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14. März 2017Wolframs von Eschenbach Willehalm
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Jetzt Lernplan erstellenDer 'Willehalm' ist ein gegenüber dem 'Parzival' weniger bekanntes Werk Wolframs: Das Heldenepos entstand im zweiten Jahrzehnt des 13. Jahrhunderts am Hof des Landgrafen von Thüringen. Auf eine französische Vorlage aus dem Kreis der Chansons de geste zurückgehend, erzählt es von den Taten des Grafen Willehalm von Orange, dessen historisches Vorbild Wilhelm von Toulouse unter Karl dem Großen und Ludwig dem Frommen gegen die Sarazenen und Basken gekämpft hat. Wolframs 'Willehalm' setzt in der ersten Schlacht von Alischanz ein, die Willehalm als einizger des christlichen Heeres überlebt. Er rettet sich in die Stadt Orange und lässt dort seine Frau Gyburc zurück, um beim französischen König um Unterstützung zu bitten. Nachdem er mit einem großen Heer zurückgekehrt ist, kommt es zur zweiten Schlacht von Alischanz, die die Christen unerwartet für sich entscheiden können. Willehalm lässt die gefallenen heidnischen Könige einbalsamieren und in ihre Heimat überführen.
So sehr sich Wolfram in seinem Text an der französischen Vorlage orientiert, setzt er doch erkennbar eigene Akzente. Anders als andere im Rahmen der Kreuzzugsideologie entstandene Texte wie das Rolandslied Konrads ist sein Text nicht auf eine simple, den Gegner diffamierende Dichotomie von Christen und Heiden hin angelegt: Die Muslime werden als vorbildliche höfische Ritter dargestellt, die drastische Schilderung der Grausamkeiten des Krieges liest sich wie ein kritischer Kommentar zur Lehre vom bellum iustum, vom gerechten Krieg, und Gyburc formuliert in einer Rede ein Toleranzgebot für alle Religionen.
Im Seminar wird es darum gehen, Wolframs Text vor dem Hintergrund der Kreuzzugsideologie zu deuten, daneben Fragen nach dem Heldenbegriff, der Minnekonzeption, der Rolle der Familie und der Lehnsherrschaft zu stellen.
Der Text soll in den ersten vier Wochen des Semesters gelesen und besprochen werden, anschließend wird es auf der Grundlage aktueller Forschungsbeiträge um die Diskussion der benannten Fragestellungen gehen.
Text: Wolfram von Eschenbach, Willehalm. Text der Ausgabe von Werner Schröder. Völlig neu bearbeitete Übersetzung und Register von Dieter Kartschoke, Berlin/New York 1989.
Deutsch, LA Berufskolleg, PO 2004
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WiSe 2011/12
Germanistik - Mediävistik
Priv.-Doz. Dr.
Sahm Heike Priv Doz