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Uni-Siegen
14. März 2017

Sexualität Körper Geschlecht im Neuen Testament Seminar Paulus Thema

Dass -das- Christentum bzw. -die- Kirche leib- und sexualfeindlich seien, ist ein immer wieder erhobener Vorwurf – ein Vorwurf, der sich immerhin auf ein beeindruckendes Arsenal biblischer und kirchlicher Belege stützen kann. In unserem exegetisch und historisch angelegten Seminar geht...

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Dass -das- Christentum bzw. -die- Kirche leib- und sexualfeindlich seien, ist ein immer wieder erhobener Vorwurf – ein Vorwurf, der sich immerhin auf ein beeindruckendes Arsenal biblischer und kirchlicher Belege stützen kann. In unserem exegetisch und historisch angelegten Seminar geht es in erster Linie darum, zentrale biblische Texte zum Thema Sexualität, Leiblichkeit und Geschlecht zu erarbeiten. Die geschieht einerseits anhand konkreter Einzelfragen wie Ehescheidung und Homosexualität, daneben soll es aber auch um die Ehe im antiken mediterranen Kontext gehen, um die Anfänge der christlichen Askese, um Eheverzicht und Jungfräulichkeit (mit ihren jüdischen Wurzeln). Diese Fragen wiederum sind in den frühchristlichen Texten unlösbar mit der Konstruktion (wie der Dekonstruktion) von Geschlecht verbunden. Daher werden sowohl Texte analysiert, die die Geschlechterpolarität und –hierarchie bekräftigen, als auch solche, die sie relativieren. Die neutestamentlichen Texte partizipieren an den antik-mediterranen Diskursen über Sexualität, Körper und Geschlecht und sollen im Seminar als Teile dieser Diskurse rekonstruiert werden. Allerdings ist zu beachten, dass diese Kategorien anachronistisch sind, da die antike Welt z.B. keinen dem modernen Sexualitätsbegriff entsprechenden Begriff kennt (dasselbe gilt für -Geschlecht-). Da die frühchristlichen Texte im engeren Sinne zur Wirkungs- und Rezeptionsgeschichte zentraler alttestamentlich-jüdischer Texte gehören und insbesondere auf die Schöpfungserzählungen der Genesis laufend Bezug nehmen, werden auch diese Texte herangezogen. Den Schwerpunkt bilden Texte aus der Jesusüberlieferung sowie des Apostels Paulus. Trotz des historischen Schwerpunktes sollen auch aktuelle Fragen und die Positionen katholischer Morallehre zu den genannten Fragen nicht zu kurz kommen, hier bietet das Seminar auch Raum, die eigenen Fragen an entsprechender Stelle einzubringen. Instruktiv ist das Heft -Sex und Macht- der Zeitschrift für Neues Testament (ZNT Nr. 30 / 15. Jahrgang / 2012) http://www.znt-online.de/heft30.html Zur Einführung eignet sich der knappe Überblick bei: Tiedemann, H., Sexualität, in: Neues Testament und Antike Kultur NTAK II, hg. v. K. Scherberich, Neukirchen 2005, 21-25. Weitere Literatur zur Einführung: Brown, P., Die Keuschheit der Engel. Sexuelle Entsagung, Askese und Körperlichkeit am Anfang des Christentums. Aus d. Engl. von Martin Pfeiffer, München 1991. Felber, A., Harmonie durch Hierarchie? Das Denken der Geschlechterordnung im frühen Christentum, Wien 1994. Foucault, M., Sexualität und Wahrheit I-III, Frankfurt a.M. (verschiedene Auflagen). Haag, H. / Elliger, K., Zur Liebe befreit. Sexualität in der Bibel und heute, Zürich 1998. Kienzler, K./Reil, E. (Hg.), Als Mann und Frau schuf er sie. Theologische Grundlagen und Konsequenzen, Donauwörth 1995. Loader, W., Sexuality and the Jesus Tradition, Grand Rapids 2005. Loader, W., Sexuality in the New Testament. Understanding the key texts, London 2010. Morgenstern, M. / Bourdignon, C. / Tietz, C. (Hg.), männlich und weiblich schuf Er sie. Studien zur Genderkonstruktion und zum Eherecht in den Mittelmeerreligionen, Göttingen 2011. Tiedemann, H., Die Erfahrung des Fleisches, Stuttgart 1998. Katholische Theologie - Biblische Theologie Universität Siegen WiSe 2013/14 Univ.-Prof. Dr. Weidemann Hans Ulrich