Zurück zum Vorlesungsverzeichnis
Uni-Dortmund
14. März 2017

Blockseminar Auge und Ohr im Text Literarische Synästhesien

Kurzbeschreibung: -Anni, halt dir amal d’ Ohren zu, dann schaug I, ob I di riach.- (Karl Valentin, Am Heubod’n) Karl Valentins Dialog mit Liesl Karlstadt, die sich, in völliger Dunkelheit auf einem Heuboden sitzend, darüber zu verständigen suchen, ob sie...

Erstelle deinen persönlichen Lernplan

Wir helfen dir, diesen Kurs optimal vorzubereiten — mit einem individuellen Lernplan, Tipps und passenden Ressourcen.

Jetzt Lernplan erstellen
Kurzbeschreibung: -Anni, halt dir amal d’ Ohren zu, dann schaug I, ob I di riach.- (Karl Valentin, Am Heubod’n) Karl Valentins Dialog mit Liesl Karlstadt, die sich, in völliger Dunkelheit auf einem Heuboden sitzend, darüber zu verständigen suchen, ob sie ihr Sehen und Riechen sehen, ob sie ihr Schweigen hören können -inszeniert- Synästhesie als komisches Sprachspiel an den Grenzen der Sprache, als Medienexperiment mit visuellen, olfaktorischen und akustischen Sinnesreizen. -Synästhesie- bezeichnet die Überlagerung oder Verknüpfung mehrerer Sinnesqualitäten. Als Parallelaktion der Sinneseindrücke löst dieser Energietransfer zwischen einzelnen Sinnenbereichen deren psychische, sprachliche und ästhetische Grenzen zugunsten einer Synthese oder eines Doppelempfindens auf, z.B. in der Wahrnehmungs-Synästhesie des -Farbenhörens-. Wo aber beginnt das Syn- der Synästhesie? In der neueren Literaturwissenschaft wird der Begriff der Synästhesie überwiegend als -Stilfigur-, als Trope in Abgrenzung zu anderen Tropen wie der Metapher, als Unterkategorie oder als Sonderform der Metapher verwendet. Wir werden uns in diesem Blockseminar mit exemplarischen Texten zur Begriffsgeschichte der Synästhesie (Johann Gottfried Herder, Jacob Grimm) und anhand ausgewählter literarischer Werke von der (Früh)romantik bis zur Moderne mit der literarischen Synästhesie als poetischem Konzept literarischer Innovation beschäftigen. Lernziele: Begriffsgeschichtliche Explikation der intermodalen Effekte der Synästhesie und deren interpretatorische Anwendung auf literarische Texte. Kompetenzen: Befähigung zur kritischen Analyse der vorgestellten Texte im Kontext literaturhistorischer, literaturtheoretischer und kulturwissenschaftlicher Diskurse. Teilnahmemodalitäten/Voraussetzungen: Die aktive Teilnahme setzt Bereitschaft zur Übernahme von Sitzungsprotokollen oder Impulsreferaten, bzw. Präsentationen (auch in Zweiergruppen) zu einzelnen Sitzungsthemen voraus. Modulprüfungsleistung (LABG 2009): Schriftliche Ausarbeitung eines Impulsreferates/einer Präsentation (8 Seiten = 1 LP, benotet) oder Schriftliche Hausarbeit (10 Seiten = 2 LP, benotet) Eignung für angewandte Studiengänge: Aufgrund der transdisziplinären Thematik gegeben. Weitere Hinweise: Ein Seminarplan mit weiteren Literaturangaben wird in der Vorbesprechung am Dienstag, 05.05 2015 um 18:00 Uhr in EF 3.405 vorgestellt. Texte und Materialien zu den einzelnen Sitzungsthemen werden im EWS bzw. in einem Seminarordner in der Emil-Figge-Bibliothek zur Verfügung gestellt. Einführende Literatur: Artikel -Synästhesie-. In: Karlheinz Barck / Martin Fonter, (Hgg.): Ästhetische Grundbegriffe, Bd. 5, Postmoderne bis Synästhesie. Stuttgart: J.B. Metzler 2003, S.841-868. Sabine Gross, Literatur und Synästhesie: Überlegungen zum Verhältnis von Wahrnehmung, Sprache und Poetizität. In: Hans Adler / Ulrike Zeuch, (Hgg.): Synästhesie. Interferenz-Transfer-Synthese der Sinne. Würzburg: Königshausen & Neumann 2002, S. 57-76. Peter Utz: Das Auge und das Ohr im Text. Literarische Sinneswahrnehmung in der Goethezeit. München: Fink 1990. Darin: Einleitung, S. 7-18. Technische Universität Dortmund SoSe 2015 Institut für deutsche Sprache und Literatur Gronenborn Klaus