Naturen Christi vs. der einen Natur des fleischgeworde­nen Logos, dem Monophysitismus, über den gescheiterten Kompromiss des Monotheletis­mus hin zum Ikonoklasmus und dem daraus hervorgehenden Bilderverständnis der grie­chisch-orthodoxen Kirche. Schließlich dann gilt es die Sto-Glav-Synode unter Ivan IV (1551) bezüglich der sakralen Kunst und ihre Auswirkungen auf die Ikonenmalerei ab der Mitte des 16. Jahrhunderts zu betrach­ten, bevor der Sprung in die (PostPost-)Moderne vollzogen werden kann: was hat es im ge­nannten Zusammenhang mit der von Ferdinand de Saussure geprägten Arbitrarität des Zei­chens auf sich und wie wird diese Arbitrarität in der Gegenwartskunst gehandelt? Die Vorlesung schließt mit einigen Beispielen aus Kunst, Film und Literatur, zu denen in der 1-stündigen Übungsveranstaltung, auch text- bzw. bild- oder filmanalytisch gearbeitet wer­den kann. Russischkenntnisse sind nicht erforderlich. Literaturhinweise in Auswahl: Hauptmann, P. (2009): Rußland Altgläubige. Göttingen. Senkowsky, S. A. (1970): Russia’s Old Believers. München. (Russische Ausgabe: . Moskau 1995, 2006 (1. und 2. Teil)) Panzer, B. (Hrsg., 1988): Sprache, Literatur und Geschichte der Altgläubigen: Akten des Heidelberger Symposions vom 28. bis 30. April 1986. (Heidelberger slavistische Forschungen; 1). Heidelberg. Pleyer, V. (1961): Das russische Altgläubigentum. Geschichte, Darstellung in der Literatur. München. Scheidegger, R (1999): Endzeit. Slavica Helvetica 63/1999. , . (1995): . . , 221-303. , . (2004): : , — ? . Primärmaterialien in Auswahl: Das Leben des Protopopen Avvakum von ihm selbst niedergeschrieben. Übersetzt aus dem Altrussischen von Gerhard Hildebrandt, 1965. Peskow, W. (1996): Die Vergessenen der Taiga. Melnikow, P. I. (1871–1875): . (dt. In den Wäldern, 1970). Ders. (1875–1881): (In den Bergen, nicht übersetzt). Leskow, N.: Erzählungen. Mussorgskij, M.: (Chowanšina). Tarkovsky, A.: Andrej Rublev. Krusanov, P. (2004): Ukus Angela. Moskau. (Der Biss des Engels, nicht übersetzt). Pelevin,V. (1996): apaev i pustota. Moskau. (Buddhas kleiner Finger, Berlin 2000). Mühling, J. (2012): Mein russisches Abenteuer. Köln. u.v.m. Leistungsnachweis B.A. Slavistik: Klausur 60 min. mit Benotung Master Slavistik: Klausur (90 min.) oder Essay (ca. 15000 Zeichen) bestanden/nicht bestanden Master Profilbereich (nur gemeinsam mit der Übung: 6 ECTS) Thesenpapier (ca. 6000 Zeichen) und Hausarbeit (ca. 30000 Zeichen) mit Benotung B.A.-Nebenfach SLK: Diese Veranstaltung entspricht in WP 4 dem Kurstyp -Kernveranstaltung zu Themen der Kultur- und Medienwissenschaften m/n/o/p- (WP 4.0.13/15/17/19). ODER Diese Veranstaltung entspricht in WP 5 dem Kurstyp -Kernveranstaltung zu Themen der Älteren Sprachen und Kulturen m/n/o/p- (WP 5.0.13/15/17/19). Sie erhalten 3 ECTS, wenn Sie entweder eine Klausur (30-60 Min.) schreiben oder eine mündliche Prüfung (15-30 Min.) ablegen oder ein Portfolio (20.000-40.000 Zeichen) fertigen. Die Prüfung muss benotet sein. Die Wahl der Prüfungsart liegt beim Dozenten. Zu dieser Vorlesung wird eine Übung angeboten: 14670 Zeichen, Ikonen, Antichrist: Das Zeichenverständnis des russischen Altgläubigentums im Lichte der Semiotik. Die beiden Veranstaltungen werden einzeln geprüft (je 3 ECTS). Department II - Griechische und Lateinische, Romanische, Italienische und Slavische Philologie, Sprachen und Kommunikation B.A. Slavistik: Klausur 60 min. mit Benotung Master Slavistik: Klausur (90 min.) oder Essay (ca. 15000 Zeichen) bestanden/nicht bestanden Master Profilbereich (nur gemeinsam mit der Übung: 6 ECTS) Thesenpapier (ca. 6000 Zeichen) und Hausarbeit (ca. 30000 Zeichen) mit Benotung B.A.-Nebenfach SLK: Diese Veranstaltung entspricht in WP 4 dem Kurstyp -Kernveranstaltung zu Themen der Kultur- und Medienwissenschaften m/n/o/p- (WP 4.0.13/15/17/19). ODER Diese Veranstaltung entspricht in WP 5 dem Kurstyp -Kernveranstaltung zu Themen der Älteren Sprachen und Kulturen m/n/o/p- (WP 5.0.13/15/17/19). Sie erhalten 3 ECTS, wenn Sie entweder eine Klausur (30-60 Min.) schreiben oder eine mündliche Prüfung (15-30 Min.) ablegen oder ein Portfolio (20.000-40.000 Zeichen) fertigen. Die Prüfung muss benotet sein. Die Wahl der Prüfungsart liegt beim Dozenten. Zu dieser Vorlesung wird eine Übung angeboten: 14670 Zeichen, Ikonen, Antichrist: Das Zeichenverständnis des russischen Altgläubigentums im Lichte der Semiotik. Die beiden Veranstaltungen werden einzeln geprüft (je 3 ECTS). LMU München WiSe 1415 Dr. Scholz Nora