Uni-Siegen
14. März 2017Wissenschaft und Lebenswelt
Edmund Husserls Spätwerk -Die Krisis der europäischen Wissenschaften- rückt das Problem der Lebenswelt ins Zentrum einer kultur- und wissenschaftsgeschichtlichen Betrachtung. Husserls phänomenologisch-kritischer Blick sieht in dem durch Galilei geprägten naturwissenschaftlichen Objektivismus eine Tendenz der -Lebensweltvergessenheit-, der darin besteht, die lebensweltlichen...
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Jetzt Lernplan erstellenEdmund Husserls Spätwerk -Die Krisis der europäischen Wissenschaften- rückt das Problem der Lebenswelt ins Zentrum einer kultur- und wissenschaftsgeschichtlichen Betrachtung. Husserls phänomenologisch-kritischer Blick sieht in dem durch Galilei geprägten naturwissenschaftlichen Objektivismus eine Tendenz der -Lebensweltvergessenheit-, der darin besteht, die lebensweltlichen Erfahrungen als Erkenntnisquellen zu entwerten und ihr eine geschlossene Wissenschaftswelt gegenüberzustellen. Husserl sieht dabei durchaus, dass die wissenschaftlichen Erkenntniserwerbe in die Lebenswelt -einströmen- – was wir heute kennen als die globale Vernetzung der Welt durch Informationstechnologien wie das Internet oder den Versuch, unser Leben überhaupt -wissenschaftlich- zu interpretieren wie z.B. in der Deutung unseres sozialen Verhaltens durch die Evolutionsbiologie. Husserls Phänomenologie der Lebenswelt versucht nicht etwa nur die vorwissenschaftliche Erfahrung philosophisch zu -retten-, ihr geht es darum, der zunehmenden Entfremdung von Leben und Wissenschaft entgegenzutreten durch den Nachweis, dass jede wissenschaftliche Erkenntnis ein lebensweltliches Fundament hat. Dieser methodische Ansatz hat eine breite Wirkung entfaltet, der von der Soziologie (Habermas) bis hin zur lebensweltlichen Pädagogik (Lippitz) reicht. Aufgabe des Seminars ist es, die unterschiedlichen Ansätze der Lebenswelttheorie herauszuarbeiten und in ihrer Aktualität zu begreifen. Dazu gehört neben der Erörterung von Husserls Krisis-Schrift die Kritik des cartesianischen Dualismus von Geist und Körper durch eine Phänomenologie der Leiblichkeit in der Psychologie (E. Strauss) sowie dem Entwurf einer anthropologischen Physiologie (Buytendijk) aber auch die Entdeckung des Problems einer lebensweltlich motivierten Wissenschaftsgeschichte der Naturwissenschaften durch die -Positivisten- Ernst Mach und Pierre Duhem. Der Gedanke der Lebenswelt steht zudem im Mittelpunkt der lebensphilosophisch und existenzphilosophisch orientierten Phänomenologie des jungen Martin Heidegger.
Philosophie
Universität Siegen
SoSe 2010
Kaletha Holger