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14. März 2017Der erste spanisch marokkanische Krieg in der spanischen Literatur des 19 Jh
Dem 1. Spanisch-Marokkanischen Krieg von 1859/60 kommt im spanischen Identitäts- und Nationenbildungsprozess eine besondere Bedeutung zu. Die Wichtigkeit, die dem Krieg in Spanien noch heute beigemessen wird, wird u.a. dadurch deutlich, dass erst im Jahr 2013 im Museu Nacional dArt...
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Jetzt Lernplan erstellenDem 1. Spanisch-Marokkanischen Krieg von 1859/60 kommt im spanischen Identitäts- und Nationenbildungsprozess eine besondere Bedeutung zu. Die Wichtigkeit, die dem Krieg in Spanien noch heute beigemessen wird, wird u.a. dadurch deutlich, dass erst im Jahr 2013 im Museu Nacional dArt de Catalunya in Barcelona eine Ausstellung der Gemälde und Zeichnungen des spanischen Künstlers Mariano Fortuny stattfand, der die Leistungen der spanischen Soldaten im Afrika-Krieg in seinen Werken verewigte.
Der damalige spanische Regierungschef Leopoldo O' Donnell hatte Marokko am 22.Oktober 1859 aufgrund marokkanischer Übergriffe auf Verteidigungsanlagen in Ceuta den Krieg erklärt. Er beabsichtigte mit dem Krieg einerseits Spaniens Position als Kolonialmacht zu wahren, nachdem Spanien die überwiegende Mehrzahl seiner Kolonien verloren hatte, andererseits versuchte er durch den Krieg gegen einen äußeren Feind die spanische Bevölkerung von innenpolitischen Problemen abzulenken und die a ufgrund der zahlreichen Bürgerkriege und Regierungswechsel in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zerrissene spanische Nation wieder zu einen. Tatsächlich löste der 1. Spanisch-Marokkanische Krieg in ganz Spanien eine enorme Begeisterung aus und zog eine immense Produktion patriotischer Literatur nach sich. Zahlreiche spanische Autoren und Künstler hielten die militärischen Leistungen der spanischen Soldaten in Liedern, Gedichten, Theaterstücken, historischen Romanen, Chroniken, Gemälden und Zeichnungen fest. Zu den bekanntesten Werken zählen die Chroniken von Pedro Antonio de Alarcón ( Diario de un testigo de la guerra de África ) und Gaspar Nuñez de Arce ( Recuerdos de la campaña de África ) , der historische Roman Aita Tettauen von Benito Pérez Galdós sowie das berühmte Gemälde La batalla de Tetuán von Mariano Fortuny.
Der 1. Spanisch-Marokkanische Krieg ist für die Analyse spanischer nationaler Identität vor dem Hintergrund der spanischen Geschichte besonders interessant, denn bei dem maurischen Feind, dem die Spanier im 1. Spanisch-Marokkanischen Krieg gegenüber standen, handelte es sich um die einstigen Eroberer, die von 711- 1492 große Teile Spaniens beherrschten und deren Kultur sich stark auf die spanische auswirkte.
Ziel des Seminars ist es anhand ausgewählter Texte zum 1. Spanisch-Marokkanischen Krieg auf der Grundlage verschiedener Theorien zur nationalen Identität und Nationenbildung (u.a. von Anderson, Gellner, Hobsbawm) zu untersuchen wie spanische nationale Identität konstruiert wird und welche Distanzierungsstrategien die spanischen Autoren verwenden, um sich vom maurischen Feind abzugrenzen. Zudem wird neben der Konstruktion von Identität auch die Konstruktion von Alterität, die aufgrund der jahrhundertelangen gemeinsamen Vergangenheit von Spaniern und Mauren auf der iberischen Halbinsel besonders interessant erscheint, einen Schwerpunkt des Seminars darstellen. Zur Analyse der Konstruktion der maurischen Alterität werden diverse Orientalismustheorien, u.a. von Said, herangezogen.
Romanistik - Französische und spanische Literaturwissenschaft
2/3 KP können durch ein Referat erworben werden, 5/6 KP durch eine zusätzliche schriftliche Hausarbeit.
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WiSe 2014/15
Kühne Ina