Uni-Siegen
14. März 20178222 Standards and their Media Stories 8220 8211 Omnipräsenz und Unsichtbarkeit von medialen Standardisierungen und ihren institutionellen Verankerungen
Die Erforschung von Standardisierungskulturen wird oftmals als ‚langweiliges‘ Themenfeld betrachtet. Wahrscheinlich ist diese Auffassung dem Umstand geschuldet, das Standards sich unterhalb der Aufmerksamkeitsschwelle bewegen und tief in Infrastrukturen eingebettet sind. Ob Kabel, Stecker, Konfektionsgrößen, Nahrungsmittel, Etiketten, Formulare oder andere vereinheitlichte...
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Jetzt Lernplan erstellenDie Erforschung von Standardisierungskulturen wird oftmals als ‚langweiliges‘ Themenfeld betrachtet. Wahrscheinlich ist diese Auffassung dem Umstand geschuldet, das Standards sich unterhalb der Aufmerksamkeitsschwelle bewegen und tief in Infrastrukturen eingebettet sind. Ob Kabel, Stecker, Konfektionsgrößen, Nahrungsmittel, Etiketten, Formulare oder andere vereinheitlichte technische, kulturelle oder mediale Formen, sie werden selten hinterfragt und als selbstverständlich wahrgenommen. Im Alltag besitzen sie daher den ambivalenten Status des Omnipräsenten wie auch des Unsichtbaren.
Mit Gründung der -Society of People Interested in Boring Things- in Palo Alto, Kalifornien machten die Wissenschaftssoziologinnen Susan Leigh Star und Martha Lampland es sich zur Aufgabe, die kulturellen und soziotechnischen Kontexte samt der in Standards eingeschriebenen Werte zu rekonstruieren und offenbarten damit die permanente Brisanz und globale Wirksamkeit der scheinbar uninteressanten Standardgeschichten. 2009 gaben Star und Lampland -Standards and their Stories. How Quantifying, Classifying, and Formalizing Practices Shape Everyday Life- heraus – ein Band, der zu den einschlägigsten Publikation der Science and Technology Studies avancierte und an den sich letztendlich der Titel genauso wie das Vorhaben des Seminars anlehnt.
Obwohl in vielen Studien der Science and Technology Studies zentrale Medienpraktiken wie die des Kategorisierens und Bürokratisierens zur Diskussion stehen, stellen diese Untersuchungen keine medienwissenschaftlichen Analysen im engeren Sinne dar. Stattdessen folgen sie den Erkenntnisinteressen der sie tragenden Fächer wie der Soziologie, Kultur- und Technikgeschichte. Im Seminar soll deshalb auf die Vorarbeiten der Science und Technology Studies genauso wie auf traditionelle Studien aus der Wirtschafts- und Technikgeschichte zuruckgriffen werden, jedoch werden diese hinsichtlich der aufgeführten Medienpraktiken neu zu perspektivieren und interpretieren sein. Neben dieser Schwerpunktverlagerung auf Medienpraktiken soll gleichermaßen die Karriere technischer Artefakte wie etwa die der QWERTY-Tastatur sowie die Standardisierungsprojekte von Medieninstitutionen, wofür der weltweit zuverlässige Transport von Briefen durch den Weltpostverein ein Beispiel ist, diskutiert werden.
Medienwissenschaftliches Seminar
Universität Siegen
SoSe 2015
Dipl.-Medienw.
Taha Nadine Dipl Medienw