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Uni-Kassel
14. März 2017

Hauptseminar Lachen im über Mittelalter Kriterien und Kategorien des Komischen

Etwas komisch zu sehen und zu verstehen ist eine elementare Form ästhetischen Wahrnehmens. Aber die -Gebiete des Komischen sind weitläufig […], die dahin gehörigen Wörter und Begriffe durchkreuzen sich auf eine verwirrte Art, die Bedeutungen, die man damit verbindet, sind...

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Etwas komisch zu sehen und zu verstehen ist eine elementare Form ästhetischen Wahrnehmens. Aber die -Gebiete des Komischen sind weitläufig […], die dahin gehörigen Wörter und Begriffe durchkreuzen sich auf eine verwirrte Art, die Bedeutungen, die man damit verbindet, sind oft gar widersprechend.- (Carl Friedrich Flögel: Geschichte der komischen Litteratur. Bd. 1. Leipzig 1784, S.3f). Die Differenzierungsbemühungen im Feld des Komischen erweisen sich – diesem kurzen Zitat folgend – nicht nur heute, sondern im historischen Rückblick immer wieder als ein äußerst kompliziertes Unterfangen. Die Zusammenhänge, Abgrenzungen und der jeweilige Gebrauch der Begriffe komisch, Komik, Komödie, Lachen, Lächeln, lächerlich oder aber auch Humor sind demzufolge nicht immer eindeutig besetzt, sondern auf ihren jeweiligen Bedeutungszusammenhang im historischen wie künstlerischen Kontext zu überprüfen. Für die Analyse der Kriterien und Kategorien des Komischen im Mittelalter sind dabei drei Ebenen zu unterscheiden, die im Seminar näher betrachtet werden sollen: Zum einen tritt eine textinterne Mikroebene in den Fokus, die in zentralen epischen Texten des Mittelalters Konstellationen des Komischen wie des Lachens der Figuren und auf diese Weise ein Lachen im Mittelalter in den Blick nimmt. Die Techniken der Inszenierung von Gelächter und ihre Bedeutung bei der Konstitution von Gruppen im literarischen Text veranschaulichen exemplarisch, wie unterschiedliche Lachkulturen die mittelalterliche Literaturpraxis mitbestimmen. Zum anderen sollen auf einer textexternen Makroebene die mittelalterlichen Literaturgattungen, die komische Gestaltungsformen dezidiert praktizieren, in den Blick genommen werden, um Konventionen der Darstellung des Komischen zu untersuchen. Hierbei überlagern sich die Perspektiven von einem Lachen im bzw. über Mittelalter. Überlegungen über eine Definition des Komischen setzen sich mit Präsentationsformen und Funktionen im Kontext ästhetischer Kommunikation auseinander, in der in der Regel das Lachen des jeweiligen Rezipienten als Antwort auf das komische Stimulans analysiert wird. Hierbei werden die Techniken der komische Reizung und des intendierten Lachens als deren Folge näher zu betrachten sein. Darüber hinaus zeigt sich bei einem Blick auf die heutige Mittelalterrezeption aber auch, das ein Lachen über das Mittelalter zu gängigen Adaptionsformen mittelalterlicher Kultur in der Gegenwart zählt und es stellt sich die Frage, welche Anknüpfungspunkte eine komische Inszenierung des Mittelalters bietet, bzw. welche Stereotype den spezifische mittelalterlich konnotierten Lachanlass eigentlich herstellen. FB 02 Institut für Germanistik Die Leistungsnachweise sind gemäß der jeweiligen Modulprüfungsordnung zu erbringen. Uni Kassel WiSe 2012/13 Germanistische Sprachwissenschaft Dr. Schul Susanne