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Lernen & Gedächtnis
21. Februar 2023 Aktualisiert am 25. Juni 2026

Beide Gehirnhälften aktivieren? Was wirklich beim Lernen hilft

„Beide Gehirnhälften verbinden" ist ein Mythos – doch die gemeinten Methoden (Mind-Mapping, Bilder, aktives Lernen) wirken wirklich. So lernst du effektiver.

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Es gibt verschiedene Methoden, um beide Gehirnhälften beim Lernen zu verbinden, wie zum Beispiel Mind Mapping, Assoziations- und Visualisierungstechniken, aktive Lernmethoden und Lernen mit Musik. Durch diese Methoden können das Gedächtnis und die Kreativität stimuliert werden. Es ist wichtig, individuelle Stärken und Präferenzen bei der Wahl der Lernmethode zu berücksichtigen.

Wer kennt das nicht? Man lernt stundenlang, manchmal sogar ohne Pause, absorbiert die Seiten, eine nach der anderen, Fakten strömen durch den Kopf, immer mehr neue Informationen, Fakten, Seiten, Bücher. Nach ein paar Stunden wird man erschöpft, aber das Gefühl, die Zeit so richtig genutzt zu haben, verleiht Genugtuung und ein Erfolgserlebnis. Ein nächster kleiner Schritt in die Erfolgsrichtung. Doch nach ein paar Stunden oder am nächsten Tag merkt man, während man die Unterlagen noch mal durchgeht, dass die Informationen, die noch gestern völlig klar zu sein schienen, heute nicht mehr im Kopf sitzen. Passiert so was Ihnen auch? Dann finden Sie hier Hilfe!

Dass man die Fakten verwechselt oder gar nicht merkt, hängt nicht mit Doofheit zusammen, sondern hat mit den angewendeten Lernmethoden zu tun. Die überwiegende Mehrheit aller Menschen nutzt beim Lernen vor allem analytische, „linkshirnige" Strategien. Sie ist für das logische, analytische, rationale, strukturierte und geplante Denken verantwortlich. Somit wird nur ein Bruchteil des Gesamtpotentials genutzt denn bei solchem rein „linkshirnigen" Lernen muss man den Stoff sogar 20 bis 30 Mal wiederholen, bis er im Langzeitgedächtnis fest gespeichert bleibt.

Die linke und die rechte Gehirnhälfte

Die linke Gehirnhälfte ist in der Regel für die Verarbeitung von Sprache, Logik, Analyse, Zahlen und Fakten zuständig. Beim Lernen bevorzugt die linke Gehirnhälfte deshalb lineares, sequentielles und analytisches Denken, das auf klaren Strukturen, Regeln und Kategorien basiert. Texte, Tabellen, Diagramme und Listen sind Beispiele für Lernmaterialien, die eher von der linken Gehirnhälfte verarbeitet werden.

Die rechte Gehirnhälfte ist in der Regel für die Verarbeitung von visuellen und räumlichen Informationen, Kreativität, Intuition, Emotionen und Gesamtwahrnehmung zuständig. Beim Lernen bevorzugt die rechte Gehirnhälfte deshalb ganzheitliches, kreatives und assoziatives Denken, das auf Bildern, Farben, Klängen und Emotionen basiert. Mindmaps, Grafiken, Bilder und Musik sind Beispiele für Lernmaterialien, die eher von der rechten Gehirnhälfte verarbeitet werden.

Welche Gehirnhälfte übernimmt die Arbeit beim Einprägen und Lernen?

Die kurze Antwort: beide. Beim Einprägen und Abrufen von neuem Wissen arbeiten linke und rechte Gehirnhälfte eng zusammen – die strikte Aufteilung „links speichert Fakten, rechts Bilder" ist eine populäre Vereinfachung. Entscheidend ist nicht, eine einzelne Hälfte zu aktivieren, sondern den Stoff so aufzubereiten, dass möglichst viele Areale gemeinsam beteiligt sind: sprachlich und bildlich zugleich, mit Emotion und Bezug zu Bekanntem. Genau das leisten die weiter unten beschriebenen Methoden.

Lernen als Prozess

Das Lernen stellt einen sehr komplexen Prozess dar. Aus diesem Grunde reicht es leider nicht, sich nur auf die passende Lernmethode zu beschränken, nur die anzuwenden, und damit die Kapazität des Denkorgans 100%-tig auszulasten. Außer solchen Faktoren wie u.a: Umgebung, persönliche Stimmung, oder richtige Ernährung ist auch etwas Strategie notwendig.

Das betrifft vor allem die Planung und Aufteilung des zu lernenden Stoffes und deren Wiederholungen. Und hier ist auch immer Vorsicht geboten, denn das einfache Pauken (das mechanische Wiederholen ohne den Inhalt verinnerlicht zu haben) hat sich als die ungeeignetste Lernmethode erwiesen. Einfaches Auswendiglernen und Pauken widerspricht dem wichtigsten Naturgesetz: Sie diktieren dem Gehirn, wie es die Inhalte zu speichern hat.

Kein Wunder, dass eine Woche nach dem Auswendiglernen man sich kaum an etwas erinnert, was man früher perfekt zitierte. 1978 ist ein Buch erschienen - "Suggestologica" in dem Psychologe und Gedächtnisforscher Georgii Lozanov (Sophia, Bulgarien) postuliert, den Stoff so anzupassen, dass er beide Hirnhälften stimuliert und damit effizienter gespeichert wird.

Lozanov hat bewiesen, dass besonders beim Fremdsprachenlernen, Einsatz von Barockmusik und Entspannungstechniken die Lernfähigkeiten um das Vielfache steigern.

Beide Gehirnhälften verbinden

Gelingt uns jedoch die beiden Gehirnhälften zu verknüpfen, also die Rechte in die Lernprozesse mit einzusetzen, merkt man relativ schnell, dass nur einige Wiederholungen reichen (3 - 6) bis das zu Lernende für erheblich länger im Gedächtnis bleibt. Die rechte Hirnhälfte trägt die Verantwortung für das emotionale, mitfühlende, intuitive, ganzheitliche, musikalische, konzeptionelle Denken.

Die so genannte „horizontale Integration" beider Hemisphären ermöglicht viel schnelleres und effizienteres Lernen. Das Lernen mit beiden Hirnhälften erzeugt eine Art Kettenreaktion, die zu positiven "Konsequenzen" führt. Durch emotionale und bildhafte Lerntechniken wird der Stoff schneller verinnerlicht, besser, und für länger gespeichert - was die Motivation steigern lässt.

Dann macht endlich das Lernen Spaß und Freude -und schließlich je mehr und öfter man die Methoden nutzt, desto kreativer und intelligenter wird der Lernende. Die Kreativität wiederum ermöglicht noch einfacheres und schnelleres Einsetzen und Verwenden von Lernmethoden, die beide Hemisphären in Verbindung setzen.

Es gibt verschiedene Methoden, um beide Gehirnhälften beim Lernen zu verbinden. Einige dieser Methoden sind:

  • Mind Mapping: Hierbei werden visuelle Diagramme erstellt, die Informationen strukturieren und mit Bildern und Farben verknüpfen.
  • Assoziations- und Visualisierungstechniken: Durch das Verknüpfen von Informationen mit konkreten Bildern, Farben oder anderen sinnlichen Eindrücken kann man das Gedächtnis und die Kreativität stimulieren.
  • Aktive Lernmethoden: Hierbei werden Informationen aktiv verarbeitet, z.B. durch Diskussionen, Gruppenarbeit oder das Lösen von Problemen. Dabei werden beide Gehirnhälften aktiviert und miteinander verknüpft.
  • Lernen mit Musik: Musik kann dabei helfen, das Gedächtnis und die Konzentration zu verbessern, da sie beide Gehirnhälften stimuliert.

Es ist wichtig zu betonen, dass es keine einheitliche Methode gibt, um beide Gehirnhälften beim Lernen zu verbinden. Jeder Mensch hat individuelle Stärken und Präferenzen, die bei der Wahl der Lernmethode berücksichtigt werden sollten.


Was wirklich hilft – und ein Wort zu den „zwei Gehirnhälften"

Die hier vorgestellten Methoden – Mind Mapping, Bilder und Assoziationen, aktives Lernen, eine angenehme Lernatmosphäre – wirken tatsächlich. Sie tun es allerdings aus einem anderen Grund, als das alte Bild von „linker" und „rechter" Gehirnhälfte vermuten lässt. Die strenge Aufteilung (links = logisch, rechts = kreativ) ist eine populäre Vereinfachung; beim Lernen arbeiten in Wahrheit immer beide Seiten und viele vernetzte Areale eng zusammen.

Warum die Techniken trotzdem so gut helfen, erklärt die Lernforschung klar: Wer Inhalte gleichzeitig sprachlich und bildlich verarbeitet (duale Kodierung), sie mit Bekanntem verknüpft (Elaboration) und mehrere Sinne einbindet, speichert sie tiefer und ruft sie leichter ab. Musik wirkt dabei vor allem über die Stimmung. Nicht „Hirnhälften verbinden" ist der Trick, sondern reichhaltig, aktiv und mit Bedeutung zu lernen – und das kann jeder.