Uni-Siegen
14. März 2017Arbeit Integration und Geschlecht
Dass Arbeitswelten in Bewegung geraten sind, lässt sich gegenwärtig nicht mehr übersehen, umstritten aber ist, wie tiefgreifend diese Umbrüche in Arbeits- und Beschäftigungsverhältnissen sind und welche Konsequenzen sie z.B. für Geschlechterverhältnisse haben. Gesellschaftliche Ordnungen zentrieren sich in der aktuellen Leistungsgesellschaft...
Erstelle deinen persönlichen Lernplan
Wir helfen dir, diesen Kurs optimal vorzubereiten — mit einem individuellen Lernplan, Tipps und passenden Ressourcen.
Jetzt Lernplan erstellenDass Arbeitswelten in Bewegung geraten sind, lässt sich gegenwärtig nicht mehr übersehen, umstritten aber ist, wie tiefgreifend diese Umbrüche in Arbeits- und Beschäftigungsverhältnissen sind und welche Konsequenzen sie z.B. für Geschlechterverhältnisse haben. Gesellschaftliche Ordnungen zentrieren sich in der aktuellen Leistungsgesellschaft um Erwerbsarbeit. Verlust der Erwerbsarbeit ist nicht nur mit dem Wegfall von individueller, ökonomischer Autonomie verknüpft - an ihre Stelle treten in den europäischen Sozialstaaten die verschiedene Formen der Einkommenssicherung -, sondern auch mit dem Verlust von gesellschaftlicher Anerkennung, persönlicher Sinnstiftung und letztlich gesellschaftlicher Integration.
Im Seminar wird die Diskussion um den Wandel in den Arbeitsstrukturen aus der Sicht der Menschen -ganz unten- empirisch befragt. Dazu werden aktuelle Forschungen im Feld der mit Erwerbsarbeit gekoppelten Systeme sozialer Sicherung vorgestellt. Einkommenssicherung ist im aktivierenden Sozialstaat bestimmt durch das absolute Primat der Integration in den Arbeitsmarkt. Während man jedoch im Kontext von Arbeit über die Gleichstellung der Geschlechter diskutiert (z.B. als Vereinbarkeitsproblem von Beruf und Familie), wird Arbeitslosigkeit heute gleichsam als ‚geschlechtsneutrales' Phänomen behandelt. Die ‚Modellarbeitslosen' sind flexible, mobil, frei von familiären Verpflichtungen und verfügen über verwertbare Qualifikationen. Der Wandel des ‚male breadwinner model' zum ‚aduld breadwinner model' erfordert von beiden Geschlechtern Unabhängigkeit und eigenständige Existenzsicherung (Lewis 2002). Die Sozialpolitik entwickelt sich in Richtung Gleichheit, wobei diese Gleichheit die Differenzen in der Lebenssituation zwischen Frauen und Männern unterschlägt. Im Seminar wird zu diskutieren sein, inwieweit bisherige soziale Ungleichheiten dadurch in Bewegung geraten, sich verfestigen oder auflösen.
Ziel des Seminars ist es, den Wandel in Arbeits- und Beschäftigungsverhältnissen - sowie in den darauf bezogenen sozialstaatlichen Integrationsmodellen - in seinen Konsequenzen für das Geschlechterverhältnis kritisch zu thematisieren und im Hinblick auf neue (und alte) Ungleichheiten zu befragen.
Im Seminar werden einerseits theoretische Konzepte vorgestellt und diskutiert. Andererseits erhalten die Studierenden Einblick in Forschungsprojekte. Vorgestellt wird die klassische Marienthalstudie (Text und Film) sowie aktuelle Forschungen. Dabei wird z.T. an Datenmaterial gearbeitet.
Von den Studierenden wird die Lektüre von ausgewählten Texten, sowie das Halten von Kurzreferaten und die Beteiligung an Gruppendiskussionen und Gruppenarbeiten erwartet.
Castel, Robert (2009). Die Wiederkehr der sozialen Unsicherheit. In: Castel Robert/ Dörre Klaus (Hrsg.), Prekarität, Abstieg, Ausgrenzung. Die soziale Frage am Beginn des 21. Jahrhunderts. Frankfurt / New York : Campus, S.21 – 34
Kocka, Jürgen/Offe, Claus (2000) (Hg.). Geschichte und Zukunft der Arbeit. Frankfurt am Main: Campus.
Fischer, Ute Luise (2007). Krise der Arbeit, Krise der Sinnstiftung – ein kulturtheoretisch-strukturaler Zugang zur Geschlechter- und Arbeitsforschung. In: Aulenbacher, Brigitte et. al. (Hrsg.), Arbeit und Geschlecht im Umbruch der modernen Gesellschaft. Forschung im Dialog. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, S. 27 – 45
Haug, Frigga (2008). Die Vier – in – einem Perspektive. Politik von Frauen für eine neue Linke. Hamburg: Argument, S. 25 – 75
Jahoda, Marie/Lazarsfeld, Paul F./Zeisel, Hans (1975). Die Arbeitslosen von Marienthal. Ein soziographischer Versuch. Frankfurt am Main: Suhrkamp.
Kronauer, Martin (2002). Exklusion. Die Gefährdung des Sozialen im hoch entwickelten Kapitalismus. Frankfurt/M: Campus, S.75 – 115
Lewis, Jane (2002). Gender and Welfare State Change. European Societies, 4: 331 – 357
Nadai, Eva (2007). Simulierte Arbeitswelten. Integrationsprogramme für Erwerbslose. In: Baechtold, Andrea/ von Mandach Laura (Hrsg./dir.), Arbeitswelten. Integrationschancen und Ausschlussrisiken. Zürich: Seismo, S. 135 – 145
Nickel, Hildegard Maria (2007). Tertialisierung, (Markt-) Individualisierung, soziale Polarisierung – neue Konfliktlagen im Geschlechterverhältnis? In: Aulenbacher, Brigitte et. al. (Hrsg.), Arbeit und Geschlecht im Umbruch der modernen Gesellschaft. Forschung im Dialog. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, S. 27 – 45
Voss, G. Günter (2007). Subjektivierung von Arbeit und Arbeitskraft. Die Zukunft der Beruflichkeit und die Dimension Gender als Beispiel. In: Aulenbacher, Brigitte et. al. (Hrsg.), Arbeit und Geschlecht im Umbruch der modernen Gesellschaft. Forschung im Dialog. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, S. 97 - 114
Walgenbach Katherina et. al. (2007). Gender als interdependente Kategorie. In: Walgenbach, Katharina et. al., Gender als intedependente Kategorie. Neue Perspektiven auf Intersektionalität, Diversität und Heterogenität. Opladen & Farmington Hills: Barbara Budrich, S. 23 – 65
Soziale Arbeit, Bachelor, PO 2006
BA Soziale Arbeit, 2 KP unbenotet oder 3 KP benotet
Universität Siegen
SoSe 2010
Dr.
Hauss Gisela