Zurück zum Vorlesungsverzeichnis
Uni-Hannover
14. März 2017

Die Wiederentdeckung des Helden Die neue Väterlichkeit und das Vaterbild in den Sozialwissenschaften

Was ist dran an der Rede über -neue Väterlichkeit- und wie weit ist inzwischen das Postulat einer stärkeren Einbindung von Vätern in Haushalt, Erziehung und frühe Kinderpflege tatsächlich eingelöst? Die unterschiedlichen, unter affektiv hochbesetzten Stichworten wie -Vaterlosigkeit-, -Vaterferne-, -Vatermangel-, -Vaterentbehrung-...

Erstelle deinen persönlichen Lernplan

Wir helfen dir, diesen Kurs optimal vorzubereiten — mit einem individuellen Lernplan, Tipps und passenden Ressourcen.

Jetzt Lernplan erstellen
Was ist dran an der Rede über -neue Väterlichkeit- und wie weit ist inzwischen das Postulat einer stärkeren Einbindung von Vätern in Haushalt, Erziehung und frühe Kinderpflege tatsächlich eingelöst? Die unterschiedlichen, unter affektiv hochbesetzten Stichworten wie -Vaterlosigkeit-, -Vaterferne-, -Vatermangel-, -Vaterentbehrung- und -Vatersehnsucht- geführten Diskurse weisen offensichtlich auf einen eklatanten gesellschaftlichen Mangel hin. Gleichzeitig wird mit dem Einklagen einer positiven, fröhlichen und aktiven Vaterschaft die Leitfunktion neuer Vaterbilder beschworen, deren idealisierende Verklärung oft mit einer Dämonisierung der Mutter als -Ort der Schuld- oder gar als -Sündenfall der Moderne- (Rohde-Dachser) einhergeht. Vor dem Hintergrund dieser Gefahr soll das Seminar drei Ziele verfolgen: es soll einführend die Geschichte des Vaters und seiner alten und neuen Rolle in der Familie behandeln; es soll sich mit den Repräsentationen des Vaters und des Väterlichen in ausgewählten sozialwissenschaftlichen Ansätzen auseinandersetzen; und es soll den Versuch einer Analyse der damit verbundenen projektiven Gehalte der -neuen- Vaterdiskussionen unter geschlechtertheoretischer Perspektive unternehmen. Eine der Fragen, die dabei im Zentrum stehen wird, ist, ob die propagierte neue Väterlichkeit nicht weniger mit einer Neuorientierung der männlichen Rolle, als -vielmehr mit der Vereinnahmung der Mutterrolle durch den Mann- (von Braun) zu tun hat. Drinck, Barbara (2005): Vatertheorien. Geschichte und Perspektiven. Opladen: Barbara Budrich Walter, Heinz (Hg.) (2002): Männer als Väter. Sozialwissenschaftliche Theorie und Empirie. Gießen: Psychosozial Aigner, Josef Christian (2001): Der ferne Vater. Zur Psychoanalyse von Vatererfahrung, männlicher Entwicklung und negativem Ödipuskomplex. Gießen: Psychosozial Dunde, Siegfried Rudolf (Hg.) (1986): Neue Väterlichkeit. Von Möglichkeiten und Unmöglichkeiten des Mannes. Gütersloh: Mohn Bereswill, Mechthild/Scheiwe, Kirsten/Wolde, Anja (Hg.) (2006): Vaterschaft im Wandel. Multidisziplinäre Analysen und Perspektiven aus geschlechtertheoretischer Sicht. Weinheim/München: Juventa Institut für Soziologie Universität Hannover SoSe 2015 Prof. Dr. phil. Pohl Rolf phil