Uni-Hannover
14. März 2017Experimentelle Spieltheorie
Die experimentelle Spieltheorie ist ein zunehmend relevantes Feld innerhalb der gesamten Sozialwissenschaft. In der deutschsprachigen Soziologie und Politologie wird dieses Gebiet jedoch noch nicht hinreichend beachtet, obwohl darin grundlegende Problemstellungen der Sozialtheorie systematisch analysiert werden können (Diekmann 2008). Klassische Fragen,...
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Jetzt Lernplan erstellenDie experimentelle Spieltheorie ist ein zunehmend relevantes Feld innerhalb der gesamten Sozialwissenschaft. In der deutschsprachigen Soziologie und Politologie wird dieses Gebiet jedoch noch nicht hinreichend beachtet, obwohl darin grundlegende Problemstellungen der Sozialtheorie systematisch analysiert werden können (Diekmann 2008). Klassische Fragen, welche in diesem Gebiet angegangen werden sind die Entstehung von Kooperation (Fehr/Gintis 2007), die Bedingung für die Herstellung von Kollektivgütern und in diesem Zusammenhang die Rolle von Altruismus und Reziprozität (z.B. Fehr/Gächter 2002; Fehr/Fischbacher 2003; Gürerk/Irlenbusch/Rockenbach 2008), die Bedeutung von Reputation und Vertrauen in Transaktionen (z.B. Raub/Buskens 2006), Fragen nach der Effizienz demokratischer Abstimmungsmechanismen (Glassmann/Sauermann 2011), die Rolle von sozialem Status in Verteilungssituationen (Liebe/Tutic 2010) etc. Die Verknüpfung von präzisen spieltheoretisch begründeten Hypothesen und der Methode des Experiments, mit Hilfe dessen kausale Zusammenhänge identifiziert werden können, ermöglicht einen kumulativen Erkenntnisfortschritt.
Inhalt:
Im Seminar wird zunächst in einige Grundlagen der Spieltheorie und die Methode des Experiments eingeführt. Im Anschluss werden einige klassische Arbeiten vorgestellt und diskutiert. Hauptgegenstand der Veranstaltung ist dann die Planung, Durchführung und Auswertung eines Experimentes. Die Durchführung erfolgt mit z-Tree (Fischbacher 2006), die Standardsoftware für Computer-Laborexperimente. Die Auswertung erfolgt mit dem Statistikpaket Stata. Das durchzuführende Experiment schließt an aktuelle Studien an und stellt damit einen eigenen Forschungsbeitrag dar.
Teilnahmebedingungen und Studienleistung:
Die Veranstaltung richtet sich an Studierende des Methodenmoduls der Masterstudiengänge ‚Wissenschaft und Gesellschaft‘, ‚Politologie‘ und ‚Religion im interkulturellen Kontext‘. Eigene Programmierungen in z-Tree sind nicht erforderlich. Dies wird vom Veranstalter vorbereitet, jedoch wird die Funktionsweise vermittelt. Kenntnisse in Stata sind nicht zwingend, jedoch die Bereitschaft in die Einarbeitung in das Programm. Am wichtigsten ist aber das inhaltliche Interesse. Die Studienleistung wird dann in Form eines Berichts erbracht, welche sich auf die im Seminar durchgeführte Studie bezieht.
Einige Literatur für einen geeigneten Einblick in das Thema:
Camerer, Colin (2003): Behavioral Game Theory. Experiments in Strategic Interaction. Princeton University Press.
Diekmann, Andreas (2008): Soziologie und Ökonomie. Der Beitrag experimenteller Wirtschaftsforschung zur Sozialtheorie. IN: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 3, 528-550.
Diekmann, Andreas (2010): Spieltheorie. Einführung, Beispiele, Experimente. Rowohlt.
Politikwissenschaft, Master of Arts
Universität Hannover
WiSe 2015/16
Wienhold Martin