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Uni-Siegen
14. März 2017

Die Kunst der Menschenwürde Victor Hugos Les Misérables Seminar Exkursion

Victor Hugo (1802-1885) gehört zu den meist gelesenen Autoren des 19. Jahrhunderts. Schon zu Lebzeiten wurde ihm literarischer Ruhm zuteil; er wurde zum Nationalschriftsteller, zum ‚Goethe der Franzosen’. Seine letzte Ruhestätte wurde ihm im Panthéon in Paris gewährt – jener...

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Victor Hugo (1802-1885) gehört zu den meist gelesenen Autoren des 19. Jahrhunderts. Schon zu Lebzeiten wurde ihm literarischer Ruhm zuteil; er wurde zum Nationalschriftsteller, zum ‚Goethe der Franzosen’. Seine letzte Ruhestätte wurde ihm im Panthéon in Paris gewährt – jener Ruhmeshalle der großen Männer der französischen Geschichte (mit Ausnahme Marie Curies). Eine Ehrung, die Schriftstellern nur selten gewährt wird: neben Hugo liegen dort Rousseau, Voltaire und Zola. Heute jedoch werden die Werke Hugos kaum noch unterrichtet und nur noch wenig beforscht. Dabei hat er seinen großen Erfolg – wie Goethe – in allen drei Gattungen begründet. Er gilt als Hauptinitiator des romantischen Theaters (zwei seiner Stücke wurden von Giuseppe Verdi erfolgreich vertont), als wichtigster Lyriker der Romantik und als Autor von Romanen, die sich aufgrund ihres spannungsgeladenen Handlungs­reichtums beim Publikum ausgesprochener Beliebtheit erfreuten. Zu den bekanntesten gehören zweifellos Notre Dame de Paris (1831) und Les Misérables (1862). Beide Romane wurden mehrfach adaptiert: Die Spiel- und Zeichentrickfilme um den Glöckner von Notre Dame sowie das äußerst erfolgreiche Musical Les Misérables gehören inzwischen zu den Klassikern der Populärkultur, aber kaum jemand liest noch die Originaltexte des großen Schriftstellers. Dabei ist insbesondere Les Misérables ein ausgesprochener Schmö­ker­­roman, der die spannende Geschichte des entflohenen Sträflings Jean Valjean erzählt, dessen abenteuerliches Leben voll von tragischen Hindernissen, unerwarteten Wendungen und glückserfüllten Momenten mensch­licher Herzenswärme auf rund 1800 Seiten erzählt wird. Les Misérables ist aber auch das süffige Panorama französischer Geschichte von 1800 bis 1832, wie man sie in keinem Geschichtsbuch zu lesen bekommt. Und nicht zuletzt ist der Roman ein leidenschaftliches Plädoyer für die unantastbare Würde des Menschen, auch der Menschen, die an den Rändern der Gesellschaft leben, die Elenden. Victor Hugo: Les Misérables, 2 Bde., Édition d'Yves Gohin, Paris: Folio 1995. Victor Hugo: Die Elenden (Übersetzung von Hugo Meier), Zürich: Manesse-Verlag 1968. Romanistik - Romanische und allgemeine Literaturwissenschaft Das Seminar wird als Lektüre-Seminar gestaltet. Voraussetzung ist einzig die Lektüre des Romans. Auch 150 Jahre nach dem Erscheinen des Romans gibt es keine vollständige deutsche Übersetzung. Daher wird die zweibändige Folio-Taschenbuchausgabe benutzt. Bei nicht oder kaum vorhandenen Französisch-Kenntnissen kann auf die (fast vollständige) deutsche Übersetzung im Manesse-Verlag (Hugo Meier) zurückgegriffen werden. Antiquarisch ist auch die Übersetzung von Paul Wiegler und Wolfgang Günter erhältlich. Die stark gekürzte Ausgabe des Aufbau-Verlags (nur ein Drittel des Romans!) ist für das Seminar nutzlos. Universität Siegen WiSe 2012/13 Jun.-Prof. Dr. Schuhen Gregor Jun