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Uni-Siegen
14. März 2017

Ästhetik

Theorien der Ästhetik erheben oft den Anspruch, auch Theorien jener Kulturen zu sein, deren ästhetische Phänomene und Praktiken sie analysieren wollen: Diese Theorien beschreiben auch die Bedingungen, unter denen ihr Gegenstand sich konstituiert oder unter denen seine Hervorbringung unmöglich gemacht...

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Theorien der Ästhetik erheben oft den Anspruch, auch Theorien jener Kulturen zu sein, deren ästhetische Phänomene und Praktiken sie analysieren wollen: Diese Theorien beschreiben auch die Bedingungen, unter denen ihr Gegenstand sich konstituiert oder unter denen seine Hervorbringung unmöglich gemacht wird. Ebenso beschreiben sie die Wechselwirkungen, welche zwischen im engeren Sinne als -ästhetisch- gefassten Phänomenen und Praktiken und der übrigen Kultur bestehen. Oft idealisieren Theorien der Ästhetik die ästhetische Sphäre zu einem exemplarischen Raum, an dem sich der Zustand einer Kultur ablesen lässt, von dem her sie auf eine Verfeinerung der Kultur erhoffen oder an dem sie ihren Verfall ablesen. (Mit einer ähnlichen Argumentations­strategie operieren Theorien der Kultur daher häufig als Theorien der Ästhetik.) In der Vorlesung untersuchen wir diesen Zusammenhang an Ausschnitten einflussreicher Texte ästhetischer Theoriebildung, in denen unterschiedliche Auffassungen des -Ästhetischen-, seiner medialen Verfasstheit, seiner Zeichenpraktiken und seiner kulturellen Verortung ins Spiel kommen. Unser Augenmerk gilt dabei auch immer der expliziten oder impliziten Rolle, welche jeweils dem Schriftmedium und der Literatur zugeschrieben wird. Außerdem achten wir auf die verschiedenen literarischen Strategien, derer Ästhetik-Traktate sich gerne bedienen, sei es als Brief, Manifest, Pamphlet, Essay etc. Wir untersuchen Friedrich Schillers Hoffnung auf die Bildung von Individuum und gesamtkulturellem Zusammenhang durch die Rezeption von Werken der Kunst in -Über die ästhetische Erziehung des Menschen in einer Reihe von Briefen- (Reclam, Stuttgart 2000), Friedrich Nietzsches Beschwörung der Ästhetik einer ekstatischen Festkultur in -Die Geburt der Tragödie- (Reclam, Stuttgart 2006) und seine entgegengesetzte Polemik gegen eine multimediale Überwältigungsästhetik in -Der Fall Wagner- (Reclam, Stuttgart 2006). Unter den Vorzeichen der industrialisierten Kultur des frühen 20. Jahrhunderts beschäftigen wir uns zum einen mit Viktor Šklovskijs Hoffnung auf das Erkenntnispotential der ästhetischen Produktion in -Die Kunst als Verfahren- (in: Russischer Formalismus. Texte zur allgemeinen Literaturtheorie und zur Theorie der Prosa. Hrsg. Von Jurij Striedter. Utb, München 1994, S. 3-35) und Ernst Jüngers impliziter Technikästhetik in -Der Arbeiter. Herrschaft und Gestalt- (Klett Cotta, Stuttgart 2007). Wie untersuchen, wie Frederic Jameson die westliche Kultur des späten 20. Jahrhunderts vor allem an ästhetischen Phänomenen beschreibt: in -Postmoderne - zur Logik der Kultur im Spätkapitalismus- (in: Huyssen, Andreas/ Scherpe, Klaus R. (Hg.): Postmoderne. Zeichen eines kulturellen Wandels, Rowohlt, Hamburg 1986, S. 45-102). Und wir analysieren, wie Jacques Rancière in -Die Aufteilung des Sinnlichen- (b_books, Berlin 2006) die Ästhetik ihrerseits in eine Kulturanalyse und subversive politische Praktik umfunktionieren will. Die zu lesenden Ausschnitte und die geforderten Leistungen werden zu Beginn der Vorlesung bekannt gegeben. Eine Anmeldung ist unbedingt erforderlich. Deutsch, LA Berufskolleg, PO 2004 Universität Siegen WiSe 2010/11 Deutsch, LA Gymnasium / Gesamt, PO 2004 Deutsch, LA Haupt / Real, PO 2004 Priv.-Doz. Dr. Schäfer Martin Jörg Priv Doz