Zurück zum Vorlesungsverzeichnis
Uni-Kassel
14. März 2017

Hauptseminar Die Form des formlosen Anschreibens Linguistische Erkundungen zu unbewussten Formkonzepten Modulzuordnung L2 M5 L3 M8

Im Rahmen des Seminars sollen die Teilnehmer erkunden, wie differenziert Mitglieder der Sprachgemeinschaft die sprachlich formale Ebene der Textgestaltung wahrnehmen und welchen Einfluss bestimmte sprachliche Muster auf das Textverstehen haben können. Konkret lässt sich der gedankliche Ansatz des Seminars an...

Erstelle deinen persönlichen Lernplan

Wir helfen dir, diesen Kurs optimal vorzubereiten — mit einem individuellen Lernplan, Tipps und passenden Ressourcen.

Jetzt Lernplan erstellen
Im Rahmen des Seminars sollen die Teilnehmer erkunden, wie differenziert Mitglieder der Sprachgemeinschaft die sprachlich formale Ebene der Textgestaltung wahrnehmen und welchen Einfluss bestimmte sprachliche Muster auf das Textverstehen haben können. Konkret lässt sich der gedankliche Ansatz des Seminars an folgendem Beispiel vorstellen: Einer Gruppe von Sprachteilnehmern werden Texte vorgelegt, die sich auf der Ebene der sprachlich-formalen Gestaltung unterscheiden, auf der lexikalischen Ebene aber nach Möglichkeit nur geringfügig von einander abweichen. Am Beispiel eines Auszugs aus einer Schulordnung lässt sich dieses Verfahren veranschaulichen: A) Während der großen Pausen ist Schülern der Aufenthalt in den Räumen und Gängen untersagt. B) Die Schulleitung untersagt es, dass sich Schüler während der großen Pausen in den Räumen und Gängen aufhalten. Beeinflussen die unterschiedlichen Formulierungsmuster die Wirkung die von den Texten A und B ausgeht? Nehmen Sprachteilnehmer solche formalen Eigenheiten überhaupt wahr, wenn sie nur einen der Texte - also entweder nur A oder nur B - vorgelegt bekommen? Können Sprachteilnehmer im direkten Vergleich solcher Texte sprachliche Phänomene benennen und beschreiben, die verändert worden sind? Erkennen die Probanden, bei welchen Texten es sich um „Originale“ handelt, welche Texte hingegen „Fälschungen“ darstellen, bei denen textsortentypische sprachliche Muster ausgetauscht worden sind? Aus diesen Erkundungen lassen sich Hypothesen über ein vorbewusstes Textsortenwissen ableiten, das die Prozesse des Textverstehens vorstrukturiert. Sowohl literarische als auch pragmatische Texte sollen auf diese Weise untersucht werden. Das Seminar versteht sich als „Projektseminar“. Es wird keine wissenschaftlich gesicherten Erkenntnisse erarbeiten können, dafür aber „Sprache“ als Gegenstand eigener Beobachtungen ins Blickfeld rücken und didaktische Perspektiven für die Entwicklung von Sprachaufmerksamkeit und Sprachbewusstheit aufzeigen. In der Startphase der Veranstaltungsreihe werden verschiedene grammatische und textstrukturelle Sprachmuster vorgestellt und ihre Beziehungen zu bestimmten Textsorten diskutiert. In der anschließenden Testphase sollen die Studierenden eigene Entwicklungen von Text und Kontrasttext vorstellen sowie kleinere Testverfahren mit Schüler- und Studentengruppen durchführen und auswerten. Unter Umständen können die Ergebnisse auch Auskunft darüber geben, inwieweit sprachliche Formen den Sinnbildungsprozess beeinflussen und inwieweit den Rezipienten ein solcher Einfluss bewusst ist. Harald Fricke, Rüdiger Zymner. Einübung in die Literaturwissenschaft. Parodieren geht über Studieren. Paderborn 1991 Hans Jürgen Heringer. Grammatik und Sti. Praktische Grammatik des Deutschen. Berlin 1995 Wilhelm Köller. Philosophie der Grammatik. Vom Sinn grammatischen Wissens. Stuttgart 1988 Wilhelm Köller. Funktionaler Grammatikunterricht. Hohengehren 1997 FB 02 Institut für Germanistik Uni Kassel WS 2006/2007 Dr. Müller Christoph