Uni-Hannover
14. März 2017Faschismus im Vergleich Theorie und Praxis
WAS IST FASCHISMUS? An dieser Frage haben sich seit Beginn des letzten Jahrhunderts mehrere Generationen von Historikern abgearbeitet, ohne zu einem nennenswerten Konsens zu gelangen. MacGregor Knox schrieb im Jahr 2000 resümierend: -After seventy-five years of debate, the scene resembles...
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Jetzt Lernplan erstellenWAS IST FASCHISMUS? An dieser Frage haben sich seit Beginn des letzten Jahrhunderts mehrere Generationen von Historikern abgearbeitet, ohne zu einem nennenswerten Konsens zu gelangen. MacGregor Knox schrieb im Jahr 2000 resümierend: -After seventy-five years of debate, the scene resembles a desert battlefield littered with the burnt-out, rusting hulks of failed theories.-
Seit den 1990er Jahren ist die vergleichende Faschismusforschung erneut im starken Aufwind und erhielt besonders aus dem angelsächsischen Raum zahlreiche neue Impulse. In diesem Seminar beschäftigen wir uns intensiv mit den Argumenten prominenter Vertreter dieser Debatte, erschließen deren Modelle eines generischen bzw. idealtypischen Faschismusbegriffs und widmen uns der energisch geführten wissenschaftlichen Debatte, die teilweise bis heute anhält. Im Fokus steht beispielsweise der Ansatz Roger Griffins, wonach sich Faschismus vor allem durch einen -palingenetischen Ultra-Nationalismus- als ideologischen Kern definieren lasse. Worin liegen die Vorteile, worin die Nachteile eines solchen Modells im Vergleich zu anderen Ansätzen? Bieten die -five stages of Fascism- (Robert O. Paxton), die -faschistische Matrix- (Roger Eatwell) oder eine -praxeologische- Definition des Faschismus (Sven Reichardt) ein höheres Erklärungspotenzial?
Im zweiten Teil des Seminars konfrontieren wir diese verschiedenen Forschungsansätze mit der historischen Realität. Dafür befassen wir uns exemplarisch mit Fallbeispielen faschistischer Bewegungen bzw. Regime in Europa und prüfen daran kritisch die Modelle eines generischen Faschismus. Neben dem Nationalsozialismus in Deutschland und dem Faschismus in Italien sind dies zum Beispiel die -Legion Erzengel Michael- (Rumänien), die -British Union of Fascists- (Großbritannien) oder die -Pfeilkreuzler- (Ungarn). Welche Personen engagierten sich in diesen Bewegungen? Worin bestanden deren Ziele, ideologische Überzeugungen und wer waren die Feinde, gegen die sie sich wandten? Politische Praxis und Stil, Selbstinszenierung und auch die Rahmenbedingungen für Erfolg oder Misserfolg einzelner Bewegungen sind weitere vergleichende Aspekte, welche die Betrachtung leiten und Antworten auf die Frage versprechen: WAS IST FASCHISMUS?
Bauerkämper, Arnd: A New Consensus? Recent Research on Fascism in Europe, 1918–1945. In: History Compass 4 (2006), S. 536–566 .
Reichardt, Sven: Neue Wege in der vergleichenden Faschismusforschung. In: Mittelweg 36 16 (2007), S. 9–25 .
Sonderpädagogik, Master LA Sonderpädagogik
Für das Seminar sind gute Englischkenntnisse erforderlich.
Universität Hannover
SoSe 2015
Geschichte, Master LA Gymnasium
Dr. des.
Fehlhaber Nils des