Uni-München
14. März 2017Fortgeschrittenenseminar Kierkegaard Die Krankheit zum Tode
In der Tradition bis Hegel stand Philosophie für den Versuch, das menschliche Leben im Ganzen der Wirklichkeit zu verstehen und das Zeitliche, Kontingente auf ein Ewiges abzubilden und durchsichtig zu machen. Seit dem Junghegelianismus und der einsetzenden Moderne verlieren Metaphysik...
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Jetzt Lernplan erstellenIn der Tradition bis Hegel stand Philosophie für den Versuch, das menschliche Leben im Ganzen der Wirklichkeit zu verstehen und das Zeitliche, Kontingente auf ein Ewiges abzubilden und durchsichtig zu machen. Seit dem Junghegelianismus und der einsetzenden Moderne verlieren Metaphysik und Religion an Überzeugungskraft. Der Ausgriff auf ein Ganzes und Ewiges erscheint zunehmend verwehrt.
Eine mögliche Reaktion auf diese Krisensituation in der Philosophie nach Hegel besteht im Negativismus. Wie Karl Marx in seiner Gesellschaftsanalyse vom Negativen des bestehenden Kapitalismus ausging, um aus der immanenten Widersprüchlichkeit dieser entfremdeten Welt der sozioökonomischen Zwänge heraus auf eine freie Gesellschaft zu verweisen, setzt auch die Existenzphilosophie Sören Kierkegaards an der Verzweiflung als dem Grundphänomen des menschlichen Lebens an, um aus dieser Negativität heraus immanent das in ihr verborgene Gegenteil ihrer selbst und damit Gesichtspunkte für ein gelingendes Selbstsein aufzuweisen.
Die Schrift -Die Krankheit zum Tode-, die Kierkegaard im Jahre 1849 unter der pseudonymen Autorschaft -Anti-Climacus- herausgegeben hat, bildet den Abschluß seiner pseudonymen Schriftstellerei und gilt als die konzentrierteste Darstellung seiner Philosophie. Neben der uneigentlichen Verzweiflung, in der der Mensch nicht einmal weiß, daß er verzweifelt ist, unterscheidet Kierkegaard zwei Grundformen der Verzweiflung: nämlich einerseits, verzweifelt man selbst sein zu wollen und andererseits, verzweifelt nicht man selbst sein zu wollen. Die Gesundheit soll in der intensiven, d.h. in jedem Moment vollzogenen Vernichtung der Möglichkeit der Verzweiflung bestehen, die als das nihilistische Grundphänomen je im menschlichen Leben präsent ist und aufzubrechen droht...
Primärtext:
• Kierkegaard, Sören, -Die Krankheit zum Tode-
Es können alle Ausgaben verwendet werden, z.B. die Ausgaben bei dtv, EVA, Meiner.
Hinführende Sekundärliteratur (enthält weitere, détailliertere Literaturhinweise):
• Theunissen, Michael/Greve, Wilfried (ed.), Materialien zur Philosophie Sören Kierkegaards, Frankfurt, 1979.
• Liessmann, Konrad Paul, Kierkegaard zur Einführung, Hamburg, 2010(5.Auflage).
• Wesche, Tilo, Kierkegaard. Eine philosophische Einführung, Stuttgart, 2003.
• Hutter, Axel/Rasmussen, Anders (ed.) Gestalten des Geistes. Kierkegaard im Kontext des Deutschen Idealismus, Berlin, 2014.
• Theunissen, Michael, Das Selbst auf dem Grund der Verzweiflung, Frankfurt, 1991.
• Theunissen, Michael, Der Begriff Verzweiflung, Frankfurt, 1993.
• Kierkegaardiana, Kopenhagen, 1957ff.
Leistungsnachweis
Hausarbeit ODER (Referat+Protokoll/Ausarbeitung), je nach Vorgabe der/des Dozierenden [9 ECTS-Punkte]
Anmeldung
Eine LSF-Belegung oder sonstige Voranmeldung ist nicht erforderlich.
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LMU München
WiSe 1415
Fakultät für Philosophie Wissenschaftstheorie und Religionswissenschaft