Uni-Dortmund
14. März 2017Seminar Sterben ist eine Erzählform Lebensabschiede in der deutschen Gegenwartsliteratur
Kurzbeschreibung: -Mit dem Krebs hat es aber nun eine doppelte Bewandtnis: einerseits ist er eine körperliche Krankheit, an der ich mit einiger Wahrscheinlichkeit in nächster Zeit sterben werde, andererseits ist er eine seelische Krankheit, von der ich nur sagen kann,...
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-Mit dem Krebs hat es aber nun eine doppelte Bewandtnis: einerseits ist er eine körperliche Krankheit, an der ich mit einiger Wahrscheinlichkeit in nächster Zeit sterben werde, andererseits ist er eine seelische Krankheit, von der ich nur sagen kann, es sei ein Glück, dass sie endlich ausgebrochen sei.- (Fritz Zorn, Mars)
-Warum ich? Warum denn nicht ich? Willkommen in der biochemischen Lotterie-
(Wolfgang Herrndorf, Arbeit und Struktur)
Was geschieht, wenn Sprache auf das schlechthin Sprachlose, auf das Sterben, auf den Tod trifft? Diese Frage thematisiert und diskutiert das Seminar anhand dreier literarischer Werke.
Das erste war ein Bestseller der späten 1970er Jahre: der Roman -Mars- des Schweizers Fritz Zorn (erschienen 1977). Fritz Zorn (1944 – 1976), der mit bürgerlichem Namen Federico Angst hieß, war ein Kind der -Goldküste- am Nordostufer des Zürichsees. Zeit seines Lebens litt er an der Lieblosigkeit seines großbürgerlichen Elternhauses und am Anpassungsdruck des -Goldküsten--Milieus. Wie groß seine seelische Verkümmerung tatsächlich war, realisierte er allerdings erst viel später. Seine tödliche Krebserkrankung (als deren Ursache er metaphorisch seine -unvergossenen Tränen- beschreibt) zwang Fritz Zorn mit 30 Jahren zu einer schonungslosen Bilanz seines -nichtgelebten Lebens-, die er in diesem seinem einzigen Roman literarisch verarbeitete.
Der Lautpoesie-Spezialist und Autor Michael Lentz setzt sich in der Erzählung -Muttersterben- (erschienen 2002) mit dem sich von 1994 bis 1998 hinziehenden Krebstod seiner Mutter auseinander. Sein experimenteller Prosatext über die durch -gepanzerte selbstnichtwahrnehmung- geprägte Frau und deren Nachkriegsfamilienvita wurde 2001 mit dem -Ingeborg Bachmann Preis- ausgezeichnet.
Wolfgang Herrndorf, bekannt geworden durch seinen Jugendroman -Tschick-, dokumentiert und kommentiert mit schonungsloser Präzision und Direktheit in seinem (in Auszügen auch als Internetblog publizierten) Tagebuch-Roman -Arbeit und Struktur- (erschienen 2013) seine fortschreitende Krebserkrankung, wobei er strikt vermeidet, seinem sich ausbreitendem Gehirntumor auch nur den Anschein einer symbolischen Bedeutung zu geben.
Lernziele:
In vergleichender Analyse der unterschiedlichen textuellen Verfahren der Krankheitsdiskurse von Zorn, Lentz und Herrndorf werden wir die Thematisierung des Sterbens und Todes im Spannungsfeld medizinischen Wissens und literarisch-poetischer Darstellung genauer untersuchen.
Kompetenzen:
Befähigung zur analytisch-kritischen Auseinandersetzung mit den Thema Krankheit und Sterben und Tod im Kontext medizinischer und literarischer Diskurse.
Fritz Zorn, Mars, München: Kindler 1977 (Mit einem Vorwort von Adolf Muschg).
Michael Lentz, Muttersterben. In: ders., Muttersterben. Prosa, Frankfurt/M.: S. Fischer 2002, S. 139 - 186.
Wolfgang Herrndorf, Arbeit und Struktur, Berlin: Rowohlt Berlin 2013.
Als flankierende Sekundärliteratur empfehle ich:
Rudolf Käser, Arzt, Tod und Text. Grenzen der Medizin im Spiegel deutschsprachiger Literatur, München: Fink 1998.
Deutsch LABG2009 SoPä
Die aktive Teilnahme setzt Bereitschaft zur Übernahme von Sitzungsprotokollen oder Impulsreferaten, bzw. Präsentationen (auch in Zweiergruppen) zu einzelnen Sitzungsthemen voraus.
Schriftliche Ausarbeitung eines Impulsreferates /einer Präsentation (8 Seiten = 1 LP, benotet) oder Schriftliche Hausarbeit (10 Seiten = 2 LP, benotet)
Technische Universität Dortmund
WiSe 2014/15
Deutsch LABG2009 HRG
Gronenborn Klaus